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„Ein Sprachrohr für die Sprachlosen“

18.06.2021 • 20:00 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
<span class="copyright">Dach überm Kopf</span>Pfarrer Georg betreut den Pfarrverband Göfis/Satteins.
Dach überm KopfPfarrer Georg betreut den Pfarrverband Göfis/Satteins.

Pfarrer Varghese „Georg“ Thaniyath sammelt Spenden für die Armen in seiner Heimat.

Wenn ich daran denke, dass viele Menschen in meinem Heimatland Indien Not leiden, dann bleibt mir mein Essen in der Kehle stecken“, sagt Pfarrer Varghese „Georg“ Thaniyath vom Pfarrverband Göfis/Satteins über die derzeitige Lage auf dem Subkontinent. Die Corona-Pandemie und die damit zusammenhängenden Lockdowns haben dazu geführt, dass gerade die Ärmsten der Armen keine Nahrung haben. Auch viele Menschen, die vor der Krise als Tagelöhner gearbeitet haben, sind nun ohne Beschäftigung. „Sie sind zum Nichtstun verdammt und können ihre Familien nicht mehr ernähren“, berichtet der Geistliche.

Heftige Infektionswelle

Gerade die zuerst in Indien entdeckte Delta-Variante des Virus hatte im April und Mai zu einer heftigen Infektionswelle geführt. Mittlerweile beruhigt sich die Lage zwar und die Lockdowns werden schrittweise zurückgefahren. Doch die Not der Menschen ist nach Angaben von Pfarrer Georg immer noch groß. Seitens der Regierung würden zwar Lebensmittel verteilt, diese kämen zum Teil aber nicht bei den Armen an. Täglich würden sich Bedürftige bei seinen Brüdern in Indien melden und um Hilfe bitten. Denn der Geistliche hat vor 20 Jahren den Verein „Dach überm Kopf“ gegründet, der in der indischen Region Kerala tätig ist. Vor Ort leitet Thaniyaths Bruder Francis – ebenfalls ein Priester – die Geschicke.

1750 Häuser wurden mit Spenden aus Vorarlberg schon gebaut. <span class="copyright">Dach überm Kopf</span>
1750 Häuser wurden mit Spenden aus Vorarlberg schon gebaut. Dach überm Kopf

Ziel bei der Vereinsgründung war es, Häuser für obdachlose Familien zu bauen und ihnen so ein würdevolles Leben zu ermöglichen. 1750 Mal ist dies seither bereits gelungen. Auch heuer sind wieder 15 Häuser für Bedürftige im Bau. Sehr zur Überraschung des Geistlichen. Er hatte sich gedacht, dass die Spendenbereitschaft aufgrund der Pandemie nachlassen würde. Umso erfreulicher ist es für ihn, dass die Vorarlbergerinnen und Vorarlberger auch in schweren Zeiten an die Ärmsten denken und ihnen helfen.

Heftige “zweite Welle”

Indien bildete im April und Mai einen Brennpunkt der Corona-Pandemie. Zeitweise wurden mehr als 4000 Tote pro Tag und über 400.000 Neuinfektionen gemeldet. Das Gesundheitssystem war dem Kollaps nahe. Betten in den Spitälern waren knapp und vor allem gab es zu wenig medizinischen Sauerstoff. Schon bei der ersten Welle im September des vergangenen Jahres hatte es diesbezügliche Versorgungsprobleme gegeben. Allerdings lag der maximale Wert bei den täglichen Neuinfektionen damals „lediglich“ bei 100.000. Also deutlich unter jenem Wert, der zum Höhepunkt der zweiten Welle im April und Mai gemessen wurde.

Zuletzt sind die Zahlen jedoch wieder zurückgegangen. Etwas mehr als 62.000 neue Corona-Fälle wurden etwa am Donnerstag verzeichnet. Die heftige Welle wird unter anderem mit der ansteckenderen Delta-Variante in Verbindung gebracht, die zuerst in Indien entdeckt worden ist. Seit Beginn der Pandemie im vergangenen Jahr wurden auf dem Subkontinent laut Johns Hopkins Universität 29,7 Millionen Corona-Infektionen festgestellt. 383.490 Menschen sind an oder mit dem Virus verstorben. In dem Land mit 1,3 Milliarden Einwohner wurden bislang 268 Millionen Impfdosen verimpft.

Pfarrer Georg steht den Menschen in seiner Heimat jedoch nicht nur mit dem Bau von Häusern für die Bedürftigen zur Seite. So werden beispielsweise Kinderheime in der Region Kerala unterstützt. Ebenso gibt es Arbeitsprojekte für Frauen. Doch auch bei akuten Katastrophen helfen die Vereinsverantwortlichen. So gab es vor drei Jahren ein Hochwasser in dem Gebiet. Über den Verein wurden mehr als 7000 Menschen mit Nahrung, Kleidung und Medikamenten versorgt. Zudem wurden Häuser für Familien errichtet, die bei Überschwemmungen und Erdrutschen ihr Zuhause verloren hatten.

Nahrungsmittelpaket

Und Pfarrer Georg möchte den Menschen in seiner Heimat nun erneut helfen. Er plant, Lebensmittelpakete an die Notleidenden zu verteilen. Für etwa 15 Euro könnte eine fünfköpfige Familie – zwei Erwachsene und drei Kinder – eine Woche lang versorgt werden, haben Recherchen seiner Brüder ergeben. Im Paket sollen insgesamt 20 verschiedene Artikel enthalten sein – unter anderem fünf Kilo Reis, Grieß, Gemüse und Gewürze.

Vor drei Jahren wurden vom Verein schon einmal Nahrungsmittel nach einer Hochwasserkatastrophe verteilt. <span class="copyright">Dach überm Kopf</span>
Vor drei Jahren wurden vom Verein schon einmal Nahrungsmittel nach einer Hochwasserkatastrophe verteilt. Dach überm Kopf

Ebenso sollen einfache Tablets für Schulkinder angeschafft werden. Wie in vielen anderen Regionen auch, sei in Kerala auf Distance Learning umgestellt worden. Gerade arme Familien hätten dafür jedoch oftmals nicht die nötige Hardware und auch kein Geld, diese anzuschaffen. Mit Tablets könnte sichergestellt werden, dass die Kinder den Anschluss in der Schule nicht verlieren.

Von Eltern geprägt

Der Wahl-Vorarlberger sieht sich als Sprachrohr der Sprach- und Obdachlosen. Daher ist es für ihn auch keine Option, wegzuschauen, wenn er Leid sieht. Dem Gottesmann ist durchaus bewusst, dass er nicht alle Probleme auf der Welt lösen kann. In seinem Umfeld möchte er jedoch alles tun, was in seiner Macht steht, um die Situation Notleidender zu verbessern. Dabei wurde er auch von seinen Eltern geprägt. Denn als er selbst noch ein Kind war, hatte seine Familie nur wenig Geld, das für maximal eine Mahlzeit am Tag reichte. Als sich die finanzielle Situation nach Jahren dann verbesserte, kaufte sein Vater während einer Lebensmittelknappheit in Kerala Maniok und verteilte diesen an die Bedürftigen. „Meine Eltern haben nie vergessen, dass sie auch einmal Not gelitten haben. Sie haben daher alles dafür getan, anderen zu helfen. Und ich tue das nun auch“, sagt der Pries­ter.

Spendenkonto: Verein „Dach über dem Kopf“: Raiffeisenbank Hohenems Herrenried, IBAN: AT80 3743 8000 0108 9960, BIC: RANMAT21, Stichwort „Coronahilfe“