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Ein herausforderndes Jahr für die Schulen

05.07.2021 • 22:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Das Schuljahr 2020/21 war für Lehrer und Schüler eine Herausforderung. <span class="copyright">APA/Oberkofler</span><br>
Das Schuljahr 2020/21 war für Lehrer und Schüler eine Herausforderung. APA/Oberkofler

Land lobt die bisherigen Schulleistungen. Zukunft wirft aber Probleme auf.

Der Rückblick der Vorarlberger Bildungsdirektion auf das vergangene Schuljahr zeigte etliche Baustellen im Bildungsbereich auf. So wurden die angebotenen zusätzlichen Förderstunden an den Schulen zwar großteils, aber nicht vollständig abgerufen, weil die Überstundenlast bei den Lehrern bereits sehr hoch ist und, wie es der pädagogische Leiter Andreas Kappaurer ausdrückte, die Pädagogen nicht noch zusätzliche Stunden übernehmen „wollen und können“. Im Herbst werde man dennoch zumindest 1,5 zusätzliche Förderstunden je Abschlussklasse anbieten.

Bei den Maturanten tat sich auch heuer wieder ein Abgabeproblem bei den sogenannten vorwissenschaftlichen Arbeiten (VWA) auf. An den AHS, wo die Arbeit im Gegensatz zu den BHS als Einzel- und nicht als Teamleistung erbracht werden muss, entfiel ein Großteil der nicht erfolgten Maturaabschlüsse auf Schüler, die ihre VWA nicht abgegeben hatten. Eine entsprechende Reform müsste allerdings vom Bund ausgehen, so Kappaurer. Er persönlich sei ein Befürworter der Teamarbeiten.

„Die konsequente Teststrategie hat Schultage gerettet.“

Landesstatthalterin Barbara Schöbi-Fink

Große Belastung

Landesstatthalterin Barbara Schöbi-Fink, die als Präsidentin der Bildungsdirektion fungiert, bedankte sich bei den Lehrern, Schülern und Eltern für ihre Leistungen in den vergangenen Monaten. Sie hätten unter „wirklich großer Belastung“ gestanden. Man biete den Lehrern ab Herbst daher eine professionelle Begleitung an, durch die man die vergangenen Monate aufarbeiten könne. Für die Pädagogen wären zur übrigen Arbeit die Testungen als zusätzlicher Aufwand hinzugekommen. Bildungsdirektorin Evelyn Marte-Stefani lobte die Leistungen der Schulen bei den bisher durchgeführten 1,9 Millionen Selbsttests. In den vergangenen zwei Wochen gab es nur noch 14 Neuinfektionen an Vorarlbergs Schulen. Die Administration sei jedoch mit viel Aufwand verbunden gewesen, wofür sie sich bedanke. Auch die Bildungsdirektion sei durch die oft kurzfristigen Entscheidungen in der Pandemie gefordert gewesen, so Schöbi-Fink.

Die „Spannbreite der verschiedenen Meinungen“ habe eine besondere Herausforderung dargestellt, erklärte Marte-Stefani. Während einige immer schärfere Maßnahmen gefordert hätten, wollte andere gar keine Einschränkungen akzeptieren. Dennoch habe man die Herausforderungen gut bewältigt, zeigten sich alle Verantwortlichen überzeugt. Besonders die Volksschüler hätten verhältnismäßig früh mit dem Präsenzunterricht starten können. Die konsequente Teststrategie habe hier Schultage gerettet. In anderen Ländern wie Deutschland habe es mehr Fernunterricht gegeben.

Großprojekt Digitalisierung

Schöbi-Fink verwies erneut auf die anstehenden Digitalisierungsprojekte, in die das Land bis 2023 sechs Millionen Euro investiert. Den Gemeinden als Schulerhaltern werde beispielsweise ein Glasfaseranschluss der Schulgebäude zu 90 Prozent gefördert. Neue IT-Ausstattung finanziert das Land zu 65 Prozent. Man gehe „mit großen Schritten daran, dass die Schulen eine ordentliche Ausstattung bekommen“ so Kappaurer. Gleichzeitig inves­tiert der Bund in Geräte für die 10- bis 14-jährigen Schüler. Bei den in Vorarlberg angeschafften Tablets übernehme der Bund drei Viertel der Kosten, der Rest müsse von den Eltern als Selbstbehalt übernommen werden. Für ökonomisch Schwache entfällt dieser Beitrag. Unklar ist allerdings, was passieren soll, wenn sich die Eltern weigern, den Selbstbehalt zu tragen, ohne dass sie finanzielle Gründe geltend machen können.

Wenige positive Ergebnisse

Von den über 1,9 Millionen Selbsttests, die an den Vorarlberger Schulen Durchgeführt wurden waren 313 positiv. Insegsamt haben sich im Schuljahr 2020/21 1.460 Schüler und 330 Lehrer infiziert.

Die von der Politik beschlossene Sommerschule kämpft indes mit pädagogischen Ressourcen. Nachdem sich heuer etwa 2500 Schüler und damit 1000 mehr als im Vorjahr angemeldet haben, müssen größere Gruppen gebildet werden. Von den 120 Pädagogen, die benötigt werden, fehlen noch 15 Zusagen. Der pädagogische Leiter Kappaurer gab sich jedoch zuversichtlich, dass diese noch einlangen würden. Von den 120 Stellen würden außerdem 60 bis 70 mit Studenten gefüllt. Die Sommerschule soll an 56 Standorten angeboten werden. Man werde sich „alles Erdenkliche einfallen lassen“, um ausreichend Personal zur Verfügung zu stellen, so Kappaurer.

Weitere Tests im Herbst

Die Landesstatthalterin begrüßte die Entscheidung des Bundes, die Schultestungen im Herbst zunächst fortzuführen. Diese seien wichtig, um sich nach den Ferien einen Überblick über die pandemische Lage bei den Jungen zu verschaffen. Die Zahl der Testverweigerer unter den Schülern hat mittlerweile stark abgenommen. Waren es zu Beginn der Testpflicht noch 2,2 Prozent, sank die Quote zuletzt auf 0,5 Prozent der Schüler.

Wie viele Pädagogen bereits geimpft sind, kann man in der Bildungsdirektion nicht genau beantworten, die Zahlen wären aber den Schulen bekannt. Man wisse nur aus einer Stichprobenerhebung, dass sich etwa 80 Prozent der Lehrer im Rahmen der priorisierten Impfung immunisieren ließen, während die Quote in der Elementarpädagogik mit weniger als der Hälfte besorgniserregend niedrig blieb. Es könne aber durchaus sein, dass sich Lehrkräfte im Nachhinein über die reguläre Schiene impfen hätten lassen. Schöbi-Fink zeigte sich befremdet, dass die Pflichtschullehrergewerkschaft bis dato keine Impfempfehlung abgegeben habe. Sie wisse nicht, warum dem so sei, würde eine solche Stellungnahme jedoch als hilfreich begrüßen.

Bildungsdirektorin Marte-Stefani hielt es für unwahrscheinlich, dass im Herbst an den Schulen selbst geimpft werde. Dafür fehlten die technischen Voraussetzungen. Allerdings sei man mit den Apotheken im Gespräch über eine Kooperation.