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2,2 Milliarden an Steuern und Abgaben

05.07.2021 • 20:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
IV-Präsident Martin Ohneberg (l.) und der scheidende Geschäftsführer Mathias Burtscher. <span class="copyright">Hartinger</span>
IV-Präsident Martin Ohneberg (l.) und der scheidende Geschäftsführer Mathias Burtscher. Hartinger

Studie: Steuern und Abgaben der Industrie über jährlichem Landeshaushalt.

Ein überraschendes Ergebnis hat eine Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts EcoAustria im Auftrag der Industriellenvereinigung (IV) Vorarlberg gebracht. Die jährliche Steuer- und Abgabenleistung der Vorarlberger Industriebetriebe liegt deutlich über dem Jahresbudget des Landes. 2,2 Milliarden Euro haben die heimischen Unternehmen im Jahr 2019 an Bund, Land und Gemeinden abgeführt.

Das Landesbudget hatte 2019 dem Rechnungsabschluss zufolge ein Volumen von 1,906 Milliarden Euro. Mit diesem Ergebnis habe man nicht gerechnet, sagte IV-Präsident Martin Ohneberg zu der Studie. Diese wurde am Montagabend im Rahmen des traditionellen Sommerempfangs präsentiert. Rund 370 Gäste trafen sich dabei in der neuen Event-Location Firmament von Catering-Unternehmer Ernst Seidl in Rankweil. Der Veranstaltungsort wurde bewusst gewählt, erklärte Ohneberg. Die von Seidl in herausfordernden Zeiten getätigte Millionen-Investition sei ein Ausdruck für unternehmerischen Mut.

Freiwillige Beiträge

Anhand der EcoAustria-Analyse zeige sich ein weiteres Mal die Bedeutung der Industrie für Vorarlberg und den Wohlstand im Land. Bereits Anfang des Jahres hatten die IV-Verantwortlichen gemeinsam mit dem Wirtschaftsökonomen Gerhard Fehr eine Untersuchung präsentiert, derzufolge die heimische Industrie und eng mit dieser verbundene Betriebe über eine Milliarde Euro an freiwilligen Beiträgen für die Mitarbeiter, die Menschen in Vorarlberg und die globale Gesellschaft leisten.

Christian Zoll ist ab Juli neuer Geschäftsführer der Industriellenvereinigung. <span class="copyright">IV</span>
Christian Zoll ist ab Juli neuer Geschäftsführer der Industriellenvereinigung. IV

Die nunmehr vorgestellte Summe von 2,2 Milliarden Euro an Steuern und Abgaben, die seitens der Industrieunternehmer bezahlt werden, setzt sich vor allem aus der Lohnsteuer und einbehaltenen Sozialversicherungsbeiträgen für die Mitarbeiter (883 Millionen Euro) sowie den gesetzlichen Abgaben der Arbeitgeber (825 Millionen Euro) zusammen. Dazu kommen noch die Körperschaftssteuer (320 Millionen Euro) und die Umsatzsteuer-Zahllast (ohne Vorsteuer 212 Millionen Euro). Vor allem die Höhe der Lohnsteuer und Sozialversicherungsbeiträge ist aus Sicht von Ohneberg interessant. Immerhin sei die Industrie – inklusive produzierendem Gewerbe, Bau und Energie – in diesem Bereich die mit Abstand bedeutendste Branche in Vorarl­berg. 43 Prozent des gesamten Abgaben-Aufkommens in diesem Bereich stammen gemäß der Studie aus der Industrie. Auf Platz zwei folgt mit 23 Prozent die öffentliche Verwaltung. Dahinter liegen der Handel (elf Prozent), die Finanz- und Versicherungsbranche (fünf Prozent) sowie die Beherbergung und Gastronomie (drei Prozent).

Personelle Weichen gestellt

Nicht nur der Sommerempfang der Industriellenvereinigung (IV) ist am Montag über die Bühne gegangen. Es wurden auch personelle Weichen gestellt. Am Nachmittag wurde bereits beschlossen, dass Hubert Bertsch von der der Bertsch Holding GmbH in Bludenz neuer Ehrenpräsident der IV Vorarlberg wird. Damit werde das langjährige Engagement des Unternehmers in der Organisation gewürdigt, sagte Präsident Martin Ohneberg. Bertsch war unter anderem acht Jahre Präsident der IV und Gründer der Jungen Industrie im Land. Er ist der dritte Ehrenpräsident. Zuvor wurde diese Ehre bereits Roman Rauch und Fritz Zumtobel zuteil. In einem weiteren Schritt wurde gestern Hubert Bertsch junior, der Sohn des neuen Ehrenpräsidenten, in den IV-Vorstand berufen.

Schon länger bekannt war ein Wechsel in der Geschäftsführung der Interessensvertretung. Der bisherige Geschäftsführer Mathias Burtscher hat das Amt an seinen Nachfolger Christian Zoll übergeben. Der gebürtige Lustenauer wechselt aus dem Kabinett von Staatssekretär Magnus Brunner im Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie zur IV. Dieser Wechsel werde beim Sommerempfang ebenfalls zelebriert, sagte Ohneberg.

Es gehe aber nicht darum, Branchen gegeneinander auszuspielen, betonte der IV-Präsident. Es solle lediglich die Bedeutung der Industrie für Vorarlberg und den Wohlstand hierzulande aufgezeigt werden. Denn vielfach fehle dafür noch das Bewusstsein. Den Menschen müsse klar sein, dass eine Belastung der Industrie auch zu einer Reduktion des Wohlstands führe. Dies müsse bei Debatten etwa über Umwelt- oder Klimaschutz immer mit bedacht werden. Die Wirtschaft sei in diesen Fragen Teil der Lösung, aber dürfe nicht mit der „Belastungskeule“ bedroht werden.

In Dialog treten

Die IV-Verantwortlichen bemühen sich schon seit Längerem darum, die Herzen der Vorarl­bergerinnen und Vorarlberger zu gewinnen und mit der Bevölkerung in Dialog zu treten. Zum Neujahrsempfang 2020 wurde der Fokus beispielsweise auf die Verbindung der Bedürfnisse der Menschen mit jenen der Unternehmen gelegt. Mit dem Blick auf das freiwillige Engagement der Betriebe für die Menschen wurde zum heurigen Neujahrsempfang der nächste Schritt getan.

Mit einem Heißluftballon wird ab Herbst für die Kampagne der IV geworben. <span class="copyright">IV</span>
Mit einem Heißluftballon wird ab Herbst für die Kampagne der IV geworben. IV

Wie es nun weitergeht, wurde am gestrigen Abend präsentiert. Seitens der IV wird die Kampagne „Unsere Industrie ist für die Menschen da“ gestartet. Bischof Benno Elbs, Blasmusikverband-Jugendreferent Matthias Vallaster, Schauspielerin Laura Bilgeri, Kulturmanagerin Bettina Steindl und Snowboarder Alessandro Hämmerle sprechen dabei darüber, warum die Industrie aus ihrer Sicht für die Menschen da ist. Ab Herbst soll zudem ein Heißluftballon mit dem Kampagnenmotto in Vorarl­bergs Himmel unterwegs sein. Verschiedene Aktionen wie Gewinnspiele oder Talks mit Persönlichkeiten aus dem Ballon sind geplant. Der Ballon soll ein weithin sichtbares Zeichen sein. „Mit dem nötigen Weitblick von oben wird Vorarlberg noch vieles erreichen“, ist sich Ohneberg sicher.

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