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Auftrumpfen durch Vielseitigkeit

04.07.2021 • 18:00 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Bernhard Schrottenbaum hat mit seinem Bruder den Hof übernommen.<span class="copyright"> Klaus Hartinger</span>
Bernhard Schrottenbaum hat mit seinem Bruder den Hof übernommen. Klaus Hartinger

Familie Schrottenbaum setzt auf mehrere Standbeine.

Gauensteiner Hof

Hofladen Öffnungszeiten: Montag bis Samstag: 9 bis 18 Uhr

Gauensteiner Hofspezialitäten: Fleisch- und Wurstprodukte von Rind, Kalb, und Schwein, erntefrischer Salat und Gemüse

Urlaub am Bauernhof, Naturkindergarten, Pensionspferde, Kommunale Dienste

Kontakt

Familie Schrottenbaum

Maria Rast 4, 6780 Schruns

Mobil: 0664 5988 782

Mail: landwirt@schrottenbaum.cc

Webseite: www.gauensteiner.cc

Insgesamt 80 Stunden in der Woche, dieses Arbeitspensum ist bei Bernhard Schrottenbaum momentan keine Seltenheit. Denn auf dem Hof, den der 32-Jährige gemeinsam mit seinem Bruder übernommen hat, stehen derzeit einige Veränderungen an: Der neu erbaute Hofladen befindet sich gerade in der Fertigstellung und in Kürze will man mit „Urlaub auf dem Bauernhof“ durchstarten.

„An einem durchschnittlichen Vormittag klingelt das Handy bei mir rund vierzig Mal“, erzählt der dynamische Landwirt. Meist sind es Gastronomiebetriebe, die Bestellungen aufgeben wollen oder private Kunden, die sich nach Erzeugnissen vom Hof erkundigen.

26 verschiedene Salta- und Gemüsesorten werden angepflanzt. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
26 verschiedene Salta- und Gemüsesorten werden angepflanzt. Klaus Hartinger

Aber auch mit den umliegenden Gemeinden steht Schrottenbaum ständig in Kontakt. Ihnen bietet er Dienstleistungen wie etwa das Mähen und Mulchen von Straßenrändern oder im Winter Schneeräumungen an. In Kooperation mit der Gemeinde Schruns wird außerdem seit Herbst des vergangenen Jahres auf dem Gelände des Hofes ein Kindergarten betrieben.

Bernhard Schrottenbaum, der den Hof im Haupterwerb führt, hat viele organisatorische Aufgaben. Daneben wartet auf ihn aber auch noch die Arbeit, die auf Feld und Hof tagtäglich anfällt: 60 Kühe, 30 Schweine, fünf Pensionspferde und ein paar Ziegen müssen versorgt werden. 26 verschiedene Salat- und Gemüsesorten werden auf dem Gauensteiner Hof angepflanzt und knapp 50 Hektar Grünfläche bewirtschaftet. Auch die vielen Fahrzeuge und Maschinen werden von den beiden Brüdern so gut es geht selbst gewartet und repariert.

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Klaus Hartinger

Echter Jung-Landwirt

Ohne Teamarbeit wäre die Vielfalt der angebotenen Erzeugnisse und Dienstleistungen nicht möglich. Die Betriebsleitung teilt sich Bernhard Schrottenbaum, seit er 21 Jahre alt ist, mit seinem um sieben Jahre älteren Bruder Manuel. Dieser ist hauptberuflich in einem Metallverarbeitungsbetrieb tätig. Auch die Partnerinnen sowie die Schwester der beiden bringen sich auf dem Hof mit ein. Ein ganzjährig angestellter Mitarbeiter unterstützt die Familie seit heuer im Bereich der Kommunaldienste.

60 Kühe, 30 Schweine, fünf Pensionspferde und ein paar Ziegen werden täglich versorgt.<br><span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
60 Kühe, 30 Schweine, fünf Pensionspferde und ein paar Ziegen werden täglich versorgt.
Klaus Hartinger

Die Eltern Rosmarie und Gebhard sind zwar seit zwölf Jahren im Ruhestand, trotzdem stehen sie nach wie vor fast täglich im Stall oder auf dem Feld. Sie haben den einstigen Gutshof der Schrunser Hauswirtschaftsschule insgesamt 36 Jahre lang bewirtschaftet, bevor sie den Betrieb 2009 an zwei ihrer Söhne übergaben. „Die gemeinsame Betriebsführung hat den Vorteil, dass jeder von uns einmal frei nehmen kann“, so Bernhard Schrottenbaum.

