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Das Spitze muss aufs Glatte

20.06.2021 • 12:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Karin Felderer in ihrem Atelier, wo die Werke entstehen.<br><span class="copyright">Hartinger</span>
Karin Felderer in ihrem Atelier, wo die Werke entstehen.
Hartinger

Die Kalligrafin Karin Felderer nimmt nicht nur Aufträge an, sondern gibt auch Kurse.

Information:

Karin Felderer

Creatives mit Herz

Graf-Maximilian-Straße 18, Hohenems (Atelieradresse: mit Voranmeldung)

Tel. 0676 5487073

k.felderer@creatives-mit-herz.at

creatives-mit-herz.at

Angefangen hat alles mit Karin Felderers eigener Leidenschaft für Kalligrafie. Sie besuchte Kurse, lernte die Englische Schreibschrift, lernte, mit Spitzfeder und mit Breitfeder zu schreiben. „Es gibt weichere und härtere Federn, und letztlich geht es darum, im Wechsel Druck zu geben und zu nehmen. Je mehr Druck, umso fester wird der Strich. Es ist ein Spiel mit Dick und Dünn.“

Klingt nicht weiter schwierig, ist aber eine Sache von Übung, mehr Übung und noch mehr Übung. Je mehr die Hohenemserin übte, umso mehr Spaß gewann sie an der Sache. Es geht darum, die eigene Lieblingsfeder zu finden unter klassischen Schreibfedern, Bambusfedern, Gänsekielen oder dem Balsaholz. Eine Lieblingsfeder der Kalligrafin ist sicher die sogenannte Cola-Feder. Das sind Federn aus ausgeschnittenen Dosenwänden, blecherne Breitseiten, die einen breiten, links und rechts fein umspritzten Strich erzeugen. Für eine wilde, ästhetische Schrift, die sich etwa für Überschriften eignet.

Es geht darum, die eigene Lieblingsschrift zu finden. Karin Felderer hat kurzerhand eine eigene geschaffen und sie augenzwinkernd die „KaFe-Schrift“ genannt. Es geht darum, anzuwenden – Buchstaben aufs Papier zu bringen. Die 52-Jährige begann, Karten zu gestalten und zu verschenken. Es dauerte nicht lang, da war ihre neue Leidenschaft nicht mehr geheim. Und Bekannte begannen zu fragen, ob sie ihr Wissen und Können denn auch weitergebe. Die ersten Kurse standen an.

Wer die Kunst der Handschrift lernen möchte, kann Kurse bei Felderer machen.<br><span class="copyright">Hartinger</span>
Wer die Kunst der Handschrift lernen möchte, kann Kurse bei Felderer machen.
Hartinger

Fernstudium

Parallel hatte die Kreative nach diversen Kursen ein Fernstudium Kalligrafie über Laudius begonnen. „Letztendlich ging das über anderthalb Jahre. Es war sehr intensiv, das neben allem anderen durchzuziehen, und manchmal habe ich einfach eine Pause gebraucht. Aber Schwierigkeiten, mich zu motivieren, hatte ich nie.“

Die Absolventin zeigt ihre Arbeitsmappe über das Studium hinweg, unschwer ist der Fortschritt zu sehen, wie Bögen runder, Geraden fließender, am Ende alles aus einem Guss wirkt. Ihr Diplom hat sie für alle sichtbar in ihr Atelier gehängt. Sie ist stolz auf das, was sie erreicht hat. „Aber wenn mir vor zehn Jahren jemand gesagt hätte, dass ich mal mit Kalligrafie mein Geld verdienen würde, dann hätte ich denjenigen ausgelacht.“ Die lebhafte Frau ist gelernte Schneiderin und schneidert bis heute. Ursprünglich hatte sie den Betrieb des Schwiegervaters übernommen, „Felderer Hemden“, und weitergeführt. „Aber die gesamte Textilbranche ist hier ja den Bach runtergegangen, da haben auch wir 2003/04 zugesperrt.“ Zu diesem Zeitpunkt waren ihre Kinder noch klein. Später begann sie für die Kunsthandwerkerin Cornelia Kolb und ihre Krippen- und sonstigen Figuren zu nähen, das macht sie nun seit mehr als zehn Jahren.

Karin Felderer hat mit „KaFe“ ihre eigene Schrift erfunden.<br><span class="copyright">Hartinger</span>
Karin Felderer hat mit „KaFe“ ihre eigene Schrift erfunden.
Hartinger

Kalligrafiekurse

Und dann kamen die Kalligrafiekurse hinzu. Eine Handvoll waren es zunächst im Jahr, heute bietet sie zwei Mal pro Jahr ein umfangreiches Programm an. Einsteiger- sowie Fortgeschrittenenkurse gibt sie, es können aber auch Buchbindearbeiten wie ein Sternenbuch, kunstvolle Karten oder Kalligrafiebilder gestaltet werden.

Eine Schrift beherrscht man, wenn man die Buchstaben auswendig kann, findet sie. Aber bereits mit zwei unterschiedlichen Schriften ließe sich vieles kombinieren und gestalten. Manchmal wird sie von Kursteilnehmern gefragt, ob sie die Sprüche, die sie geschrieben hat und im Atelier ausgestellt sind, abfotografieren und nachschreiben dürften.

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HArtinger

Ansporn statt Routine

Die Kursleiterin muss lachen. „Ich habe kein Problem damit, ein nachahmungswürdiges Vorbild zu sein.“ Das Atelier wird von Fenstern umsäumt, an den Wänden und entlang der Fenster sind viele Rahmen zu entdecken mit besagten Sprüchen in kalligrafischen Schriften, zum Beispiel „Verstehen heißt, mit dem Herzen hellsehen“ oder auch „Das Problem an kleinen Fehlern ist, dass sie nie klein bleiben“. In der Raummitte stehen Tische, ausgestattet mit unterschiedlichsten Federn in Gläsern.

Ob die Kurse für die Künstlerin schon zur Routine geworden sind? „Nein“, sagt sie, „ich will jeden einzelnen motivieren. Ich habe viele Teilnehmer, die sehr gerne wiederkommen. Manche haben schon mein ganzes Kursprogramm durchlaufen, das ist ein großer Ansporn, immer was Neues anzubieten.“
Auch Auftragsarbeiten nimmt die Hohenemser Kalligrafin nach wie vor an. Dann fragt sie nach den Lieblingsfarben des oder der zu Beschenkenden, lässt sich den Text geben und konzipiert die Gesamtgestaltung. Als Fließtext, als Rund, mit Siegel? Möglich ist sehr vieles und die meisten Auftraggeber lassen ihr viel Freiraum, sodass sie oft selbst Vorschläge macht, vor allem, wenn sie die Beschenkten kennt. Zur Fingerfertigkeit kommen Kreativität und Feingefühl. Es ist eine Arbeit mit dem Material, aber eben auch mit dem Menschen. Das begeistert Karin Felderer nach wie vor.

Weitere Infos unter: www.epu.wko.at