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Millioneneinbußen beim Ticketverkauf

16.06.2021 • 20:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Andrea Kaufmann, Johannes Rauch, Christian Hillbrand und Dieter Egger präsentierten die Jahresbilanz des Verkehrsverbund Vorarlberg. <span class="copyright">VLK/Serra</span>
Andrea Kaufmann, Johannes Rauch, Christian Hillbrand und Dieter Egger präsentierten die Jahresbilanz des Verkehrsverbund Vorarlberg. VLK/Serra

Corona-Pandemie machte auch dem Verkehrsverbund zu schaffen.

Trotz deutlicher Einbrüche in allen Bereichen ist der Verkehrsverbund Vorarl­berg (VVV) mit einem blauen Auge durch das von der Corona-Pandemie geprägte Jahr 2020 gekommen. Die Zahl der verkauften Jahreskarten ging gegenüber dem Jahr 2019 um 6,5 Prozent von 75.529 Stück auf 70.673 zurück. Auch die Ticketverkäufe brachen wegen Lockdowns, Home Schooling oder Home Office zeitweise um über 90 Prozent ein. Schlussendlich wurden 2020 knapp 2,9 Millionen Fahrscheine verkauft – um 1,6 Millionen weniger als noch im Jahr davor. Die Einnahmen gingen in diesem Bereich daher auch um etwa fünf Millionen Euro auf 44,4 Millionen Euro zurück.

Grundstock an Kunden

2020 sei für alle ein herausforderndes Jahr gewesen, sagte Mobilitätslandesrat Johannes Rauch (Grüne) bei der Präsentation des VVV-Geschäftsberichts am Hohenemser Bahnhof. Dabei mache der Öffentliche Verkehr keine Ausnahme. Allerdings sei Vorarlberg hier besser durch die Krise gekommen als so manch andere Region. Ein wichtiger Faktor ist aus Sicht von Rauch die Einführung des 365-Euro-Jahrestickets im Jahr 2014. Auf diese Weise sei es gelungen, einen Grundstock an Kunden aufzubauen, von denen nun auch viele während der Pandemie treu geblieben seien.

Knapp 5000 Jahreskarten weniger wurden 2020 im Vergleich zum Jahr davor verkauft. <span class="copyright">VLK/Serra</span>
Knapp 5000 Jahreskarten weniger wurden 2020 im Vergleich zum Jahr davor verkauft. VLK/Serra

VVV-Geschäftsführer Chris­tian Hillbrand erwartet, dass die Verkaufszahlen der Jahrestickets heuer wieder in einem ähnlichen Bereich liegen dürften. Damit habe man eine gute Basis, von der aus man dann wieder mit der Aufbauarbeit beginnen könne. Schmerzhaft sind aus seiner Sicht die Einnahmenrückgänge durch den gesamten Ticketverkauf. Denn dadurch steige auch der Finanzierungsbedarf durch die öffentliche Hand. Seien vor der Pandemie rund 40 Prozent der Kosten in Höhe von rund 139 Millionen Euro durch die Nutzer finanziert worden, sei dieser Anteil nun auf 33 Prozent zurückgegangen. Umso wichtiger seien die stabilen Partnerschaften mit dem Land, den Gemeinden und Regionen sowie dem Bund.

Dankeschön geplant

Rauch kündigte an, dass es spätestens bis zum Schulstart eine Aktion geben solle, um sich bei den Jahreskartenbesitzern für ihre Treue zu bedanken und möglicherweise auch neue Nutzer zu gewinnen. Es gebe diesbezüglich schon Ideen, aber diese sollen erst noch Ende Juni im Aufsichtsrat diskutiert werden. Rauch deutete jedoch an, dass es dabei auch um den Preis des Jahrestickets gehen könnte.

Angebote für Radfahrer und Nutzer von Carsharing gibt es am Hohenemser Bahnhof. <span class="copyright">VLK/Serra</span>
Angebote für Radfahrer und Nutzer von Carsharing gibt es am Hohenemser Bahnhof. VLK/Serra

Rauch und Hillbrand haben im vergangenen Jahr einen Wandel beim Verhalten der Menschen festgestellt. Einerseits seien viele während der Pandemie vermehrt auf das Rad umgestiegen, berichtete der Landesrat. Andererseits habe auch die Digitalisierung einen Schub erhalten, meinte Hillbrand. Die im September 2018 Ticketing-App „Fairtiq“ habe an Bedeutung gewonnen. Rund 2000 Fahrten pro Tag werden mittlerweile im Schnitt über die App ausgelöst und bezahlt. Der Rekord liegt bei 2313 Fahrten, die heuer am 18. Jänner registriert wurden. An diesem Tag gab es Öffnungsschritte im Handel und bei den Dienstleistern. Die Zahl der Nutzer ist im Vorjahr fast verdoppelt worden. Ende 2019 waren 7932 User und Userinnen registriert, die mindestens eine Reise mit der App getätigt haben. 2020 lag diese Zahl bei 14.280 Registrierungen. Für den VVV stünden Digitalisierung und innovative Mobilitätslösungen daher auch ganz oben auf der Agenda, meinte der Geschäftsführer.

Mobilitätsdrehscheibe

Nicht ganz zufällig war diesbezüglich auch der Hohenemser Bahnhof als Schauplatz für die Pressekonferenz gewählt worden. Denn dieser wurde zur Mobilitätsdrehscheibe ausgebaut. Nicht nur Haltestellen für Bus und Bahn gibt es dort, sondern es kann auch Car-Sharing genutzt werden und es stehen Radboxen zur Verfügung. Diese sind mit einem elektronischen Schließsystem versehen, verfügen über eine Lademöglichkeit für E-Bikes und bieten Stauraum für Helm oder Regenbekleidung. Alle Angebote können mit der „VMOBIL-Card“ genutzt werden.

Deutlich weniger als im Vorjahr wurde während der Pandemie der Öffentliche Verkehr genutzt. <span class="copyright">VLK/Serra</span>
Deutlich weniger als im Vorjahr wurde während der Pandemie der Öffentliche Verkehr genutzt. VLK/Serra

Entsprechend positiv äußerte sich der Hohenemser Bürgermeister Dieter Egger (FPÖ). Es habe sich gezeigt, dass die Menschen das Angebot nutzten, wenn dieses geschaffen werde. Umso wichtiger sei es, weiter in die sanfte Mobilität zu inves­tieren. Dem schloss sich auch Gemeindeverbandspräsidentin und Dornbirner Bürgermeisterin Andrea Kaufmann (ÖVP) an. Die Menschen seien für sanfte Mobilität nur zu begeistern, wenn diese auch schnell und bequem ans Ziel führe.