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Aus Einzelkämpfern werden Teamplayer

04.07.2021 • 15:00 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Ingrid Baldauf, Egmont Schwärzler und Andreas Faißt in den neuen Büroräumlichkeiten. <span class="copyright">Hartinger</span>
Ingrid Baldauf, Egmont Schwärzler und Andreas Faißt in den neuen Büroräumlichkeiten. Hartinger

Neun Vorderwälder Gemeinden kooperieren in der Finanzverwaltung.


Über 260 formelle Gemeindekooperationen gibt es laut Angaben des Vorarlberger Gemeindeverbands im Land bereits. Auch die Bregenzerwälder Kommunen arbeiten bereits seit Jahren in unterschiedlichen Bereichen und in verschiedenen Konstellationen zusammen. Sei es im Großen wie etwa in der Regio Bregenzerwald oder auch im Kleinen bei gemeindeübergreifenden Projekte. Auch für die Kommunen im Vorderwald – Doren, Hittisau, Krumbach, Langen bei Bregenz, Langenegg, Lingenau, Riefensberg, Sibratsgfäll und Sulzberg – ist Zusammenarbeit schon lange kein Fremdwort mehr. So gibt es beispielsweise einen gemeinsamen Sozialsprengel oder die Energieregion Vorderwald, der acht der Gemeinden angehören.

Im Krumbacher Gemeindehaus ist der Sitz der Finanzverwaltung. <span class="copyright">Hartinger</span>
Im Krumbacher Gemeindehaus ist der Sitz der Finanzverwaltung. Hartinger

Seit Anfang Juni machen die neun Kommunen nun auch bei den Finanzen gemeinsame Sache. In der Finanzverwaltung Vorderwald laufen seitdem alle Fäden zusammen, wenn es um Buchhaltung, Budgeterstellung, Steuern und Abgaben sowie Personalagenden geht. Auch Förderangelegenheiten der Gemeinden werden von den Mitarbeitern betreut. Untergebracht ist das Kompetenzzentrum für Finanzfragen im Gemeindehaus von Krumbach. Der dortige Bürgermeister Egmont Schwärzler ist auch neuer Obmann des Zusammenschlusses, der in Form eines Gemeindeverbandes geführt wird.

Vertretungssicherheit

Aus Sicht von Schwärzler und seiner acht Bürgermeisterkollegen geht es bei der gemeinsamen Finanzverwaltung darum, die Kräfte zu bündeln und Vertretungssicherheit zu schaffen. Die Budgethoheit bleibt dabei jedoch in den einzelnen Kommunen. Die Entscheidungen werden also weiterhin von den zuständigen Gemeindeorganen gefällt. Durch die Kooperation soll lediglich die Qualität gesteigert werden. Denn gerade in kleineren Gemeinden ist meist eine einzelne Person für die Abwicklung der Finanzangelegenheiten zuständig. Für die Betroffenen ist das oftmals eine Belastung. Nicht nur weil die Themenstellungen – etwa bei den Förderungen – immer komplexer werden, sondern auch, weil es vielfach niemanden gibt, der zum Beispiel für ein paar Wochen die Urlaubsvertretung übernehmen kann. Mit der gemeinsamen Finanzverwaltung soll sich dies nun ändern.

Feuer und Flamme

Ausgegangen ist die Idee von den Bürgermeistern, wie Schwärzler berichtet. Die Gemeindechefs im Vorderwald tauschen sich regelmäßig miteinander aus und stehen in regem Kontakt miteinander. Die Initialzündung für die Finanzverwaltung kam dabei von Guido Flatz (Doren) und Gerhard Beer (Hittisau). Die anderen Amtskollegen zeigten sich von der Idee begeistert. Auf diese Weise nahm der Prozess zur Gründung des Kooperationsmodells seinen Lauf. Es dauerte nicht lange und auch die Gemeindevorstände waren mit an Bord. „Die Mitarbeiter waren dann sofort Feuer und Flamme für die Kooperation“, erzählt Schwärzler. Mit Begleitung durch den Vorarlberger Gemeindeverband sowie das Beratungsunternehmen „ICG Integrated Consulting Group“ mit Hauptsitz in Graz und einem Standort in Dornbirn wurde die Zusammenarbeit dann auf eine solide Basis gestellt.

