Allgemein

Masken, Mut und Miteinander

18.06.2021 • 20:00 Uhr / 9 Minuten Lesezeit
Im Hotel Schwärzler in Bregenz und im Martinspark Dornbirn sind die Betreiber optimistisch.<br><span class="copyright">Hartinger</span>
Im Hotel Schwärzler in Bregenz und im Martinspark Dornbirn sind die Betreiber optimistisch.
Hartinger

Krisenmanagement der Businesshotels geht über Hygienekonzepte hinaus.

Er war Schlossverwalter im Fürstentum Liechtenstein. Dann hat er sich nach einer neuen Herausforderung umgesehen. Gespräche gab es schon länger, im April hat Peter Heine als Geschäftsführer des Hotels Schwärzler in Bregenz angefangen. „Wenn man etwas erreichen will, das Vertrauen von Mitarbeitern und Gästen neu gewinnen will, wenn man viel Gestaltungsfreiraum möchte, dann ist das jetzt sicher ein optimaler Zeitpunkt für so einen Wechsel“, so sieht Heine das. Obwohl er zugibt, dass er durchaus einen neuen Lockdown befürchtet hat, als das Virus im April nochmal im Bregenzerwald, im Leiblachtal, in Lusten­au um sich gegriffen hat und bestimmte Bereiche abgeriegelt wurden. „Vor zweieinhalb Monaten hatte ich, was meinen neuen Job angeht, mehr Bedenken als jetzt. Aber was wir sicher aus der Krise gelernt haben, ist einerseits, mit Vorsicht zu agieren, aber andererseits auch, dass wir auf sehr viele Dinge schlicht keinen Einfluss haben.“

<span class="copyright">Hartinger</span>Julia Berger und Uwe Schaaf, Vienna House Martinspark Dornbirn
HartingerJulia Berger und Uwe Schaaf, Vienna House Martinspark Dornbirn

Neue Einstellung

Auch Mitarbeitergespräche führt er heute anders als vor der Krise. Er stellt dabei die Frage: „Was ist Ihnen bei der Arbeit wichtig, um sich voll entfalten zu können?“ Denn: Einen Mitarbeiter zu unterstützen, auch wenn er sich gerade in einer Krise befinde, sei in jedem Fall einfacher und lohnender für alle, als einen neuen Mitarbeiter zu suchen und zu finden. „Umgekehrt kommt bei Bewerbungsgesprächen eigentlich immer die Frage: ,Wie viele Mitarbeiter haben Sie in der Corona-Krise gekündigt?‘, weil viele das am eigenen Leib erlebt haben. Dann können wir antworten: ,Keinen einzigen.‘ Das gibt emotionale Sicherheit. Ohne Mitarbeiter kann ich überhaupt nichts machen, das merke ich schon allein daran, wenn mal jemand einen Tag ausfällt.“

Peter Heine, Geschäftsführer Hotels Schwärzler in Bregenz <span class="copyright">Hartinger</span>
Peter Heine, Geschäftsführer Hotels Schwärzler in Bregenz Hartinger

Auch im Hotel Schwärzler wurde Kurzarbeit eingeführt. Aber auch ein Take-Away-Service eingerichtet. „Das war ein mutiger und richtiger Schritt meiner Vorgängerin. Er war wirtschaftlich erfolgreich, zum Beispiel, weil wir einen komplett neuen Kundenkreis erschließen konnten, Menschen, die dachten: ,Im Hotel essen, das ist teuer, steif und man muss sich schick anziehen‘, und die gesehen haben, dass das bei uns nicht der Fall ist. Aber was ebenfalls wichtig ist: Wir haben für positive Stimmung gesorgt, auch in der Küche. Wir als Businesshotel mit Urlaubscharakter hatten die ganze Zeit hindurch offen, da galt es unter anderem, die Stimmung unter den Mitarbeitern hochzuhalten“, beschreibt Heine die Situation während der Pandemie.

Hausaufgaben gemacht

Positiv spricht er über seine Mitbewerber. „Ich habe den Eindruck, dass die Hotels die Herausforderung angenommen und ihre Hausaufgaben gemacht haben. Sie haben die Zeit genutzt, umgebaut oder renoviert, ihre Konzepte überdacht. Nun starten wir alle vollen Mutes in ein Abenteuer mit ungewissem Ausgang.“

Ulrike Fink, Gasthof Krönele Lustenau <span class="copyright">PRIVAT</span>
Ulrike Fink, Gasthof Krönele Lustenau PRIVAT

In den Augen von Ulrike Fink, die den Gasthof Krönele in Lustenau in der fünften Generation führt, ist die Situation „schon noch ein bisschen schwierig“. Mit dem Beginn der Pandemie wurden auch Geschäftsreisen drastisch eingeschränkt, was sich auf die Auslastung der Businesshotels natürlich ausgewirkt hat. Sie will aber „alle Wege nutzen, die offenstehen“, um wieder in die Spur zu kommen. Seit einem Jahr sind ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Kurzarbeit. Da gute Stimmung zu verbreiten, sei herausfordernd. „Wir haben unsere Geldreserven verbraucht, aber wir werden Vollgas weitermachen. Jede Sekunde, die wir dürfen, halten wir offen. Im Moment müssen wir sagen, dass sich vieles rein finanziell nicht rentiert, aber ich bin mir sicher: Irgendwann wird die Rechnung aufgehen!“
Zufrieden zeigt sich Walter Herbolzheimer, Besitzer des Rankweiler Businesshotels Freschen in Rankweil. „Der Geschäftstourismus läuft gut.“ Trotzdem gibt es nach wie vor große Lücken: „Was wir vermissen, sind die Reisegruppen, sind Gruppen aus anderen Ländern“, sagt Herbolzheimer. „Aber wir sind sehr zuversichtlich, dass sie bald zurückkommen.“

