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80 Quadratmeter bunt bemalt

15.06.2021 • 20:17 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Malaktion in der Feldkircher Innenstadt. <span class="copyright">hartinger</span>
Malaktion in der Feldkircher Innenstadt. hartinger

Regenbogen-Aktion in Feldkirch. Politischer Disput über weitere Akzente geht weiter.

Ein sichtbares Zeichen für Toleranz setzte die Stadt Feldkirch am gestrigen Dienstag auf dem Gymnasiumplatz zwischen Montforthaus und Pädagogischem Förderzentrum. Vertreter aller politischen Fraktionen, Kirchenmänner, Schüler und Mitglieder der LGBTIQ*-Community gestalteten eine 80 Quadratmeter große Fläche in den Farben des Regenbogens.

Der 15. Juni wurde dabei nicht zufällig gewählt, markiert er doch genau die Mitte des sogenannten Pride-Month. Dieser erinnert an die Stonewall-Aufstände im Jahr 1969, als sich homo- und transsexuelle Menschen in New York Polizei-Razzien widersetzt hatten und damit den Anfang der LGBTIQ*-Bewegung, wie wir sie heute kennen, markierten. Die aufgemalte „Fahne“ symbolisiere „das Bekenntnis der Stadt Feldkirch zu einer offenen, bunten, solidarischen und toleranten Gesellschaft, in der niemand ausgegrenzt wird“, heißt es in einer Aussendung der Stadt.

Seitdem die Vatikanische Glaubenskongregation kurz vor Ostern mit ihrem Segnungsverbot für gleichgeschlechtliche Paare aufhorchen ließ, wehen als Zeichen der Toleranz im ganzen Land die Regenbogenfahnen. Auch in Feldkirch hisste man spät aber doch eine bunte Fahne. Den Neos war das allerdings zu wenig, sie beantragten in der jüngsten Stadtvertretungssitzung, dass ein Schutzweg – vorzugsweise jener am Schlossgraben – „als dauerhaftes Zeichen“ mit Regenbogenfarben ausgefüllt werden solle. Der Bürgermeis­terpartei ÖVP schmeckte das wenig, gemeinsam mit dem Koalitionspartner FPÖ sorgte man für eine Zuweisung in den Sozialausschuss. Es seien noch zu viele Fragen rechtlicher und kostentechnischer Natur offen, so die Argumentation.

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Hartinger

Reaktionen

Die Aktion, so hört man, dürfte nun auch deshalb gesetzt worden sein, um weitere Kritik am Vorgehen der Bürgermeis­terpartei abzuwenden. Die Pinken begrüßen die Aktion zwar, stellten aber fest, dass es neben der symbolischen Geste „ein koordiniertes Vorgehen gegen jegliche Form von Diskriminierung und für Akzeptanz“ geben müsse. Die Grünen sprechen dezidiert von Symbolpolitik und fordern unter anderem eine Beratungsstelle und ein dauerhaftes Zeichen der Solidarität wie etwa die Umsetzung des erwähnten Regenbogen-Zebrastreifens. „Viel zu oft werden lesbische, schwule, inter-, trans- und bisexuelle Menschen heute noch aufgrund ihrer sexuellen Identität angegriffen – auch in Feldkirch“, heißt es in einer Aussendung.

Schutzweg nicht umsetzbar

Stadtvertreterin Julia Berchtold (ÖVP) verwehrt sich gegen den Vorwurf der Symbolpolitik. Diese sei für sie dann gegeben, „wenn man über Dinge redet, die sich aber aus diversen Gründen nicht umsetzen lassen.“ Der vorgeschlagene Zebrastreifen werde vom Land nicht genehmigt, hätte hohe Errichtungs- und Erhaltungskosten für die Steuerzahler zur Folge und sei sicherheitstechnisch aufgrund des Abriebs zumindest bedenklich. „Deshalb haben wir ganz nach dem Motto ‚A litte more action, a little less conversation‘ ein unkompliziert umsetzbares Zeichen vorgeschlagen“, so Berchtold.

Dass von Symbolpolitik keine Rede sein könne, betont auch Bürgermeister Wolfgang Matt (ÖVP): „Wir stehen in der humanistischen Tradition unserer Stadt vorbehaltlos zu Werten wie Toleranz, Respekt und Achtung gegenüber allen Menschen.“