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Ältere Schüler packten bei Rettung mit an

10.07.2021 • 14:52 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Drohnenaufnahme der Unfallstelle - eine Garnitur liegt derzeit in der Mur
Drohnenaufnahme der Unfallstelle – eine Garnitur liegt derzeit in der Mur Theny

Am letzten Schultag entgleiste Garnitur der Murtalbahn mit Schülern

Es war Zeugnistag – und viele junge Menschen gerade mit dem Zug auf dem Weg zur Schule, als Freitagfrüh im Salzburger Lungau direkt an der steirischen Landesgrenze eine voll mit Schülern besetzte Garnitur der Murtalbahn entgleiste.

Kurz nach 7 Uhr stürzte der Triebwagen nach einer Kollision mit einem Wurzelstock in die Mur und kam seitlich im Fluss zu liegen. Ein weiterer Waggon ist entgleist, ein dritter steht auf den Schienen. Die mehr als 50 großteils jungen Passagiere konnten gerettet werden, 17 wurden verletzt, neun mussten ins Spital eingeliefert werden.

Der Zug ist im Bereich Kendlbruck, nur wenige hundert Meter hinter der steirischen Landesgrenze, entgleist. „Wir waren auf dem Weg in die Schule nach Tamsweg. Es ist ein Baum auf den Schienen gelegen. Ich bin im zweiten Waggon gesessen, der ist entgleist, aber zum Glück sind wir nicht in die Mur gefallen. Es war am Anfang schon ein bisschen Panik. Ältere Schüler haben aber die Scheiben eingeschlagen, dann sind wir alle hinaus”, schildert der elfjährige Clemens Pagitsch aus St. Georgen/Kreischberg das Unglück.

Clemens Pagitsch
Clemens PagitschKleine Zeitung

Und Florian Schwarz (12) aus Murau/Stolzalpe erzählt: “Ein Mädchen in unserem Waggon ist am Bein verletzt worden, aber ich glaube nicht schlimm. Sonst sind alle gut herausgekommen. Wir haben den Nothammer genommen und sind alle hinaus. Ich bin gesund und ich bin so froh, dass nicht mehr passiert ist.”

Florian
Auch Florian Schwarz (rechts) saß im ZugKleine Zeitung

Mehrere Verletzte

Nach den neuesten Informationen der Steiermärkischen Landesbahnen (StB) kurz vor 13 Uhr wurden insgesamt 15 Personen verletzt, keine davon schwer. Beim Roten Kreuz berichtete man am Abend, dass es 17 leicht Verletzte gab und neun Personen im Spital behandelt werden mussten.

Laut dem Katastrophenreferenten des Bezirks Murau, Friedrich Sperl, wurden insgesamt neun Verletzte in Krankenhäuser eingeliefert. Ein Kind wurde mit dem Notarzthubschrauber ins Krankenhaus Schwarzach geflogen: Bei ihm muss eine mögliche Wirbelsäulenverletzung abgeklärt werden.

Die Wasserrettung suchte das in der Mur liegende Fahrzeug gänzlich ab. Nachdem dort keine Personen mehr gefunden wurden, konnte der Einsatz beendet werden, so die StB.

53 Personen im Zug

Im Zug hatten sich insgesamt 53 Personen befunden, vorwiegend Kinder auf dem Weg zur Zeugnisverteilung in ihrer Schule in Tamsweg. Die unverletzt gebliebenen Kinder wurden im Rüsthaus Predlitz versammelt, wo eine Sanitätshilfestelle eingerichtet wurde. Auch ein Kriseninterventionsteam stand im Einsatz. Bei den Eltern der Schüler hatte große Verunsicherung geherrscht, als sie die Bilder vom Triebwagen in der Mur erreichten. Groß war aber auch die Erleichterung, dass der Unfall doch relativ glimpflich endete.

