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Böhler Abfall an EU-Projekt beteiligt

13.07.2021 • 11:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der Geschäftsführer der Firmengruppe Christian Böhler mit Tochter Larissa, die am EU-Projekt beteiligt ist. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Der Geschäftsführer der Firmengruppe Christian Böhler mit Tochter Larissa, die am EU-Projekt beteiligt ist. Klaus Hartinger

Dabei geht es um Herstellung von weißem Phosphor aus Klärschlamm.

Die Entsorgungsfirmengruppe Böhler Abfall mit Stammsitz in Feldkirch nimmt in den kommenden vier Jahren zusammen mit Partnern aus mehreren EU-Ländern an einem von der EU mit 15 Millionen Euro geförderten Demonstrationsprojekt teil. Konkret geht es bei dem EU-finanzierten Projekt „FlashPhos“ um die Entwicklung eines thermochemischen Produktionsverfahrens zur Herstellung von weißem Phosphor aus Klärschlamm, wie er in Kläranlagen anfällt.

Maßgeblicher Auslöser für „FlashPhos“ ist der Umstand, dass die EU derzeit fast vollständig von Importen von weißem Phosphor aus Kasachstan, Vietnam und China abhängig ist. Weißer Phosphor gilt jedoch als strategischer Rohstoff mit hoher Relevanz, da er für Industrien wie dem Lebensmittel- und Pharmasektor unverzichtbar ist. Geleitet wird das EU-Demonstrationsprojekt von der Universität Stuttgart. Dazu kommen 16 Projektpartner aus Deutschland, Österreich, Italien und Spanien sowie Belgien. Auch die TU Graz ist mit von der Partie.

„FlashPhos“-Verfahren

Das „FlashPhos“-Verfahren ist eine schnell reagierende Hochtemperatur-Flugstromvergasung von Klärschlamm und anderen sekundären Phosphatquellen wie Tiermehl. Dabei finden alle entstehenden Materialien in der europäischen Industrie Verwendung und können teilweise kritische oder CO2-relevante Rohstoffe ersetzen, heißt es in einem Projekt-Memo.

Die Vorarbeiten für dieses EU-Demonstrationsprojekt laufen seit etwa zwei Jahren. „Man hat sich an uns gewendet, weil wir in den vergangenen Jahrzehnten viel Know-how im Umgang mit Klärschlamm aufgebaut haben“, erklärte Senior-Chef Horst Böhler. Die Aufgabe der Böhler Abfall GmbH sei die Besorgung von rund 200 Tonnen getrocknetem Klärschlamm in gleichbleibender Zusammensetzung und die Durchführung der dazugehörenden Analytik. Das werde beispielsweise durch die Kalb Analytik AG in Feldkirch gewährleistet.

Gegenwärtig laufe die Abklärung, ob Böhler den Klärschlamm von der Kläranlage Vorarlberg beziehen könne, so Horst Böhler. Ist das aufgrund einer unpassenden Zusammensetzung des Klärschlammes nicht der Fall, dann mache man sich auf die Suche nach einer anderen geeigneten Kläranlage im In- oder Ausland. Danach wird der Klärschlamm ab den kommenden Wochen zu einem der Projektpartner in der Steiermark transportiert. Dort wird der Klärschlamm für diverse Versuche im Vorfeld der geplanten Errichtung einer großen Produktions-Pilotanlage benötigt.

Pilotanlage bis 2025

In den kommenden vier Jahren werde das „FlashPhos“-Verfahren mit bis zu 400 Kilogramm/Stunde Klärschlammdurchsatz demonstriert. Bis 2025 soll mit den gewonnenen Erkenntnissen dann die erste vollumfängliche Pilotanlage in Europa in Betrieb genommen werden, um deren Funktionalität im großen Stil zeigen zu können. Dann könne man gemeinsam mit einem Industriekonsortium mit der Produktion von weißem Phosphor im industriellen Maßstab beginnen, so die Projektverantwortlichen in einem Memo.

Nach Angaben des Projektkonsortiums gibt es in der EU genügend in Klärschlamm verborgene Phosphorreserven, um den gesamten Bedarf der EU an weißem Phosphor und bis zu 25 Prozent des in der EU verbrauchten Phosphats für andere Anwendungen zu decken. Bis 2040 sollen rund 50 Prozent des EU-weiten Bedarfs aus Anlagen in Europa stammen. Dafür benötige man rund 15 Prozent des derzeit anfallenden Klärschlammes.

Günther Bitschnau/wpa

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