Lange Erholungsphase

Weniger zuversichtlich ist der Geschäftsführer des Vienna House Martinspark Dornbirn Uwe Schaaf. „Ich glaube nicht, dass die Zahlen im nächsten Jahr schon auf Vorkrisenniveau sein werden. Wahrscheinlich nicht einmal 2023“, sagt er. Auch Schaaf ist mitten in der Krise zum General Manager nach Dornbirn berufen worden, er hat im Dezember angefangen – „Ich hab mich mitten im Sturm ans Ruder gesetzt“ – und war gleichzeitig für das Corona-Krisenmanagement zuständig. „Wir mussten die Kos­tenstruktur verändern und den Einkauf neu regeln. Da hängen ja viele Lieferanten dran, von der Wäscherei bis zum Bierlieferant“, sagt der Hotelleiter. Auf gut Deutsch: Sparmaßnahmen.

Uwe Schaaf, Geschäftsführer Vienna House Martinspark Dornbirn <span class="copyright">Hartinger</span>
Uwe Schaaf, Geschäftsführer Vienna House Martinspark Dornbirn Hartinger

„Die meisten Gäste haben Verständnis für die Sicherheits- und Hygieneregeln. Aber manche beschweren sich, dass die Auswahl am Frühstücksbuffet nicht so groß ist wie gewohnt. Wenn allerdings nur ein Bruchteil der Gäste da ist, können wir nicht 24 Stunden die Rezeption besetzen, jeden Tag das Restaurant öffnen und ein Buffet auffahren, wie wenn wir ausgebucht sind. Wir sind ein Wirtschaftsunternehmen, wir müssen Gewinn erwirtschaften“, erklärt Schaaf. „Wir machen das Beste daraus, wir widmen uns jedem Gast mit viel Aufmerksamkeit“, ergänzt Sales Managerin Julia Berger. „Am Brückentag-Wochenende war nach Langem wieder einmal viel los, da hatten wir über 100 Mal Frühstück. Wenn wir ausgebucht und alle Zimmer als Doppelzimmer belegt sind, sind es 160. Das waren richtig schöne Geräusche, die da von unten an mein Ohr gedrungen sind“, freut sich Schaaf. „Wir wissen nicht, was im Herbst passieren wird, Corona wird ja nicht einfach verschwinden“, ergänzt er. Es gilt, positiv zu bleiben, zu planen, was planbar ist, und abzuwarten.

Julia Berger, Sales Managerin <span class="copyright">Hartinger</span>
Julia Berger, Sales Managerin Hartinger

Umsatzeinbußen von bis zu 70 Prozent

Seit Ende Mai hatten wir im Vergleich zum Vorjahr 70 Prozent Umsatzeinbußen im Seminar- und Businesshotelbereich. Es waren stattdessen einige Urlaubsgäste da, aber die haben den Verlust bei Weitem nicht kompensieren können. Die Buchungen kommen sehr zögerlich, aber für den Herbst sieht es besser aus. Von der Normalität sind wir allerdings meilenweit entfernt“, erzählt der Spartenobmann der Wirtschaftskammer Markus Kegele. Der Hauptmarkt sei nach wie vor Deutschland, man habe im Normalfall über 90 Prozent ausländische Gäste. Die Reisewarnung und die Komplikationen, wenn man über die Grenze wollte, seien für viele sehr abschreckend gewesen, und viele hätten auf die Reise verzichtet und das Meeting übers Internet abgehalten.

„Ohne die Wirtschaftshilfen wäre es definitiv nicht gegangen. Immerhin haben wir einen der höchsten Steuersätze in Europa und hohe Fix- und Lohnnebenkos­ten. Und wenn durch die staatlich verordneten Schließungen kein Gast da ist, sind dem Hotelbesitzer als Unternehmer die Hände gebunden“, sagt Kegele.

Markus Kegele, Spartenobmann der Wirtschaftskammer <span class="copyright">Hartinger</span>
Markus Kegele, Spartenobmann der Wirtschaftskammer Hartinger

Für die Ferienhotellerie zum Beispiel im Montafon sei das Runter- und Wiederhochfahren des Betriebs Routine. Stadthotels sind Ganzjahresbetriebe, für sie sei das Hochfahrenmüssen eine neue Situation, die allein ein bis zwei Wochen in Anspruch nehme. „Aber ob rentabel oder nicht, jeder möchte aufsperren und Werbung machen, um neue Gäste zu akquirieren. Im Winter hatten wir geschlossen und in der Schweiz waren die Hotels offen und hatten teils eine richtig gute Saison. So etwas darf uns nicht noch einmal passieren.“ Als die Gastronomie im März aufgesperrt habe, seien die Fälle gestiegen, aber nicht in der Gastronomie. „Wir hatten und haben ein Sicherheitskonzept, wo wir sagen können: ,Jeder, der zu uns kommt, ist sicher.‘ Wo wird schon von Haus aus ein hoher Standard an Sauberkeit und Hygiene gelebt, wenn nicht bei uns?“ Außerdem gibt es die Reiserücktrittsversicherung und die Covid-Versicherung, sodass für den Gast eine kostenfreie Stornierung möglich ist. „Jetzt ­müssen die Gäste nur noch kommen!“