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Opfer von Missbrauch fordert 26.000 Euro

23.07.2021 • 19:54 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der Häftling wurde 2017 wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Unmündigen rechtskräftig zu siebeneinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. <span class="copyright">Symbolbild/Hartinger</span>
Der Häftling wurde 2017 wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Unmündigen rechtskräftig zu siebeneinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Symbolbild/Hartinger

Mädchen verlangt in Zivilprozess Schadenersatz für Traumatisierung.

Aus der Grazer Justizanstalt Karlau nahm der 57-jährige Beklagte per Videokonferenz am Zivilprozess am Landesgericht Feldkirch teil. Der Häftling wurde 2017 wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Unmündigen rechtskräftig zu siebeneinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Demnach hat er die damals fünfjährige Klägerin am 30. Jänner 2017 in einem Haus im Bezirk Feldkirch, in dem ihn die Mutter des Kindes einige Tage wohnen ließ, schwer missbraucht.

Missbrauchsopfer leidet an PTBS

Die nunmehr neunjährige Klägerin fordert in dem Zivilprozess als Schadenersatz für die durch den Missbrauch erlittene Traumatisierung 26.000 Euro. Die vom Zivilgericht beauftragte Kinderpsychologin bescheinigt dem Kind in ihrem fachlichen Gutachten als Folge der Straftat eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS).

Demnach leidet die junge Klägerin unter einer Irritation ihrer geschlechtlichen Identität: Sie möchte lieber ein Bub als ein Mädchen sein. Zudem hat die Neunjährige nach Ansicht der Sachverständigen seit den Übergriffen mit Schlaf- und Essstörungen zu kämpfen.

Verhandlung geschlossen

Zivilrichterin Elisabeth Walch hat die Verhandlung für geschlossen erklärt. Ihr Urteil wird schriftlich erfolgen. Zu erwarten ist, dass der Beklagte zu Schadenersatzzahlungen verpflichtet wird. Zumal das Zivilgericht und die psychologische Gutachterin an den Schuldspruch aus dem Strafverfahren gebunden seien, wie die Zivilrichterin erklärte.

Demnach muss im Zivilprozess ohne neuerliche Prüfung davon ausgegangen werden, dass die Klägerin vom Beklagten tatsächlich schwer missbraucht worden ist. Der beklagte Häftling bestritt bei seiner Befragung im Zivilverfahren die ihm angelastete Tat. Mit einem allfälligen Antrag auf Wiederaufnahme des Strafverfahrens mit neuen Beweismitteln für seine Unschuld müsse er sich aber ans Strafgericht wenden, teilte ihm Zivilrichterin Walch mit.

18 Vorstrafen

Im Strafverfahren wurde der mit 18 Vorstrafen belastete Angeklagte im Juni 2017 am Landesgericht Feldkirch in erster Instanz zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt. Der Oberste Gerichtshof (OGH) in Wien bestätigte im Oktober 2017 den Schuldspruch.

Das Innsbrucker Oberlandesgericht (OLG) erhöhte im Dezember 2017 in der Berufungsverhandlung die Gefängnisstrafe um ein Jahr rechtskräftig auf siebeneinhalb Jahre. Denn der Angeklagte war 17 Tage nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis mit dem schweren Missbrauch der Fünfjährigen rasch rückfällig geworden.