Mehrere Standbeine

Schon als die Eltern den Hof noch führten, hatte man auf dem Gauensteiner Hof mehrere Standbeine: Man setzte nicht nur auf Milchwirtschaft sowie auf den Verkauf von Kalbs-, Rind- und Schweinefleisch, sondern auch auf den Anbau von Dinkel und Kartoffeln. Bis auf letzteres wurden alle Betriebszweige weitergeführt und sogar noch ergänzt.

Vor drei Jahren begannen die Landwirte verschiedene Salat- und Gemüse-Sorten anzupflanzen und dieses über den eigenen Hofladen und an Gastronomiebetriebe zu verkaufen. Die Palette reicht von Kohlrabi, Salat, Gurken bis hin zu Fenchel, Zucchini und Wassermelonen. Für eine Vorarlberger Handelskette werden eigens Pastinaken, Rote Beete und Knoblauch angebaut. „Wir säen maschinell, aber ernten alles von Hand“, erklärt Schrottenbaum.

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Klaus Hartinger

Besonders stolz ist er auf das Projekt Naturkindergarten. Nachdem der Bedarf an Kinderbetreuungsplätzen in der Gemeinde immer größer wurde, entstand letztes Jahr die Idee, auf dem Hof die Räumlichkeiten für eine österreichweit einzigartig Kombination aus Wald- und Bauernhof-Kindergarten zu schaffen. Seither können 18 Kinder aus Schruns tagtäglich Bauernhofluft schnuppern „Die Kinder helfen zwei Vormittage in der Woche auf dem Hof mit. Das macht uns allen sehr viel Spaß“, erzählt Schrottenbaum.

Besonders stolz ist die Familie auf das Projekt: Naturkindergarten am Hof. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Besonders stolz ist die Familie auf das Projekt: Naturkindergarten am Hof. Klaus Hartinger

Neuer Hofladen

Im selben Gebäude, in dem der Kindergarten untergebracht ist, wurden auch zwei Ferienwohnungen sowie ein neuer, größerer Hofladen gebaut. Der Hofladen soll in Selbstbedienung geführt werden und technisch alle Stückchen spielen. Leider muss die Eröffnung des neuen Ladens aufgrund von verzögerten Baumaterial-Lieferungen noch etwas warten.

„Urlaub am Bauernhof“ kann hingegen in Kürze starten. Bereits jetzt sind die beiden je 70 Quadratmeter großen, hochwertig ausgestatteten Wohnungen den Sommer über weitestgehend ausgebucht.

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Klaus Hartinger

Schrottenbaum sieht es als großen Vorteil, verschiedene Betriebszweige zu haben: „Wenn einmal etwas ausfällt, ist das ganze wirtschaftlich nicht so schlimm“.

Diese Erfahrung musste er bereits letztes Jahr machen, als im Zuge der Corona-Pandemie die Tourismusbetriebe geschlossen wurden: „Dadurch gab es Absatzprobleme für Kalbsfleisch. Lebend wollten wir die Tiere nicht verkaufen, damit sie keinen unnötigen Transporten ausgesetzt werden. Deshalb haben wir die Kälber weiter aufgezogen und werden dann versuchen, sie als Rinder zu vermarkten“.

Während der Krise stieg auch die Nachfrage nach regionalen Lebensmitteln, was sich auch im Gauensteiner Hofladen deutlich bemerkbar machte.

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Der Blick in die Zukunft fällt bei Bernhard Schrottenbaum durchaus positiv aus: Er freut sich, bald die ersten Urlaubsgäste auf dem Hof begrüßen zu dürfen. Kurze Zeit später steht dann mit der Eröffnung des neuen Hofladens ein weiteres Highlight an. „Auch wenn es manchmal etwas hektisch ist, ich könnte mir keinen anderen Beruf vorstellen. Wir machen das alle sehr, sehr gerne“, betont der Montafoner.

Von Gertraud Höfle-Peter

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