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Von Angesicht zu Angesicht

15.06.2021 • 20:45 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Die Masken im Klassenzimmer gehören der Vergangenheit an. Außerhalb der Klasse müssen sie aber getragen werden.<span class="copyright">Hartinger</span>
Die Masken im Klassenzimmer gehören der Vergangenheit an. Außerhalb der Klasse müssen sie aber getragen werden.Hartinger

Ab sofort dürfen Schüler ihre Masken am Sitzplatz abnehmen.

Morgens, kurz vor acht Uhr. Schülerinnen und Schüler strömen ins Bundesgymnasium Gallusstraße in Bregenz. Vor der Tür stoppen sie ab. Bei allen ist es dieselbe Bewegung: Blick nach unten, die Hände formen einen Trichter um Kinn und Nase, streifen hinter die Ohren, dann Tür auf und hinein ins Schulgebäude. Nach wie vor ist die Maske auch im Schulbetrieb allgegenwärtig. Aber seit gestern ist sie es ein Stückchen weniger: Seitdem dürfen Schüler die Kinder und Jugendlichen die Masken ausziehen, sobald sie an ihrem Platz sitzen, und müssen sie nur aufsetzen, wenn sie auf die Toilette gehen oder vor an die Tafel.

Viele kleine Schritte

Die Direktorin Sabine Lenz-Johann führt ins rückwärtige Gebäude, auf dem Weg liegt der Sportplatz, wo Schülerinnen Volleybälle pritschen und baggern, ohne Maske und alles auf Abstand. „Natürlich gehen keine Kontaktsportarten im klassischen Sinn“, sagt Lenz-Johann und grüßt die Lehrerin im Vorübergehen. „Aber auch im Winter haben die Schüler viel Sport im Freien gemacht, und die Sportlehrer waren sehr kreativ, um die Möglichkeiten auszureizen.“ Sie freut sich schon auf die Zeit, „wenn alle gesund sind und sich treffen können.“ Bis dahin werden es vermutlich viele kleine Schritte sein, so wie der der Maskenfreiheit am Platz für die Schüler. „Es sind jeden Tag wieder mehr Schüler hier im BG Gallusstraße. Jeden Tag fühlt es sich ein bisschen besser an“, beschreibt die Direktorin.


„Kein Schichtbetrieb mehr, dafür haben wir noch unser Einbahnsystem: vorne rein ins Gebäude, hintenherum wieder hinaus. Die Masken sind ein Automatismus geworden. Wir haben uns alle daran gewöhnt. Aber dass die Schüler sie jetzt teilweise ausziehen können, freut mich sehr.“

Lehrerin der 3c, Martina Natter. <span class="copyright">Hartinger</span>
Lehrerin der 3c, Martina Natter. Hartinger

“Das hat gefehlt”

Die Lehrerin der 3c, Martina Natter, schließt sich dem an. „Wir haben gerade in der Klasse über das Thema gesprochen und festgestellt, wir sind fast ein bisschen euphorisch. Endlich begegnen wir uns wieder von Angesicht zu Angesicht. Es ist herrlich, das hat schon gefehlt. Und wenn die Temperaturen steigen und es richtig warm wird, dann ist es unter den Masken schon ziemlich heiß. Aber der Anblick der maskenlosen Schülerinnen und Schüler ist ungewohnt, man denkt immer, ,irgendwas fehlt!‘.“

Natter unterrichtet Deutsch und Ethik. Noch wichtiger ist es aus Schülersicht, das ganze Lehrergesicht zu sehen und umgekehrt, wenn Fremdsprachen gelernt werden. Für den Spracherwerb, für die Aussprache. „Da ist das Lippenlesen unerlässlich“, bestätigt Lenz-Johann. Mit Maske müsse man zusätzlich lauter sprechen, das sei gerade auf die Dauer anstrengend für alle Beteiligten.
Die Klassenzimmertüren stehen alle offen, es wird für Durchzug gesorgt, wo es geht. „Zusätzlich haben wir ein sehr gutes Lüftungssystem“, zeigt sich die Schulleiterin zufrieden.

Direktorin Sabine Lenz-Johann. <span class="copyright">Hartinger</span>
Direktorin Sabine Lenz-Johann. Hartinger

Zwiegespalten

In den Zwischenräumen zwischen den Klassenzimmern sind Schüler mit Freiarbeit beschäftigt, sitzen zum Beispiel zu zweit nebeneinander und arbeiten konzentriert. „Diese Schüler sind aus derselben Klasse, sie dürften hier eigentlich die Masken abnehmen, aber die meisten haben sie trotzdem an“, erklärt sie. Vorsicht? Vielleicht eher Gewohnheit.


Die 17-jährige Schulsprecherin Lina Feurstein beschreibt, dass viele Schüler sich wegen Corona nach wie vor Sorgen machen. „Die Rückmeldungen, die ich bekomme, zeigen, dass viele froh sind, wenn die Maskenpflicht gelockert wird. Andere machen sich nach wie vor Gedanken, ob sie sich anstecken könnten.“ Die Direktorin bedauert, dass auch für Lina Feurstein als Schulsprecherin die Möglichkeiten durch Corona deutlich eingeschränkt waren und sind. „Sich treffen, sich ausprobieren, Rhetorik und Kommunikation schulen, das war alles eingeschränkt. Lina hatte so viele Ideen, wollte einen Tag der politischen Bildung organisieren, es ist einfach nicht dasselbe.“

Die 17-jährige Schulsprecherin Lina Feurstein. <span class="copyright">Hartinger</span>
Die 17-jährige Schulsprecherin Lina Feurstein. Hartinger

Ungewohnt, aber gut

So oder so, die 25 Schülerinnen und Schüler, die an diesem Morgen im Klassenraum der 3c sitzen, sind erst einmal froh, ihre Masken los zu sein. „Das Gefühl, ohne Maske dazusitzen, ist ungewohnt, aber gut“, bringt es die 13-jährige Ida Kramer auf den Punkt. Direktorin Sabine Lenz-Johann findet ihre Schüler „wahnsinnig diszipliniert. Ohne Frage, die Jugend hat unter Corona am meisten gelitten. Nun ist es Zeit, ihr Freiheit zurückzugeben.“