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Bischof Schwarz verleiht Brisanz

16.06.2021 • 14:50 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Vorsitzender der Bischofskonferenz, Erzbischof Franz Lackner, Kardinal Christoph Schönborn, Bischof Alois Schwarz
Vorsitzender der Bischofskonferenz, Erzbischof Franz Lackner, Kardinal Christoph Schönborn, Bischof Alois Schwarz APA/BARBARA GINDL

Es muss ein neuer Referatsbischof für Pastoral ernannt werden.

Die Sommervollversammlung der Bischofskonferenz (bis Donnerstag in Mariazell), das ist ein turnusmäßiger Termin. Doch diesmal gibt es Besonderheiten und hohe Brisanz: Erstmals treffen sich Österreichs Bischöfe wieder in Präsenz und nicht via Videokonferenz. Auf der Tagesordnung stehen Beratungen zu Vorgaben des Papstes zum Thema Synodalität. Ab Oktober sollen in den Diözesen synodale Vorgänge zu den Themen Gemeinschaft, Partizipation und Mission gestartet werden. Montagnachmittag gab es ein Treffen von Frauen in kirchlichen Leitungspositionen mit den Bischöfen.

Abberufung gefordert

Für Brisanz bei den bischöflichen Beratungen dürfte ein anderes Thema sorgen. Der St. Pöltener Bischof Alois Schwarz hat im Mai in einem Schreiben an den Vorsitzenden der Bischofskonferenz, Erzbischof Franz Lackner, von sich aus seine langjährige Zuständigkeit für das Pastoralreferat in der Bischofskonferenz “wegen Vertrauensverlustes” zurückgelegt. Für Insider ist klar: Er kam so seiner Ablöse zuvor. Denn Schwarz war im April mit dem bundesweiten Protest aller Pastoral- und Seelsorgeamtsdirektoren konfrontiert. Sie forderten in einem Schreiben an Erzbischof Franz Lackner, Bischof Manfred Scheuer und Kardinal Christopf Schönborn die Ablöse. Inoffiziell ist zu hören, dass die Pastoralamtsleiter sich von Schwarz nicht vertreten fühlen und das Vertrauen in diesen nicht mehr gegeben sei.

In der Bischofskonferenz muss jetzt ein neuer Referatsbischof für Pastoral ernannt werden. Dabei wurden erst im März in diesem Gremium die inhaltlichen Zuständigkeiten der Bischöfe neu aufgestellt. Damals hatte Schwarz seinen Vorsitz für Finanzen zur Verfügung gestellt – und die Bereiche Wirtschaft und Landwirtschaft dazu bekommen. Den Pastoralbereich hat Schwarz damals noch behalten. Doch jetzt musste der Bauernsohn aus Niederösterreich und promovierte Pastoraltheologe neuerlich von sich aus handeln und den außergewöhnlichen Schritt setzen.

Hintergrund

Alois Schwarz promovierte 1981 in Pastoraltheologie, Ab 1987 war er Pastoralamtsleiter  in der Erzdiözese Wien. Er hatte den Vorsitz in der Pastoralkommission und in der Konferenz der Pastoral- und Seelsorgeamtsleiter

Im Jahr 2000, drei Jahre nach seiner Bischofsweihe übernahm er in der Bischofskonferenz das Referat für Pastoral.

Kirchenkenner streichen hervor, dass es bemerkenswert sei, wie rasch die Bischofskonferenz auf das Schreiben der Pastoralamtsleiter reagierte und die Frage Pastoralreferat unmittelbar auf die Tagesordnung setzte. Insider sind überzeugt: Die Schwarz-Ablöse wäre fix gewesen.

Kritik in St. Pölten

Nach Kärnten und St. Pölten erhalten die neuerlichen Turbulenzen rund um Bischof Schwarz so eine bundesweite Dimension. Davor hatte es in St. Pölten den Unmut und schriftlichen Protest von haupt- wie ehrenamtliche diözesanen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gegeben. Anlass ist die von Bischof Schwarz eingeleitete Neuaufstellung der Diözese, er will “zukunftsfähige Strukturen” schaffen, wie er festhält. In Offenen Briefen ist von “tiefer Besorgnis über Art und Weise sowie die inhaltliche Ausrichtung des Umbaus” die Rede. Fehlende Kommunikation und Intransparenz werden kritisiert.

Parallelen zu Kärnten

Vieles erinnert an die Ära von Bischof Schwarz in Kärnten (2001 bis 2018), wo er mit Vorwürfen zu Amts- und Lebensführung konfrontiert war und ihm im Bistum, dem millionenschweren Mensalgut, “Misswirtschaft” vorgeworfen wurde. Verfahren wegen Untreue wurden unter Hinweis auf das Konkordat eingestellt; mit der Begründung laut Oberstaatsanwaltschaft Wien, dass es dem Staat nicht zustehe, sich in innere Angelegenheiten der Kirchengemeinschaft einzumischen. Noch offen ist ein Finanzstrafverfahren. Es geht um den Vorwurf der Steuerhinterziehung beim Wohnungsverkauf des Bistums. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Mit Erzbischof Franz Lackner hat die Bischofskonferenz jetzt einen Vorsitzenden, der die Kärntner Details aus der Ära Schwarz bestens kennt. Er war der von Rom ernannte Visitator der Diözese Gurk-Klagenfurt.