Reaktionen

LH Hermann Schützenhöfer und LH-Stv. Anton Lang: “Unser außerordentlicher Dank gilt den zahlreichen Einsatzkräften, die rasch vor Ort waren und dafür gesorgt haben, dass die Rettungskette unmittelbar in Gang gesetzt wurde. Dadurch ist es gelungen, alle Schülerinnen und Schüler schnell zu bergen und in Sicherheit zu bringen. Unser Dank gilt auch dem Team der Steiermärkischen Landesbahnen (…). Allen Verletzten wünschen wir gute Besserung und eine rasche Genesung.“

Mario Kunasek, FPÖ: „Die Entgleisung (…) hat uns alle schockiert. Ich möchte (…) allen beteiligten Einsatzkräften danken, die vor Ort die betroffenen Personen versorgen und an der Bergung des Waggons mitwirken. Allen Verletzten wünsche ich (…) rasche Genesung und Erholung.”

Robert Reif, Neos: “Wir erwarten volle Transparenz bei der Aufklärung dieses Unfalles. Das Land muss sicherstellen, dass der Schulweg für jedes einzelne Kind in der Steiermark sicher ist. Mein persönlicher Dank gilt den Ersthelfern vor Ort.”

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Kleinräumiges Gewitter

Laut den Steiermärkischen Landesbahnen war das Gewitter der vergangenen Nacht Auslöser für das Unglück. Die Garnitur kollidierte demnach mit einem Wurzelkörper, der auf den Gleiskörper gestürzt war. “In Folge dieser Kollision entgleiste das Triebfahrzeug und kippte in die nahegelegene, niedrigwasserführende Mur. Der Triebfahrzeugführer leitete sofortige Notmaßnahmen ein und half verletzten Fahrgästen das Fahrzeug zu verlassen. Weitere Fahrgäste konnten das Fahrzeug aus eigener Kraft verlassen”, teilten die Landesbahnen in einer Aussendung mit. Geschäftsführer Gerhard Harer sagte zur Redaktion, dass der Triebwagenführer von dem Hindernis auf der Strecke überrascht worden sei. Es habe in der Früh keine Begehung der Strecke gegeben, weil das Gewitterereignis sehr kleinräumig war. Es sei auch an keiner anderen Stelle zu Schäden gekommen.

Schwierige Bergung

Die Bergung des Triebwagens dürfte sich sehr schwierig gestalten, da die Unfallstelle nicht mit Straßenfahrzeugen zu erreichen ist. Insgesamt standen neben Polizei, Feuerwehr und Wasserrettung alleine für das Rote Kreuz 30 Personen, zehn Rettungswagen, vier Notärzte und zwei Hubschrauber im Einsatz. Die Einsatzkräfte rückten am Vormittag allmählich wieder von der Unfallstelle ab, inzwischen sind Ermittler des Landeskriminalamts Salzburg eingetroffen.

Die StB richtete einen Schienenersatzverkehr mit Bussen ein. Die Dauer werde von der Fahrzeugbergung abhängen. “Derzeit wird die Unfallstelle von Experten hinsichtlich der Bergung untersucht, sodass eine Wiederaufnahme des Bahnbetriebes zeitnah erfolgen kann”, heißt es vom Bahnbetreiber.

Ungewisse Zukunft

Die Murtalbahn ist zuletzt auch in der politischen Diskussion in den Fokus gerückt: Äußerungen von LH Hermann Schützenhöfer (ÖVP) bei einem Besuch im Juni im obersteirischen Bezirk Murau hatten für Aufregung in der Region gesorgt. Der LH hatte die Überlegung in den Raum gestellt, dass die Murtalbahn auch als Busverkehr geführt werden könnte. Dazu solle es auch Gespräche mit LHStv. und Verkehrsreferent Anton Lang (SPÖ) geben. Die Trasse der Murtalbahn war in den vergangen Jahren bei Unwettern schwer in Mitleidenschaft gezogen worden, eine Zeit lang war der Zugbetrieb eingestellt und von Ersatzbussen übernommen worden. Auf der Murtalbahn war es in den letzten Jahren immer wieder zu schweren Vorfällen gekommen.

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