Große Zustimmung

Es wurde beispielsweise festgelegt, welche Aufgabengebiete in der neuen Finanzverwaltung abgewickelt werden sollen oder wie der rechtliche Rahmen für die Kooperation aussehen soll. Und natürlich musste die Zusammenarbeit auch noch in den einzelnen Gemeindevertretungen beschlossen werden. Hier gab es ebenfalls große Zustimmung für die Zusammenarbeit. Für die Suche nach einem Standort für die Finanzverwaltung gab es einen Bewerbungsprozess, der von ICG abgewickelt wurde.

Krumbachs Bürgermeister Egmont Schwärzler ist Obmann der Finanzverwaltung. <span class="copyright">Hartinger</span>
Krumbachs Bürgermeister Egmont Schwärzler ist Obmann der Finanzverwaltung. Hartinger

Die Wahl fiel schließlich auf das Gemeindehaus in Krumbach. Denn im zweiten Obergeschoss standen Räumlichkeiten zur Verfügung. „Dort waren früher zwei Wohnungen untergebracht. Die Mischnutzung des Gebäudes mit Wohn- und Büroräumlichkeiten konnte somit beendet werden“, berichtet der Bürgermeister. Darum war es der Wunsch der Gemeindeverantwortlichen, die Räumlichkeiten anderweitig zu nützen. Umso erfreulicher war es für sie, dass dort nun die Finanzverwaltung ihren Sitz hat.

Platz zum Wachsen

Die nötigen Umbauarbeiten sind mittlerweile weitgehend abgeschlossen. „Wir haben jetzt fünf Zweier-Büros und ein großes Sitzungszimmer. Derzeit sind etwa sieben Mitarbeiter in der Finanzverwaltung beschäftigt. Wir haben also noch Platz zum Wachsen“, meint Schwärzler. Das Personal für das Kooperationsprojekt setzt sich aus den bisherigen Finanzverantwortlichen der Gemeinden zusammen. In Krumbach hatten sich die Tätigkeit zwei Mitarbeiterinnen in Teilzeit geteilt. Sie sind jedoch nicht in die Finanzverwaltung gewechselt, sondern weiter für die Kommune direkt tätig. Geleitet wird die Einrichtung von Andreas Faißt und Ingrid Baldauf, die bisher in ihren Gemeinden Lingenau beziehungsweise Sulzberg als Kassiere tätig waren.

Arbeit im Team

Durch die Kooperation sollen sich Vorteile für alle Beteiligten ergeben. Die Mitarbeiter sind künftig nicht mehr als „Einzelkämpfer“ tätig, sondern können im Team arbeiten. So ist einerseits gesichert, dass es im Krankheitsfall oder im Urlaub eine Vertretung gibt. Zudem ist es auf diese Weise möglich, dass sich Mitarbeiter auf gewisse Gebiete wie etwa das Förderwesen spezialisieren. So soll auch die Qualität der Arbeit gesteigert werden, sodass die Gemeinden und schlussendlich auch die Bürgerinnen und Bürger davon profitieren.

Von großer Bedeutung

Gemeindekooperationen sind für den Krumbacher Bürgermeister von großer Bedeutung. Schließlich sind in vielen Kommunen – nicht nur im Vorderwald – die knapper werdenden Budgetmittel ein Thema. Auch die Aufgaben, die von den Gemeinden gestemmt werden müssen, werden immer umfangreicher und komplexer. Das betrifft nicht nur Finanzfragen, sondern auch andere Bereiche wie die Kinderbetreuung, das Sozialwesen oder sogar Freizeiteinrichtungen. Vielfach ist es sinnvoll, die Kräfte zu bündeln und gemeindeübergreifend zu agieren. Und mit der Finanzverwaltung Vorderwald gibt es nun eine weitere Kooperation, die für alle Beteiligten Verbesserungen bringen soll.