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Gartenfreunde trotzten dem Regen

18.07.2021 • 14:00 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Mit der MS Oesterreich ging es zur Landesgartenschau nach Überlingen. <span class="copyright">Streibert</span>
Mit der MS Oesterreich ging es zur Landesgartenschau nach Überlingen. Streibert

Für 54 Vorarlberger ging es mit der MS Oesterreich zur Landesgartenschau.

Nachdem im vergangenen Jahr die Landesgartenschau Überlingen Corona-bedingt verschoben werden musste, findet sie in diesem Jahr nun doch noch am nördlichen Bodenseeufer statt. Über diesen Umstand freuten sich auch die Verantwortlichen der Historischen Schifffahrt Bodensee, welche extra für dieses Event Ausfahrten von Vorarlberg nach Überlingen organisiert haben.

Die Landesgartenschau gastiert in diesem Jahr in Überlingen, nachdem sie letztes Jahr nicht stattfinden konnte.<br><span class="copyright">Streibert</span>
Die Landesgartenschau gastiert in diesem Jahr in Überlingen, nachdem sie letztes Jahr nicht stattfinden konnte.
Streibert

Seit dem 9. April hat die Stadt Überlingen ihre Pforten für Besucher geöffnet und begrüßt seitdem täglich eine Vielzahl an Gästen am Ufer des Bodensees. „Wir sind für die Verschiebung sehr dankbar. Es war ein erheblicher Aufwand für Überlingen, umso schöner ist es für uns, heuer ein Teil davon sein zu können“, erklärt Julia Bösch, Organisatorin der HSB-Fahrten zur Landesgartenschau. „Wir wollten schon im letzten Jahr dieses Event ansteuern, um den Vorarlbergern das Erlebnis Landesgartenschau zu ermöglichen, was leider nicht möglich war. Umso schöner, dass es in diesem Jahr funktioniert“, erklärt Bösch weiter.

Unruhiger See

Doch die Fahrt quer über den Bodensee startete am vergangenen Dienstagmorgen alles andere als ruhig. Sturm, an der Hafenmauer brechende Wellen und Regen begrüßten die Gäste mit einer kalten Brise am Kaiserstrand in Lochau. Wer nicht durchnässt einsteigen wollte, musste einen kleinen Sprint über den Steg einlegen. Für Kapitän Robert Kössler allerdings kein Grund die Fahrt abzusagen. „Wir fahren bei jedem Wetter. Natürlich ist es angenehmer bei Windstille zu fahren, bei solch einem Seegang ist die Fahrt aber um einiges aufregender“, ließ Kössler mit einem nicht zu übersehenden Schmunzeln wissen.

20er-Jahre-Flair

Das Wetter konnte den Gästen jedoch nicht die Laune verderben, zu groß war die Vorfreude der Gartenfreunde auf den bevorstehenden Tag. Nostalgisch stach die MS Oesterreich in See. Das älteste Motorschiff auf dem Bodensee, welches 1928 erstmals in See stach und von 2012 bis 2018 von Grund auf restauriert wurde, präsentiert sich mit originalgetreuer Ausstattung und einer Menge Detailverliebtheit im Gewand der 1920er-Jahre.

Trotz des Regen­wetters war der Ausflug ein Genuss für die Augen. <span class="copyright">Streibert</span>
Trotz des Regen­wetters war der Ausflug ein Genuss für die Augen. Streibert

„Die Restauration hat insgesamt sechs Jahre gedauert und es wurde viel auf das Original von 1928 geschaut“, sagte Bösch von der HSB. Und das wissen auch die Besucher zu schätzen. „Die MS Oesterreich ist ein sensatio­nelles Schiff mit einer Menge Nostalgie“, sagte Gerhard Grabher aus Hard, einer der Besucher an Bord. „Hier wurde eine Menge Energie hineingesteckt. Die Oesterreich und die Hohentwiel sind großartige Schiffe.“

