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Neuerliche Chance für Drogentherapie

13.07.2021 • 09:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der Angeklagte soll einen Kollegen bei einem Joint mitrauchen haben lassen. <span class="copyright">Symbolbild/apa</span>
Der Angeklagte soll einen Kollegen bei einem Joint mitrauchen haben lassen. Symbolbild/apa

Zweites Angebot der Justiz für Konsumenten von Marihuana auf Therapie statt Strafe.

Der unbescholtene Angeklagte hat nach Darstellung der Staatsanwaltschaft Feldkirch vier Gramm Marihuana um 40 Euro gekauft. Danach soll er, so der Strafantrag, einen Kollegen bei einem Joint mitrauchen haben lassen.

Keine Untersuchung beim Amtsarzt

Die Staatsanwaltschaft hat dem Drogenkonsumenten aus dem Bezirk Feldkirch im Ermittlungsverfahren das gesetzliche vorgeschriebene Angebot von Therapie statt Strafe gemacht. Demnach hätte der Beschuldigte sich von einem BH-Amtsarzt untersuchen lassen und dann als gesundheitsbezogene Maßnahme ein Jahr lang eine ambulante Drogentherapie in Anspruch nehmen sollen. Das hat er aber nicht getan.

Doch angeklagt

Deshalb konnte die Staatsanwaltschaft das Strafverfahren für die Dauer des betreuten Drogenentzugs nicht vorläufig einstellen. Stattdessen wurde der sich nicht an die Auflage der Strafverfolgungsbehöhrde haltende Lehrling doch angeklagt, wegen unerlaubten Umgangs mit Suchtgiften.

Der Bezirksanwalt gab zum Beschluss des Gerichts keine Erklärung ab.<span class="copyright"> Stiplovsek</span>
Der Bezirksanwalt gab zum Beschluss des Gerichts keine Erklärung ab. Stiplovsek

„Warum sind Sie nicht zum Amtsarzt gegangen?“, fragte Strafrichterin Michaela Österle beim Prozess am Bezirksgericht Feldkirch den Angeklagten. Er habe bei der BH angerufen und wegen seiner Erkrankung um einen neuen Termin gebeten, den er aber nie erhalten habe, antwortete der Angeklagte.

Schriftliche Bestätigung

Die Richterin sah von einer Verurteilung ab und gab dem Drogenkonsumenten einen neue Chance für eine Therapie. Der gerichtliche Beschluss ist nicht rechtskräftig, weil der Bezirksanwalt dazu keine Erklärung abgab. Innerhalb von drei Wochen muss der Angeklagte der Richterin schriftlich bestätigen, dass er beim Amtsarzt und bei einer Drogenberatungsstelle vorstellig geworden ist. Danach hat er dem Gericht ein Jahr lang jeweils vierteljährlich Bestätigungen dafür vorzulegen, dass er sich während seines ambulanten Entzugs beraten und betreuen lässt.

Probezeit

Die Strafrichterin stellte am Ende der Gerichtsverhandlung das Strafverfahren nach dem Suchtmittelgesetz für eine Probezeit von einem Jahr vorläufig ein.

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