Allgemein

Handy und kein Ende in Sicht

06.07.2021 • 11:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die Allgegenwart des Handys thematisiert Rainer Wolf in seiner Ausstellung in Feldkirch.  <span class="copyright">Ölz(2)</span><br>
Die Allgegenwart des Handys thematisiert Rainer Wolf in seiner Ausstellung in Feldkirch. Ölz(2)

Vielfältige Werke von Rainer Wolf bei KunstVorarlberg.

Rainer Wolf (Jahrgang 1940) blickt mit äußerster Skepsis auf die Handymanie der Gegenwart. Seine aktuelle Ausstellung bei KunstVorarlberg in der Villa Claudia in Feldkirch nennt er „Smartphone-Pandemie“.

Bald wird es auf dieser Welt vier Milliarden Handys für acht Milliarden Menschen geben. Überall auf seinen Bildern sind die Menschen versunken in die Beschäftigung mit dem Mobilfunkgerät oder sie versuchen ein Foto von einer spektakulären Aktion zu machen.

Digitale Nabelschnur

Der junge Flüchtling ist noch nicht aus dem Mittelmeer gestiegen und schon blickt er aufs Handy, auf seine digitale Nabelschnur, damit es bzw. sie ihm den Weg in eine bessere Zukunft weist. Die alte Frau, die in der Pandemie wie so viele alte Menschen weggesperrt wurde, schaut aus dem Fenster und wird von einer Pflegerin mit dem Handy dabei gefilmt. Der Dialog zwischen den Menschen ist verstummt, als ob die Absurdität, wie sie Samuel Beckett in seinem berühmten Theaterstück „Warten auf Godot“, die Kommunikationslosigkeit in einer Pandemie, einer Smartphone-Pandemie, die gesamte Menschheit erfasst hätte.

Eines der Bilder von Rainer Wolf.
Eines der Bilder von Rainer Wolf.

Rainer Wolf, der von 1973 bis 2005 eine eigene Apotheke in Wolfurt betrieben hat, legt den Finger in die Wunde der Zeit. In einem Kurzvideo zeigt er die Arbeitsbedingungen der heute 150.000 Arbeiter im Kongo. Der Film zeigt, wie sie und ihre Kinder, die auch schuften müssen, in lebensgefährlichen Stollen buddeln und um einen Hungerlohn ihre Gesundheit ruinieren, damit wir im Westen uns ständig das neueste Handy mit Kobalt und all den anderen Konfliktmineralien leisten können.

Wolf arbeitet in sehr unterschiedlichen Techniken: Angefangen von Öl- und Acrylmalerei über feine Röhrchenfeder-Tuschezeichnungen bis hin zu Kohle und Buntstiftzeichungen. Auch Radierungen mit der eigenen Druckerpresse fertigt Wolf an.

Hennengitter

Bekannt ist Rainer Wolf im Land durch seine Skulpturen aus Hennengitter geworden, die den menschlichen Körper sehr genau abbilden und dabei mitunter die platonische Idee, die Essenz eines Köperteils wie eine wogende Brust, ein geknicktes Gesäß oder die laufenden Beine eines Athleten nachbildet.

Das Hennengitter dient dem Künstler zu zeigen, dass der Mensch heute immer mehr zum gläsernen, zum gänzlich durchsichtigen Objekt der Obrigkeit wird, ähnlich wie das die totalitären Strukturen in China verursachen. Karlheinz Pichler hat bei Rainer Wolf auch vom „Besonderen, das im Bedeutungslosen steckt“ gesprochen. Es sind die achtlos überfahrenen Frösche, die unbeachteten Leiden dieser Welt, denen Rainer Wolf in seiner Kunst einen Platz und eine Stimme verleiht.

Wolfgang Ölz

Bis 31. Juli.

Freitag, 16 bis 18 Uhr,

Samstag, 15 bis 18 Uhr,

Sonntag, 10 bis 12 Uhr und 15 bis 18 Uhr.

www.kunstvorarlberg.at