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„Gewisser Prozentsatz sieht es nicht ein“

10.07.2021 • 20:09 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
in den vergangenen Tagen blieb viel Zeit für Reinigungsarbeiten.  <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
in den vergangenen Tagen blieb viel Zeit für Reinigungsarbeiten. Klaus Hartinger

Die 3G-Regel ist für die Schwimmbäder eine Herausforderung.

In den vergangenen Tagen hat das Wetter nicht unbedingt zu einem Besuch im Schwimmbad eingeladen. Aber es gab auch heuer schon einige schöne Tage, an denen Abkühlung in den Bädern gesucht wurde – und es werden wieder welche kommen. Wie in anderen Bereichen gilt auch dort die sogenannte 3G-Regel: Nur wer geimpft, getestet oder genesen ist, kommt rein. Und das läuft nicht immer ganz friktionsfrei ab, wie eine Nachfrage ergab.

Beim Strandbad in Bregenz sind zwei Nebeneingänge derzeit nur als Ausgänge nutzbar, weil sonst die Kontrolle nicht möglich ist, erklärt Betriebsleiter Alexander Fritz. Hier konnten Dauerkartenbesitzer normalerweise auch rein. Einige von ihnen haben daraufhin ihre Karten zurückgegeben, weil sie sich nicht beim Haupteingang anstellen wollten, erzählt Fritz.

“Shitstorm”

Für die Kontrollen sei zudem zusätzliches Personal angestellt worden, und das gehe ins Geld. Besonders anfangs hätten die Kontrollen zu einem regelrechten „Shitstorm“ geführt, so die Erfahrungen des Betriebsleiters. Mittlerweile habe sich das ein wenig gelegt. Erleichtert ist er, dass die zu Beginn der Saison noch bestehende Maskenpflicht gefallen ist.

Diskussionen gebe es aber ständig, und die genauen Kontrollen führten teilweise auch zu Beschimpfungen des Personals. „Dass man dafür gelobt wird, kommt selten vor.“ Zu wirklichen Staus beziehungsweise langen Schlangen vor dem Eingang sei es bislang aber nicht gekommen, sagt Fritz, „aber beim Warten ist jede Minute eine gefühlte Ewigkeit“. Was die bisherige Auslastung betrifft, hat der Betriebsleiter noch keine genauen Zahlen vorliegen: „Gefühlsmäßig könnte die Besucherzahl aber höher sein.“

In den nächsten Tagen könnten wieder Badetemperaturen herrschen. <span class="copyright"> Hartinger</span>
In den nächsten Tagen könnten wieder Badetemperaturen herrschen. Hartinger

„Der Mai war bescheiden, der Juni nicht so schlecht“, lautet indes eine erste Bilanz von Ewald Petritsch, Geschäftsführer der Rheinauen in Hohenems und Sprecher der Vorarlberger Bäder. 31.000 Besucher konnten im Vormonat gezählt werden, im verregneten Juni des Vorjahres waren es 10.000 – normalerweise sind es 40.000 bis 45.000 Menschen.

An die 3G-Regel hätten sich die Leute mittlerweile gewöhnt, sagt er. Etwa ein Prozent der Besucher müsse man aber wieder wegschicken, weil sie die Voraussetzungen für den Eintritt nicht erfüllen. „Diskussionen gibt es aber immer“, so auch seine Erfahrungen, „ein gewisser Prozentsatz sieht das nicht ein“.

In Hohenems wurden zusätzlich zwei Mitarbeiter einer Securityfirma angestellt, die die Kontrollen vornehmen. Sorgen bereitet Petritsch aber, dass mit Ferienbeginn Schulkinder nicht mehr regelmäßig getestet werden. Diesbezüglich habe man einen Brief an die Landesräte Martina Rüscher und Christian Gantner geschickt, damit hier eine Lösung gefunden werde – etwa auch, dass die Kinder an genügend Gratistests kommen.

Oliver Tschabrun vom Walgaubad in Nenzing. <span class="copyright">Dietmar Stiplovsek</span>
Oliver Tschabrun vom Walgaubad in Nenzing. Dietmar Stiplovsek

Die Frage, was mit den Kindern passiert, wenn sie nicht mehr in der Schule getes­tet werden, stellt auch Oliver Tschabrun, Geschäftsführer des Walgaubads in Nenzing. Antwort hat er keine. Für ihn ist es auch nicht nachvollziehbar, dass die Kinder am Freitag in der Schule getestet werden, aber am Sonntag dann schon nicht mehr ins Schwimmbad dürfen.

Die 3G-Regel bezeichnet auch er als „schwierige Sache“. Sie möge zwar eine gute Idee für die Gastronomie sein, aber wenn an Spitzentagen 2800 Leute ins Schwimmbad kommen, dann schaue es anders aus, so Tschabrun. Auch in Nenzing hat man immer wieder mit „uneinsichtigen“ Besuchern zu kämpfen. „Obwohl wir die Gesetze nicht gemacht haben, sind wir die Bösen“, und es werde mit jedem Trick versucht, auch ohne 3G-Nachweis reinzukommen.

Überstunden

Etwa 10 bis 15 Leute dürften es an guten Tagen sein, die man aufgrund fehlender Voraussetzungen auch wieder wegschicken müsse, schätzt der Geschäftsführer. Bisher wurden im Walgaubad keine zusätzlichen Mitarbeiter für die Kontrollen angestellt, „wir haben geschaut, dass wir das mit Überstunden machen können“. Tschabrun geht aber davon aus, dass er spätestens bei der nächsten Hitzwelle jemanden zusätzlich brauchen wird.

Was die bisherigen Besucherzahlen betrifft, so sei der Juni aufgrund des schönen Wetters doch recht stark gewesen, informiert der Geschäftsführer über den bisherigen Verlauf. Er rechnet heuer auf jeden Fall mit einer mindestens durchschnittlichen Saison: „Da bin ich positiv.“

„Obwohl wir die Gesetze nicht gemacht haben, sind wir die Bösen.“

Oliver Tschabrun, Walgaubad Nenzing

Von den bisherigen Besucherzahlen her sind wir recht zufrieden“, erklärt Regina Pröckl von den Freizeitbetrieben Feldkirch, die die Bäder Felsenau und Waldbad betreiben. Die Kontrollen seien aber eine Herausforderung und gerade zu Spitzenzeiten schwierig. Auch in Feldkirch wurde eine Securityfirma damit beauftragt. „Das sind natürlich zusätzliche Kos­ten, die nicht kalkuliert waren.“

Kritik von Stammgästen

In Feldkirch werden derzeit noch die Selbsttests angeboten, an heißen Tagen werde der Aufwand dafür aber zu groß werden, befürchtet Pröckl. Kritik komme auch von einigen Stammgästen, berichtet sie von ihren Erfahrungen. Die würden sich aufregen, dass sie jedes Mal den 3G-Nachweis erbringen müssen, obwohl sie regelmäßig da seien und man sie kenne. Schwierig werde es dann in den Ferien, glaubt auch Pröckl, wenn die Kinder nicht mehr regelmäßig in der Schule getestet werden.

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