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Ein Sommer voller Unwägbarkeiten

12.07.2021 • 22:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Acht Schutzhütten, darunter auch die Heinrich-Hueter-Hütte,gehören dem Alpenverein Vorarlberg.<br><span class="copyright">Alpenverein Vorarlberg</span>
Acht Schutzhütten, darunter auch die Heinrich-Hueter-Hütte,gehören dem Alpenverein Vorarlberg.
Alpenverein Vorarlberg

Auch für die Schutzhütten dürfte es keine einfache Saison werden.

Die Wandersaison ist eröffnet und auch die Schutzhütten haben ihren Betrieb schon seit einigen Wochen wieder aufgenommen. Wirklich groß sind die Erwartungen an den heurigen Sommer aber nicht, kann man den Worten von Rainer Schlattinger, Geschäftsführer des Alpenvereins Vorarl­berg entnehmen – wenngleich die Voraussetzungen doch besser als im Vorjahr sein dürften. „Wir hoffen aber, dass es zumindest so wie im letzten Sommer wird“, so Schlattinger. Damals betrug das Minus gegenüber 2019 rund ein Viertel.

Der Alpenverein Vorarlberg ist der Besitzer von sechs Schutzhütten im Land, dazu kommen zwei Bezirkshütten. Es sind laut dem Geschäftsführer einige Faktoren, die nicht ganz unbeschwert in die heurige Saison blicken lassen. Während der Tagesbetrieb im Prinzip so wie jener in den Gastronomiebetrieben im Tal abläuft, schaut die Nächtigungssituation ein wenig anders aus.

Hemmschwelle

In Schutzhütten sind etwa mit den Matratzenlagern, was Übernachtungen betrifft, größere Einheiten und da sei durchaus noch eine Hemmschwelle bei den Gästen da, so Schlattingers Erfahrungen. Allerdings seien im Vorjahr einige dieser Einheiten zu kleineren umgebaut worden, voll auslas­ten werde man aber die Hütten bei den Übernachtungen nicht können – auch wenn das gesetzlich möglich ist. Dazu komme das Personalproblem, mit dem sich alle Schutzhütten herumschlagen würden und das sei „eklatant“.

In vielen der Häuser kommt das Personal aus Drittländern, vor allem aus Nepal. Durch die Pandemie könnten die Leute aber teilweise nicht ausreisen und die fehlen jetzt auf den heimischen Bergen. „Wir müssen daher im österreichischen Raum suchen und da ist der Arbeitsmarkt ausgehungert“, sagt Schlattinger. Dazu komme, dass ein Arbeitsplatz in diesen Höhenlagen noch ein zusätzliches Problem darstelle. Man komme zwar „mit viel Biegen und Brechen“ über die Runden – einfach sei es aber nicht.

Matratzenlager sind in Corona-Zeiten ein Problem.         <span class="copyright">Alpenverein Vorarlberg</span>
Matratzenlager sind in Corona-Zeiten ein Problem. Alpenverein Vorarlberg

Ein weiteres Fragezeichen betrifft deutsche und Schweizer Gäste. Auch auf den Schutzhütten machen diese einen Großteil der Gäste aus – im Vorjahr war die Saison aufgrund deren Ausbleiben ab Anfang Oktober um einiges verkürzt worden. So seien besonders im Rätikon viele Schweizer. Die Testpflicht könnte durchaus dazu führen, dass einige von ihnen in ihren Hütten bleiben und nicht über die Grenze gehen, befürchtet der Alpenvereins-Geschäftsführer.
Derzeit schaue die Buchungslage im Juli aber besser aus als im Vorjahr, sieht Schlattinger doch einen Hoffnungsschimmer. Er hofft, dass das auch bis Mitte, Ende Oktober anhält.

Faktor Wetter

Ein weiterer Faktor, der auf Schutzhütten unabhängig von der Corona-Pandemie immer stark zum Tragen kommt, ist das Wetter. Wenn das passt, ist Schlattinger zuversichtlich, dass es doch noch ein halbwegs normaler Sommer werden könnte. „Die Leute möchten Freizeitsport machen und in die Berge“, glaubt auch er.

Die Tests ortet er aber als Problembereich. „Es ist leider noch nicht jeder geimpft“ und es würden auch Leute auf die Hütten kommen, die keines der 3G vorweisen können. Da komme es bisweilen zu Diskussionen, eine schwierige Situation für die Pächter. Die Masse sei es aber nicht, räumt er ein. Allerdings ist es möglich, auch auf den Hütten einen Test zu machen.

Das Personalproblem auf den Hütten ist eklatant

Rainer Schlattinger, Geschäftsführer Alpenverein Vorarlberg

Und nicht zuletzt würden auch psychologische Faktoren eine Rolle spielen, glaubt Schlattinger. Die aktuellen Diskussionen um die Delta-Variante könnten potenzielle Gäste verunsichern. Zudem seien die Leute Pandemie-müde und würden ihre freien Tage dann vielleicht doch lieber auf dem Balkon verbringen. Allerdings hätten gerade das Fallen des Mindestabstands und der Maskenpflicht in 3G-Bereichen das Ganze erheblich erleichtert. „Damit ist wieder halbwegs Normalität möglich“ und auch für die Pächter biete das mehr „gefühlte Freiheit“.

Schwierig werde es, wenn Deutsche und Schweizer ausbleiben, meint Schlattinger dann noch abschließend. Aber wenn im Juli, August und September das Wetter halbwegs mitspiele, könnte es doch noch ein relativ erfolgreicher Sommer werden – trotz einer Pandemie, die noch nicht so wirklich verschwinden will.

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