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Jenseits der Campingplätze

17.06.2021 • 20:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Campingurlaub hat angesichts der Corona-Krise einen Boom erlebt. Besonders im eigenen Land.<span class="copyright">Shutterstock</span>
Campingurlaub hat angesichts der Corona-Krise einen Boom erlebt. Besonders im eigenen Land.Shutterstock

Ob und wo man wild campen darf, ist allerorts unterschiedlich geregelt.

Über 30 Camingplätze gibt es in Vorarlberg. Sie liegen mitten in der Natur, am Ufer des Bodensees, am Waldesrand, in den Bergtälern. Einige Naturverliebte wollen sich aber den Konventionen der Campingplätze entziehen und ihr Lager lieber an einem schönen Fleckchen freier Wahl aufschlagen. Doch während beim Camping in Skandinavien jeder sein Nachtlager quasi überall aufschlagen darf, ist das hierzulande in dieser Großzügigkeit nicht gestattet. Wer Wildcamping-Pläne verfolgt, sollte wissen, ob und wo dies erlaubt ist. In Österreich ist das freie Stehen oder Übernachten abseits der offiziellen Campingplätze meist verboten.

Im Wald verboten

Einheitlich geregelt ist Folgendes: Auf privaten Grundstücken darf nur mit Erlaubnis des Eigentümers übernachtet werden. Und das gilt auch für Waldgebiete. Zwar darf laut Forstgesetz jeder einen Wald betreten, allerdings ist das Lagern bei Dunkelheit und in Zelten davon ausgenommen und somit verboten. Es sei denn, es liegt eine ausdrückliche Zustimmung des Waldbesitzers vor.

Auch das bloße „Pausieren“ in Fahrzeugen außerhalb von Campingplätzen ist übrigens nur gestattet, wenn es darum geht, dass der Lenker wieder fahrtauglich wird. Weitere Regelungen und Strafhöhen sind in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich geregelt.

Bürgermeister entscheidet

Wer in Vorarlberg Ärger mit dem Gesetz bekommt, weil er sein Zelt einfach irgendwo aufschlägt oder das Wohnmobil an beliebigen Orten aufstellt, entscheidet der Bürgermeister. Laut Vorarlberger Campingplatzgesetz ist das Aufstellen von Zelten, Wohnwagen und ähnlichen beweglichen Unterkünften außerhalb von Campingplätzen vom Bürgermeister zu untersagen, wenn Interessen der Sicherheit, der Gesundheit, des Schutzes der örtlichen Gemeinschaft, der Landwirtschaft, des Tourismus oder des Naturschutzes verletzt werden.

Dornbirn mit Verbot

So wurde beispielsweise 2015 das Campieren im Stadtgebiet Dornbirn generell untersagt. Das hatte allerdings eine spezielle Bewandtnis: Die Problematik durch reisende Großfamilien, die auf öffentlichen und privaten Flächen illegale Zeltlager für ihre Unterkunft errichten, hatte sich verschärft. Es ist also stets zu prüfen, ob eine Gemeinde eine solche Verordnung erlassen hat. Die Polizei führt keine Aufzeichnungen darüber, wie oft man in der jüngsten Vergangenheit wegen Wildcampens einschreiten musste. Gefühlt seien es, wenn überhaupt, nur sehr wenige Fälle, heißt es auf Nachfrage.

Seen und alpiner Raum

Schließlich gelten auch in Naturschutz- und Landschaftsschutzgebieten sowie in jagdlichen Sperrgebieten oder Wildruhezonen Verbote zum Lagern und Zelten. Wildcamper sollten im Bereich von Seen und im alpinen Raum aufpassen, da für Veränderungen im Hinblick auf Naturschutz und Landschaftsentwicklung – dazu zählt auch Wildcampen – eine Bewilligung notwendig ist.

Sollte man dort beim Wildcampen erwischt werden, können die Strafen bis zu 14.500 Euro betragen, informierte dieser Tage der ÖAMTC. Der Automobilklub gibt auf seiner Webseite einen guten Überblick im Bezug auf die Regelungen in Öster­reich, aber auch im europäischen Ausland.

Markus Michael Moosmann, Obmann des Camping Club Vorarlberg. Bernd Hofmeister/Archiv
Markus Michael Moosmann, Obmann des Camping Club Vorarlberg. Bernd Hofmeister/Archiv

Verhaltensmuster

Trotzdem. „Was schöneres als Wildcampen gibt es wohl kaum“, betont Markus Michael Moosmann, Obmann des Camping Clubs Vorarlberg. In seinem Fall zumeist auf einem Berg, teils mit Auto und Dachzelt und außerhalb des Ländles. „Wir haben schon in Naturschutzgebieten übernachtet, da der Weg zu lange wurde. Die spanische Polizei war freundlich und verständnisvoll, da wir unsere Situation glaubhaft schildern konnten“, berichtet er von seinen Erfahrungen. Fakt sei aber, dass es viele übertreiben und mit ihren Fahrzeugen Flurschäden anrichten. Dies löst Unmut und Verbote aus.

„Der seit Jahrzenten anhaltende Boom wird durch die Kontakteinschränkungen im letzten Jahr sicher noch forciert“, ist sich Moosmann sicher. So wie die Menschen wieder in die Berge finden, um Natur zu erleben, sind auch die Camper draußen zu Hause. „Es gibt uns eine Freiheit, welche sich mit einem Hotelaufenthalt nicht vergleichen lässt“, sagt der Dornbirner.

Die Campingziele werden sich heuer, seiner Einschätzung nach, nach den geltenden Covid-Maßnahmen richten. „Sind diese zu umständlich, werden die Camper in Länder mit mehr Bewegungsfreiraum ausweichen“, lautet seine Prognose für die kommende Saison.