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Das obere und untere Ende der Impf-Skala

21.07.2021 • 22:08 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Fast 90 Prozent der Warther Bevölkerung ist geimpft.   <span class="copyright">Hartinger</span>
Fast 90 Prozent der Warther Bevölkerung ist geimpft. Hartinger

Warth und St. Gerold haben die höchsten bzw. niedrigste Impfquote im Land.

Genau 67,47 Prozent der impfberechtigten Vorarlberger bzw. 58,69 Prozent der Gesamtbevölkerung haben laut Impf-Dashboard des Landes bis gestern zumindest einen ersten Stich bekommen. Während sich der Großteil der 96 Gemeinden des Landes mehr oder weniger in diesem Durchschnitt befindet, gibt es auch einige Ausreißer in beide Richtungen. Dabei handelt es sich vor allem um Klein(st)gemeinden.

Abhängig vom Tourismus

Absoluter Spitzenreiter nach oben in dieser Liste ist Warth im hinteren Bregenzerwald. Bis gestern waren dort 88,48 Prozent der Bevölkerung geimpft, in absoluten Zahlen sind das 146 der 165 Einwohner.

Warum aber ist in Warth die Impfquote so hoch? „Eine gute Frage“, sagt Bürgermeister Stefan Strolz und lacht. Einen Grund dafür findet er aber schnell: „Als es mit dem Impfen losgegangen ist, waren ganz viele schnell dabei, weil wir ein Dorf sind, das zu hundert Prozent vom Tourismus abhängig ist.“ Nachdem man einen Winter wie den vorigen erlebt habe, in dem keine Gäste dagewesen seien und das Dorf tot war, seien viele sehr nachdenklich geworden, so der Bürgermeister.

Wir waren beim Impfen schnell dabei, weil wir ein Dorf sind, das zu 100 Prozent vom Tourismus abhängig ist

Stefan Strolz , Bürgermeister Warth

Begonnen habe es ja schon im Frühjahr vergangenen Jahres, als die Gemeinde abgesperrt und unter Quarantäne gestellt worden sei, liefert Strolz einen Rückblick. Der Sommer sei in Hinblick auf den Tourismus dann gut gewesen, und im Winter war nichts mehr los. „Da haben dann schon viele übers Impfen nachgedacht, denn ohne Tourismus sind wir tot.“ Im Gegensatz zu anderen Gemeinden des Landes gebe es in Warth keine Industrie oder größere Betriebe abseits des Tourismus.

Der Andrang auf die Impfung sei gleich zu Beginn sehr groß gewesen, und die Gemeinde habe in der Folge auch gemeinsam mit dem Impfzentrum Termine organisiert, erzählt der Bürgermeister. 100 Prozent Durchimpfung werde man wohl nicht schaffen, so Strolz mit einem Grinsen, aber es seien auch viele Jüngere bereits geimpft. Diesen Anteil werde man mit den neuen Plänen für die Nachtgastronomie wohl noch erhöhen können. Der Bürgermeister selbst ist natürlich auch schon länger geimpft.

Dass Strolz mit seiner Erklärung für die hohe Impfbereitschaft vermutlich richtig liegt, lässt sich auch an den weiteren Zahlen des Dashboards ablesen. So sind mit Lech (84,11 Prozent) und Schröcken (71,77 Prozent) zwei weitere klassische Tourismusdestinationen an zweiter und dritter Stelle.

In St. Gerold ist die Impfbereitschaft bis dato nicht sehr hoch.    <span class="copyright">Hartinger</span>
In St. Gerold ist die Impfbereitschaft bis dato nicht sehr hoch. Hartinger

Der Tourismus spielt indes in jenen Gemeinden, die sich am unteren Ende der Skala finden, eine vergleichsweise geringe Rolle. Mit 35,98 Prozent ist St. Gerold im Gro­ßen Walsertal die Gemeinde, die die relativ wenigsten Geimpften aufweist.

Warum das so ist? „Gute Frage“, sagt auch der St. Gerolder Bürgermeister Alwin Müller. Es gebe einige Impfgegner in der Gemeinde, sucht er nach Gründen, da könne man auch wenig machen. Allerdings würden sich auch schon einige wenige Impfverweigerer in einer kleinen Gemeinde mit rund 400 Einwohnern wie St. Gerold schnell prozentuell stark auswirken. „Da braucht es nur ein paar größere Familien, und dann wirkt sich das gleich aus.“

Hoffnung

Müller hatte gedacht, dass die seit Impfbeginn niedrige Zahl noch steigen werde. Noch ist das allerdings nicht der Fall, dennoch hofft er, dass sich auch in seiner Gemeinde vielleicht doch noch mehr Impfwillige finden. In Hinblick auf die Impfung werde schon rege diskutiert, erzählt der Bürgermeister. Wichtig dabei ist ihm aber, dass es dadurch nicht zu Konflikten und Schuldzuweisungen zwischen Impfgegnern und -befürwortern kommt. Er selbst ist bereits zwei Mal geimpft – „ist doch ganz klar“.

Nach St. Gerold befinden sich aktuell weitere kleine Gemeinden auf den Plätzen der unteren Skala: In Sibratsgfäll sind derzeit 41,89 Prozent der 444 Einwohner geimpft, in Riefensberg 46,24 Prozent und damit relativ nahezu gleich viele wie in Dünserberg (46,26 Prozent) und Stallehr (46,95 Prozent).