Allgemein

15. Juli ist Tag der Entscheidung

02.07.2021 • 21:08 Uhr / 5 Minuten Lesezeit

Expertengruppe stellt Masterplan für „Bregenz Mitte“ vor. Technisch ist es machbar.


Es ist technisch machbar. Das ist die wichtigste Erkenntnis der Entwurfsstudie „Bregenz Mitte“, die von der Stadt Bregenz in Auftrag gegeben und am gestrigen Freitag präsentiert wurde. Eine Expertengruppe beschäftigte sich mit der Realisierung der Idee einer Unterflurlösung für die Landesstraße vom Generali-Gebäude bis zum Kreisverkehr bei der HTL. In der Studie ging es nicht um die architektonische Entwicklung, sondern vielmehr die Entwicklung der Stadtstruktur.
„Es war unser Ziel, die Stadt an den See zu bringen, den westlichen Teil der Stadt besser mit dem Zentrum zu vernetzen und den unmittelbaren Bereich am See mit der Stadtstruktur zu verbinden“, erklärte Architekt Erich Steinmayr.

Erich Steinmayr. <span class="copyright">Hartinger</span>
Erich Steinmayr. Hartinger

Keine Busse unterirdisch

Die technische Machbarkeit überprüfte im Auftrag der Stadt Verkehrsplaner Helmut Köll, der die technische Umsetzbarkeit bestätigte. „Aufgrund der Rampenhöhe und Radien wäre eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 30 km/h notwendig“, erklärte Bürgermeister Michael Ritsch bei der Präsentation. Zusätzlich zu den Rampen bei der Generali und der HTL würde es eine dritte Ausfahrt in der Montfortstraße geben. Außerdem würde der öffentlichen Verkehr oberirdisch durch eine Erschließungsstraße geführt werden. Das ermöglicht schmalere Fahrbahnbreiten unter der Erde. „Würden Busse die Unterflurstraße nutzen, müsste die Fahrbahn auf 20 Meter verbreitert werden. Das würde eine Baufeldveränderung bedeuten und würde das ganze Projekt nichtig machen“, erklärte Architekt Andreas Stickel.

Andreas Stickel. <span class="copyright">Hartinger</span>
Andreas Stickel. Hartinger

Mit der Verlegung der Landesstraße sollen auf den Baufeldern des Seequartiers und der Seestadt zusätzliche Möglichkeiten zur Bebauung geschaffen werden. Eine Mischung aus Wohnungen, Gewerbeflächen, aber auch öffentlichen Einrichtungen sowie Gastronomie schwebt der Expertengruppe vor. Das letzte Wort haben natürlich die Eigentümer der Baufelder.
Laut der Studie könnten bis zu 6000 Menschen auf dem neuerschlossenen Grund angesiedelt werden. „Die Stadt Bregenz könnte im Stadtkern um 20 Prozent wachsen. Eine Nachverdichtung im Zentrum und nicht in der Peripherie“, ließ Stickel wissen.

Ritsch erklärt die Bebauung. <span class="copyright">Hartinger</span>
Ritsch erklärt die Bebauung. Hartinger

Ein wesentlicher Bestandteil der Planung der Gruppe waren die Sichtachsen zum See. So sollen die Gebäude, welche maximal 35 Meter hoch sein dürfen, immer wieder Querachsen auf den Bodensee bilden. Als Beispiel nannte Steinmayr Triest, wo alle 80 Meter durch die Häuserzeilen der Blick auf das Meer möglich sei.
Ein zentraler Punkt der Überlegungen war der Bahnhof. Die Experten kamen zu dem Schluss, dass dieser derzeit am richtigen Ort stünde und somit nicht verlegt werden sollte. „Wenn sich die Stadt ausweitet, so wie wir das vorsehen, wäre er sogar irgendwann wie gewünscht im Stadtzentrum“, erklärte Steinmayr.

Überlegungen zum Bahnhof

Der Bahnhof sei das wichtigste Projekt und hätte in der Realisierung Priorität. Dies muss laut Steinmayr als erste angegangen werden. Allerdings in anderer Form als jenes Modell, das noch unter Markus Linhart in einer Planungsvereinbarung zwischen Stadt, Land und ÖBB favorisiert wurde. Die Expertengruppe legte auch hier einen Vorschlag vor, der den ÖBB schon präsentiert wurde. Die Vertreter der Bundesbahnen erklärten sich bereit, die Entscheidung der Stadt Bregenz abzuwarten, zeigten sich für die neue Variante durchaus aufgeschlossen, drängten aber auf eine rasche Entscheidung.
Nun wird am 15. Juli in der Stadtvertretung eine Entscheidung fallen. Sollte die Mehrheit dafür stimmen, dass der Bahnhof nach dem alten Modell umgesetzt werden soll, dann wäre damit auch die Möglichkeit einer Umsetzung für Bregenz Mitte gestorben. „Der 15. Juli ist D-Day“, sagte Bürgermeister Michael Ritsch. Sprich der Tag der Entscheidung. Die Reaktionen der anderen Fraktionen (rechts) können Ritsch hoffen lassen.

Keine Kostenangaben

Was „Bregenz Mitte“ kosten würde, konnten die Beteiligten zum derzeitigen Zeitpunkt noch nicht sagen. Aussagen wären nicht seriös, erklärte Stickel. Dafür sind noch zuviele Komponenten ungeklärt, die auch die Präsentation am gestrigen Freitag nicht klären konnte.