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Kurzfristige aber rege Buchungen

19.06.2021 • 20:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Anders als 2020 kommen heuer auch wieder Gäste aus den Niederlanden.<span class="copyright">Dietmar Stiplovsek</span>
Anders als 2020 kommen heuer auch wieder Gäste aus den Niederlanden.Dietmar Stiplovsek

Im Montafon und Kleinwalsertal ist man schon auf Vor-Krisen-Niveau.

Sommerliche Temperaturen, sinkende Inzidenzzahlen, ausgeklügelte Sicherheitskonzepte, sich stetig lockernde Corona-Maßnahmen, unkomplizierte Grenzübertritte und die Sommerferien stehen quasi vor der Tür. Für den Sommertourismus stehen alle Zeichen auf Start. Doch wie steht es um die Buchungen in der hiesigen Branche?

Jedenfalls das Löschen Vorarlbergs von Deutschlands „Roter Liste“ hat sich umgehend bemerkbar gemacht. „Es hatte einen äußerst positiven Effekt auf den heimischen Tourismus. Deutschland ist immerhin unser größter Markt“, teilt Hotelier und Tourismussprecher Markus Kegele (Hotel Mondschein in Stuben) mit. Nun würden endlich Anfragen reinflattern und die Tourismustreibenden zuversichtlich stimmen.

Kurzfristige Buchungen

Als Pluspunkt bezeichnet der Hotelier das Thema Sicherheit. „Im Rahmen der Modellregion haben wir uns bewiesen“, betont er. Dennoch. Überschwänglich fällt sein Fazit beim Blick ins Reservierungsbuch für Juli und August noch nicht aus. „Allerdings buchen viele Urlauber heuer kurzfristig.“

Ein weiteres Problem hindert einige Betriebe am Durchstarten: Der Mangel an Arbeitskräften. Viele wurden laut Kegele während des Lockdowns in andere Branchen abgeworben (siehe rechts). „Einige meiner Kollegen suchen Fachkräfte – auch schon im Hinblick auf den nächsten Winter. Die Lage ist wesentlich prekärer als vor Corona“, beurteilt er die Situation. Kegele selbst hat kein Personal-Problem. Seine Methode: „Wir haben unsere Mitarbeiter während des Lockdowns gut betreut, und das zahlt sich aus“, ist der Hotelier überzeugt.

Frühe Saison in Lech/Zürs

In Lech/Zürs werden zwar Mitarbeiter gesucht, aber durch eine Stammmannschaft sei man gut aufgestellt, teilt Tourismusdirektor Hermann Fercher mit. Der Sommer startete dort heuer am 2. Juni, statt wie üblich zwei Wochen später. Einige Häuser, die bislang nur im Winter aufgesperrt haben, öffnen nun auch im Sommer. Fercher schätzt, dass eine ähnliche Nächtigungszahl wie im Vorjahr – etwa 160.000 bis 170.000 – bis Ende September erreicht wird. Anders als 2020 kommen heuer wieder Gäste aus den Niederlanden und England. Viele internationale Wintergäste hätten dieses Jahr einen Sommerurlaub in Lech/Zürs geplant.

Abwanderung der Fachkräfte

Auch im Bregenzerwald ist die Mitarbeiterrekrutierung eine Herausforderung. „Das war vor der Corona-Krise so und hat sich durch die Abwanderung einiger Arbeitskräfte in andere Branchen eher verschärft“, bestätigt Cornelia Kriegner von Bregenzerwaldtourismus. Was die Buchungslage betrifft, ist man im Hinblick auf Juli und August optimistisch. Gebucht werde auch hier oft kurzfristig. „In jedem Fall sind in allen Kategorien bis in den Herbst noch Zimmer frei“, sagt Kriegner. 90 Prozent der Nächtigungen im Bregenzerwald kommen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die Niederlande haben jüngst ihre Reiseempfehlungen zugunsten Österreichs geändert, das mache sich ebenfalls bemerkbar.

Region Bludenz noch schwach

In der Alpenregion Bludenz ist die Situation schlechter als 2020. „Aber mit den Lockerungsschritten steigt auch die Buchungslage“, informiert Tourismussprecherin Clarissa Schatzmann. 90 Prozent der Betriebe haben dort seit Anfang Juni offen. „Die Maßnahmen und Auflagen bedeuten zusätzlich zur normalen Arbeit einen Mehraufwand. Dazu kommt die Unsicherheit, dass Gäste oder Mitarbeiter sich trotzdem infizieren könnten und schlimmstenfalls der Betrieb schließen muss. Es wird viel von den Betrieben verlangt, und manche stoßen an ihre Grenzen“, berichtet Schatzmann.

Die Stimmung bei den Hotelliers im Bodenseeraum ist wiederum sehr gut. Die ersten Gäste sind angereist und fühlen sich mit der 3-G-Regel wohl, heißt es. Die Buchungslage sei im Vergleich zu 2020 ähnlich.

Auf 2019 Niveau

Die Buchungslage im Montafon für Sommer und Herbst ist fast auf Vorkrisenniveau, informieren die Verantwortlichen. Und ein großer Teil der österreichischen Buchungen kommt aus Vorarlberg. Vergleichbar ist es im Kleinwalsertal. Die Buchungslage ist bereits auf dem Sommer 2019-Niveau. Die Kalender füllen sich bis weit in den Herbst. Leider sind auch in dieser Region einige Arbeitskräfte in andere Branchen abgewandert, dies führt zu Lücken in den Teams. „Entsprechend ausgebildete Arbeitskräfte zu bekommen, ist auch weiterhin eine große Herausforderung“, sagt Elmar Müller, Vorstand Kleinwalsertaltourismus.

Bernhard Bereuter rät vorerst zu Flexibilität. <span class="copyright">Frederick Sams</span>
Bernhard Bereuter rät vorerst zu Flexibilität. Frederick Sams

„Nicht aktiv in andere Branche vermittelt“

Die Nachfrage an Arbeitskräften in der Hotel- und Gastronomiebranche steigt mit den Öffnungen. „Im Bereich Küche und Service wird es, was die Fachkräfte betrifft, eng werden“, fasst Bernhard Bereuter, Landesgeschäftsführer des AMS, die Situation zusammen. Die Personalsituation insgesamt sei jedoch schwer einzuschätzen. Bereuter beurteilt die Lage etwa gleich wie vor der Krise.

Die Nachfrage sei aber nicht in der gesamten Branche gleich. „Es hängt viel von den Rahmenbedingungen der Häuser ab und von der geo­grafischen Lage. Ein Hotel im Rheintal tut sich wahrscheinlich leichter als ein Betrieb im hintersten Montafon. Für Arbeitskräfte mit Familien ist das nicht interessant, obwohl die Personalunterkunft gestellt wird“, weiß Bereuter.

Einige haben gewechselt

Er bestätigt, dass einige Personen während des Lockdowns die Branche gewechselt haben. „Weil es finanziell einfach nicht mehr ging.“ Es sei aber nicht aktiv in andere Bereiche vermittelt worden. Vielmehr habe man mit dem Tourismus eine fachbezogene Qualifizierungsoffensive gestartet. „Aber wenn jemand von sich aus wechseln wollte, wurde die Person unterstützt, weil es zu dieser Zeit einfach keine Alternative gab“, sagt der AMS-Chef.

Den Tourismustreibenden rät er, eine gewisse Flexibilität aufzubringen, was die Arbeitskräfte betrifft. Das AMS vermittelt aktuell auch Branchenfremde auf Anlernstellen in der Hotellerie und Gastronomie.