Allgemein

Das dritte Semester voller Hürden

25.06.2021 • 21:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Bild aus der alten Normalität. Seit bereits drei Wochen ist der Präsenzunterricht für Studierende zur Ausnahme geworden. <span class="copyright">Symbolbild/Shutterstock</span>
Bild aus der alten Normalität. Seit bereits drei Wochen ist der Präsenzunterricht für Studierende zur Ausnahme geworden. Symbolbild/Shutterstock

Wie Vorarlberger Studenten den Uni-Alltag in Corona-Zeiten erleben.

Der Vorlesungszeitraum neigt sich gen Ende, das dritte Semester in Zeiten der Krise wäre somit fast überstanden. Doch wie erlebten Vorarl­berger Studierende den Uni-Alltag in Zeiten der Pandemie? Die NEUE Vorarlberger Tageszeitung hat nachgefragt.

„Nochejassa bringt nix“

Filip Mlynski, FH Vorarlberg: “Studieren in der Corona-Zeit? Ein einziger Krampf, wenn du mich fragst. Jedoch möchte ich zu­allererst hervorheben, dass ich jenen glücklichen Studierenden angehöre, die am wenigsten darunter leiden mussten. Das habe ich vor allem der tollen Organisation vonseiten der Fachhochschule zu verdanken. Unentwegt wurde an neuen Lösungen zur Erleichterung der Situation gearbeitet, wie etwa durch das Digitalisieren von Büchern, damit uns diese jederzeit als E-Books zur Verfügung standen. Somit hat auch das Distance Learning verhältnismäßig gut geklappt.

Filip Mlynski. <span class="copyright">Handout/Privat</span>
Filip Mlynski. Handout/Privat

Und auch wenn es hin und wieder kleine Probleme gab, wäre diese hervorzuheben wirklich Schimpfen auf höchstem Niveau, immerhin war die Ausgangslage ziemlich schwierig und es wurde nun mal versucht, das Beste daraus zu machen. Ich bin daher sehr froh, dass meine Hochschule so bemüht um uns Studierende war und möchte an dieser Stelle den Professoren sowie dem ganzen Team meinen Dank aussprechen. Was für mich persönlich eine der größten Herausforderungen in Sachen Corona und Studium war, war es, sich jeden Tag immer wieder aufs Neue zu motivieren. Gar nicht so leicht, wenn sich das ganze Leben plötzlich nur im eigenen Zimmer abspielt. Aber wie sagt man so schön? ‚Nochejassa bringt nix.‘ Man lernt mit jeder Situation umzugehen.“

„Fühlen uns im Stich gelassen“

Maja Stanojevic, Uni Wien: “Ich glaub der Satz ‚Keine Lust mehr‘ fasst das vergangene Semester recht gut zusammen. Ein Semester nur im Online-Unterricht wäre ja noch schön und gut, aber mittlerweile nervt das ständige vor dem Computer sitzen nur noch. Klar bringt es auch einige Vorteile mit sich, aber für mich überwiegen die Nachteile. Ich vermisse es, mit meinen Freunden im Hörsaal zu sitzen oder mit ihnen bis in die Nacht hinein in der Bibliothek zu lernen. Sehr schade fand ich auch, dass mein Praktikum nach nur wenigen Stunden ebenfalls auf Online-Unterricht umgestellt werden musste.

Maja Stanojevic. <span class="copyright">Handout/Privat</span>
Maja Stanojevic. Handout/Privat

Ganz schlimm finde ich es, dass wir Studenten uns in Zeiten wie diesen sehr von der Regierung im Stich gelassen fühlen mussten. Unsere Situation wurde kaum einmal thematisiert. Sollte das hybride Lehrmodell weitergeführt werden, sollte man selbst entscheiden dürfen, ob man lieber vor Ort sein möchte oder weiter im Distance-Learning bleibt. Ich könnte mir jedenfalls nie im Leben vorstellen, mein gesamtes restliches Studium alleine im Online-Unterricht abzulegen.“

Allgemeine Überforderung

Christoph Moll, Uni Wien: “Das Studieren in Zeiten der Pandemie stellte für mich eine echte Herausforderung dar. Gerade am Anfang schien die Universität mit dem Dis­tance Learning überfordert zu sein und das führte natürlich auch zu Schwierigkeiten beim Lernen. Aber auch die soziale Komponente, die für mich zu einem Studium einfach dazugehört, hat mir sehr gefehlt. Hoffentlich wird die Situation ab Herbst endlich wieder etwas normaler!”

Christoph Moll.<span class="copyright"> handout/Privat</span>
Christoph Moll. handout/Privat

Uni – immer und überall

Katja Müller, Uni Wien: “Das Studieren in Zeiten von Corona empfand ich nicht unbedingt als negativ. Alles schien gut organisiert und ich konnte alle meine Lehrveranstaltungen und Prüfungen planmäßig absolvieren – wenn auch online. Die Situation hat sich also nicht negativ auf meinen Studienfortschritt ausgewirkt.

Katja Müller. <span class="copyright">handout/Privat</span>
Katja Müller. handout/Privat

Was ich super fand, war, dass man viel mehr Flexibilität bei der Zeiteinteilung hatte, weil viele Kurse aufgezeichnet wurden. Was mir in der Corona-Zeit jedoch total fehlte, war der persönliche, menschliche Kontakt. Auch wenn die Lehrveranstaltungen online und mit Kamera abgehalten wurden, war es doch einfach nicht dasselbe. Ich kann mir vorstellen, dass gerade Studienanfänger mit diesem Aspekt sehr stark zu kämpfen hatten.“

Immer ein Fach im Präsenzunterricht

Lukas Zaisberger, Vienna Music Institute: “In meinem Fall fanden glücklicherweise lediglich wenige Wochen lang alle Lehrveranstaltungen nur mehr online statt. Danach wurde es so geregelt, dass mindestens ein Fach im Präsenzunterricht gehalten wurde. Für mich eine große Erleichterung, denn inhaltlich war das E-Learning zwar kein großes Problem, aber für die Lernmotivation einfach schrecklich. Auch der soziale Aspekt kam dabei natürlich viel zu kurz.“

Lukas Zaisberger. <span class="copyright">handout/Privat</span>
Lukas Zaisberger. handout/Privat

Noch keine Vorlesung in einem Hörsaal besucht

Katharina Maier, Uni Wien: Ich habe erst im Herbstse­mester des vergangenen Jahres mein Studium begonnen, somit konnte ich das normale Universitäts-Leben, wie es vor der Krise war, noch gar nicht kennenlernen. Man sitzt den ganzen Tag nur vor dem Computer, soziale Kontakte sind kein Thema, daher erscheinen einem die eigenen Mitstudenten als Fremde.

Katharina Maier. <span class="copyright">handout/Privat</span>
Katharina Maier. handout/Privat

Manche der Professoren geben sich zwar Mühe, das Beste aus der Situation zu machen, aber es ist nicht das gleiche. Ich hoffe, dass sich die Lage bis Herbst endlich normalisiert und ich endlich mal einen Hörsaal für eine Vorlesung betreten darf und nicht nur für eine Prüfung.“

Du hast einen Tipp für die NEUE Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@neue.at.