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Vorarlbergs Jugend sieht Zukunft positiv

15.06.2021 • 20:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit

Mädchen zieht es an die Universitäten, Buben zur Lehrausbildung

Angesichts der Pandemie hätte es wenig verwundert, wenn Vorarlbergs Jugendliche wenig zuversichtlich in die Zukunft blickten. Doch das Gegenteil ist der Fall. Corona habe bei den jungen Menschen „keinen unmittelbaren Einfluss auf die Veränderung von Werthaltungen“ gezeigt, so Landeshauptmann Markus Wallner bei der Präsentation der Studie „Lebenswelten 2020“, für die Schüler der achten bis zehnten Schulstufe befragt wurden. Man könne erfreut sein, dass „ein großer Teil der Jugendlichen sich Gedanken über die Zukunft macht“.
Für die 14- bis 16-Jährigen seien vor allem Ausbildung, Familie und Freunde wichtig. Daneben nimmt ein weiteres Thema immer größeren Raum ein: „Die Jugend verlangt großes Engagement bei Umwelt und Klimaschutz“, so Wallner.

Vorarlbergs Jugend sieht Zukunft positiv

Mädchen wollen studieren

. Vom übrigen Österreich unterscheiden sich die Vorarlberger Jugendlichen durch ihre Bildungspläne. Einerseits ist die Lehre angesehener als im Bundesschnitt, andererseits wollen vor allem die Mädchen häufiger studieren, als ihre Altersgenossinnen hinter dem Arlberg.
Ein Studium ist für ein Viertel und damit für die größte Gruppe das primäre Bildungsziel. Buben peilen hingegen zu 38 Prozent eine Lehre an. Das hänge auch mit den Berufszielen zusammen, so Gabriele Böheim-Galehr, eine der Studienautorinnen. Während männliche Jugendliche häufig IT- oder Technikberufe favorisierten, tendierten Mädchen eher zu Karrieren im Bildungs- und Gesundheitswesen.Vorarlbergs Jugend zeigte sich außerdem sportlicher als der österreichische Durchschnitt.

Umweltbewusste Generation

Das Interesse der Jugendlichen an Umwelt- und sozialen Themen ist groß. Besonders Mädchen haben hier sehr klare Meinungen: 36 Prozent von ihnen lassen sich einem idealistischen Wertetyp zuordnen, bei den Burschen sind es nur 24 Prozent. Sie sind materialistischer eingestellt und dominieren bei diesem Wertetyp mit 32 Prozent, während die Mädchen hier nur auf 17 Prozent kommen. Gleichzeitig ist an Schulen, die zur Matura hinführen, der idealistische Typus stärker vertreten.

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Bei den Bildungschancen spielen vor allem der sozioökonomische Hintergrund, die Herkunft und der Bildungsgrad der Eltern eine Rolle. So können sich 71 Prozent der jungen Menschen, bei denen zu Hause Vorarlbergerisch oder Deutsch gesprochen wird, von ihren Eltern Hilfe bei schulischen Problemen erwarten. Bei den Jugendlichen mit nicht-deutscher Haushaltssprache waren es hingegen nur 47 Prozent. Auch von Eltern, die lediglich über einen Pflichtschulabschluss verfügen, erwarteten sich nur 51 Prozent der Schüler Hilfe, bei solchen mit einem niedrigen sozialen und wirtschaftlichen Status waren es gar nur 41 Prozent.

Politische Jugend

Widersprüchlich erscheint zunächst, dass die Jugendlichen in gesellschaftspolitischen Fragen zwar klar Stellung beziehen, aber gleichzeitig angeben, sich nur wenig für Politik zu interessieren. So sind 91 Prozent der Mädchen und 79 Prozent der Burchen eher oder ganz der Meinung, dass jeder vom Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen profitieren könne. Immerhin 88 Prozent der Mädchen und 78 Prozent der Burschen haben etwas oder große Angst vor steigender Umweltverschmutzung. Gleichzeitig gaben aber nur 42 Prozent der weiblichen und 47 Prozent der männlichen Jugendlichen an, sich stark oder zumindest etwas für Politik zu interessieren. Laut Studienautorin Gudrun Quenzel ist das jedoch kein Widerspruch. Jugendliche verstünden unter „Politik“ meist innenpolitische Debatten und zeigten an diesen wenig Interesse. Die Einstellung vieler Erwachsener „alles ist Politik“ teilten die Jugendlich noch nicht, so Böheim-Galehr.

Auch wenn die Jugendlichen dem Thema Migration offen gegenüberstehen, erwartet sich eine große Mehrheit von 66,5 Prozent, dass sich Zuwanderer der österreichischen Kultur anpassen. Selbst migrantische Jugendliche sind zu über 70 Prozent der Meinung, dass Kinder überwiegend deutschsprachig erzogen werden sollten. Junge Muslime waren deutlich religiöser, wiesen aber ansonsten ähnliche Wertehaltungen auf. Jugendliche mit syrischem Migrationshintergrund zeigten sich allerdings überdurchschnittlich erfolgsorientiert.