Eine Stadt wird zum Garten

Auf der knapp drei Stunden dauernden Fahrt genossen die Teilnehmer nicht nur ein ausgiebiges Frühstück, sondern auch noch ein Zwei-Gänge-Menü. Mit vollen Bäuchen und viel Vorfreude bei den Gartenfreunden erreichte die MS Oesterreich ihr Ziel in Überlingen, wo sich die Stadt heuer auf etwa elf Hektar – fünf davon innerstädtisch – als Pilgerort für Gartenfreunde aus dem Dreiländereck präsentiert. In insgesamt fünf Ausstellungsbereichen finden sich hier Inspiration, Genuss und Gartenkultur vereint in ein harmonisches und historisches Stadtbild.

Was das Gartenherz begehrt

Schon bei der Anfahrt beeindruckte die Uferpromenade von Überlingen mit bunten und kreativen Bestückungen. Vom Uferpark mit mehreren Themen-Pavillons und voller Blumenpracht ging es am Seeufer zu den Villengärten, wo neben den schwimmenden Gärten im See auch Kunstwerke, ein Kneippbecken und eine Open-Air-Bibliothek mit dazugehörigen Verweilmöglichkeiten zu finden waren. Gartentrends und Variationen mit eigenem Flair ließen jedes Beet für sich stehen und erzeugten auch im Ganzen ein einheitliches und harmonisches Bild.

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Weiter ging es durch die Altstadt, entlang der alten Stadtmauer zu den Rosenobelgärten, welche neben der alten Verteidigungsbastille über den Dächern der Stadt thronten. Ein Badewannen-Biogarten und ein kleines Auto- und Traktoren-Museum waren nur einige der Sehenswürdigkeiten, die dort zu finden waren. Über die Menzingergärten, wo Gemüse- und Hochbeetgärten beheimatet sind, ging es dann wieder entlang der Seepromenade zurück in Richtung Uferpark. „Eine wunderschöne Kulisse mit der Stadtmauer auf der einen und dem See auf der anderen Seite. Mein Highlight sind jedoch die schwimmenden Gärten direkt am Seeufer“, erklärte Besucherin Birgit Grabher und ihr Mann Gerhard ergänzte: „Etwas schade, dass einige Beete in den letzten Tagen wetterbedingt etwas in Mitleidenschaft gezogen wurden. Doch das Ambiente und der alte Baumbestand in Überlingen sind beeindruckend. Es ist jedem Gartenliebhaber nur zu empfehlen.“

Ausfahrten

Details

Die nächste Fahrt der MS Oester­reich zur Landesgartenschau ist für den 11. August von Hard und Lochau aus geplant.

Tickets und Informationen unter: www.hs-bodensee.eu

Nach knapp drei Stunden in Überlingen legte die MS Oesterreich wieder ab und nahm Kurs in Richtung Heimat. Aus der Sicht von HSB-Organisatorin Bösch ein erfolgreicher Tag: „Nach der Premiere am 6. Juni war das eine zweite, rundum gelungene Veranstaltung. Ich persönlich freue mich jetzt auf die weiteren Ausfahrten, hoffentlich dann auch mit etwas besseren Wetterbedingungen“, sagte Bösch.

Jeden Tag Programm

In Überlingen kommen aber nicht nur Gartenfreunde auf ihre Kosten. Neben mehreren Musikauftritten von regionalen Künstlerinnen und Künstlern, einem Lichterfest am See und einigen Theater­aufführungen wird auch noch ein Kinder- und Familientag der Stiftung Kinderland veranstaltet. Ebenfalls ein Highlight sind die Blumenschauen in der ehemaligen Kapuzinerkirche, bei welchen es zu jeder Themenperiode auch eine öffentliche Vernissage gibt. Insgesamt ist die Landesgartenschau Überlingen noch bis 17. Oktober für Besucher geöffnet, bevor die Uferstadt ihre Tore für Besucher wieder schließt.