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Maskulinum soll zurückgedrängt werden

21.06.2021 • 11:19 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Nachrichtenagenturen wollen in der Sprache auf weniger Diskriminierung setzen
Nachrichtenagenturen wollen in der Sprache auf weniger Diskriminierung setzen fosin – Fotolia

Nachrichtenagenturen setzen auf eine weniger diskriminierende Sprache.

Gehen Sie noch zum „Doktor“, obwohl ihre Ärztin eine Frau ist? Sind Ihre Leser auch so männlich wie die Zuhörer und Schaffner? Gut möglich. Die deutschsprachigen Nachrichtenagenturen jedenfalls, das sind AFP, APA, dpa, epd, Keystone-sda, KNA, Reuters und SID, haben ein gemeinsames Vorgehen im Bemühen um diskriminierungsfreie Sprache vereinbart. Im Sinne von Gleichbehandlung und Eindeutigkeit soll das generische Maskulinum schrittweise zurückgedrängt werden – auch wenn es in kompakter Nachrichtensprache zum Teil weiter verwendet wird. Die Entwicklung von genderbezogenen Sonderzeichen wird künftig regelmäßig gemeinsam bewertet.

Die Agenturen haben sich darauf verständigt, verstärkt auf geschlechtsneutrale Formulierungen sowie auf die Verwendung der Paarform zu setzen, und die bestehenden Möglichkeiten zum Sichtbarmachen von Diversität konsequent zu nutzen. Bis auf Weiteres verzichten die Nachrichtenagenturen jedoch auf die Verwendung von Sonderzeichen wie Genderstern, Unterstrich, Doppelpunkt oder Binnen-I. Zum einen, weil unklar ist, ob und welches dieser Zeichen, die auch nicht-binäre Geschlechtsidentitäten abbilden sollen, sich im allgemeinen Sprachgebrauch durchsetzen wird. Zum anderen entsprechen sie aktuell nicht dem Regelwerk der deutschen Rechtschreibung. In schriftlichen Zitaten können die Sonderzeichen im Einzelfall jedoch übernommen werden.

Die APA – Austria Presse Agentur hat ihre redaktionellen Richtlinien zur sprachlichen Gleichbehandlung mit ihren Medienkunden am österreichischen Markt sowie mit den deutschsprachigen Agenturen abgestimmt. „Die sprachliche Sichtbarkeit von Frauen in unseren Texten ist erklärtes Ziel“, so APA-Chefredakteur Johannes Bruckenberger. „Nicht nur aus gesellschaftlicher Verantwortung, sondern auch auf Basis des journalistischen Grundsatzes, Mehrdeutigkeit zu vermeiden. In einer oftmals emotional geführten Debatte bemühen wir uns um einen ausgewogenen Weg zwischen Anforderungen an Lesbarkeit und Textlänge sowie an gendergerechte Standards und werden unsere Handhabung laufend weiter evaluieren.“