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Wetterextreme nicht gut für Obstbauern

21.06.2021 • 21:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Obstbau-Experte Ulrich Höfert von der Landwirtschaftskammer. <span class="copyright">Archiv/NEUE</span>
Obstbau-Experte Ulrich Höfert von der Landwirtschaftskammer. Archiv/NEUE

Frost führte zu Schäden, heurige Witterung hat auch positive Seiten.

Eine Frostnacht mit Temperaturen bis zu minus sechs Grad Celsius vom 5. auf den 6. April dürfte sich negativ auf den Ertrag so mancher Vorarlberger Obstbauern auswirken. Das berichtet Ulrich Höfert, Leiter des Bereichs Obstbau in der Landwirtschaftskammer Vorarlberg. So dürfte es etwa bei den Kirschen zumindest in Fraxern einen Totalausfall geben. Auch bei früh blühenden Obstsorten wie dem Boskop-Apfel und der Williams Birne dürfte durch die eisige Nacht „einiges an Schaden“ entstanden sein, meint der Experte.

Durch die niedrigeren Temperaturen im Frühjahr sei zu erwarten, dass die Früchte heuer kleiner sein werden als in anderen Jahren. Negative Auswirkungen auf die Ernte habe dies aber nicht Die kühlere Witterung im April und Mai hatte jedoch auch positive Auswirkungen. So sei die Feuerbrandgefahr deutlich geringer gewesen. Die Pflanzenerkrankung wird durch ein Bakterium ausgelöst und hat im Vorjahr für große Schäden gesorgt.

Trockenheit

Die derzeitige Hitzewelle ist noch kein akutes Problem. Allerdings seien Wetterextreme aus Sicht der Obstbauern nie gut, erklärt Höfert. Es gebe auch schon Berichte aus dem Walgau, dass einige Anlagen aufgrund der Trockenheit schon bewässert werden mussten. Gerade im Oberland gebe es flachgründige Böden, die nicht so viel Wasser speichern könnten.

Im Unterland sei die Trockenheit bisher nicht so dramatisch. Manche Obstbauern hätten zudem Frostberegnungsanlagen installiert, die auch zur Bewässerung bei zu großer Trockenheit genutzt werden könnten. Auch Beerenbauern würden mittlerweile vermehrt auf Tropfbewässerung setzen.

Wetterextreme sind für Obstbauern nie gut, sagt der Experte. <span class="copyright">Symbolbild/Hartinger</span>
Wetterextreme sind für Obstbauern nie gut, sagt der Experte. Symbolbild/Hartinger

„Wir haben hier in Vorarlberg über das Jahr gesehen genügend Niederschlag. Allerdings kann es sein, dass es Wochen oder Monate gibt, in denen dieser nicht ausreicht“, erläutert der Obstbau-Fachmann. Entsprechend müsse man sich auf außergewöhnliche Situationen vorbereiten.

Dazu gehöre beispielsweise auch, dass immer öfter Hagelnetze zum Schutz der Obstbauanlagen zum Einsatz kommen. Zwar gebe es keine Zunahme bei der Zahl der Hagelereignisse, aber diese würden intensiver ausfallen als in früheren Jahren. Mithilfe von Hagelnetzen oder anderen Vorrichtungen – wie etwa auch Folientunnel für Beeren – könne verhindert werden, dass durch ein Hagelunwetter die komplette Ernte vernichtet werde.

Die Kirschessigfliege wurde vor Jahren aus Asien nach Europa eingeschleppt. <span class="copyright">dpa</span>
Die Kirschessigfliege wurde vor Jahren aus Asien nach Europa eingeschleppt. dpa

In Regionen, in denen der Obstbau eine größere Rolle spiele als in Vorarlberg, sei man in Sachen Schutzmaßnahmen schon deutlich weiter, allerdings holten die Ländle-Obstbauern immer weiter auf. Es gehe dabei auch darum, „sich das Wetter ein Stück weit selber zu machen“, bringt es Höfert auf den Punkt.

Kirschessigfliege

Bezüglich des bisherigen Wetters im heurigen Jahr hat der Experte übrigens noch einen Vorteil parat. Denn die kühlen Temperaturen im Frühling und die derzeitige Hitze seien schlecht für die Kirschessigfliege. Diese wurde vor einigen Jahren aus Asien eingeschleppt und hat sich für die Obstbauern zu einem Problem entwickelt.

Der Schädling befällt vor allem Kirschen und Beeren. Bisher habe man glücklicherweise nur wenige der Insekten in den Fallen gefunden. Wenn aufgrund der Witterung die Vermehrung behindert werde, verschaffe dies den Obstbauern einen Vorsprung.

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