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Sterne beobachten in Vorarlberg

24.07.2021 • 20:07 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Philipp Salzgeber von den Vorarlberger Amateur Astronomen bei der Beob­achtung. <span class="copyright">Phillipp Salzgeber</span>
Philipp Salzgeber von den Vorarlberger Amateur Astronomen bei der Beob­achtung. Phillipp Salzgeber

Um mehr über die Sterne zu erfahren, gibt es in Vorarlberg einige Möglichkeiten.

Fast die Hälfte aller Vorarl­berger findet die Astronomie und vor allem die praktische Sternbeobachtung interessant. Das ist ein Ergebnis einer gut zehn Jahre alten repräsentativen Umfrage. Meine Erfahrungen zeigen, dass die Faszination für die Astronomie seither bei allen Altersgruppen sogar gestiegen ist. In Vorarlberg gibt es keine große Volkssternwarte. Trotzdem hat man genügend Möglichkeiten, Astronomie unter fachkundiger Begleitung zu erleben.
Die Himmelsbeobachtung mit bloßem Auge ist unbedingt zu empfehlen. Bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts hatten auch die großen Himmelsforscher keine andere Möglichkeit – das Teleskop war noch nicht erfunden. Galileo Galilei war der erste Astronom, dem um 1610 ein einfaches Fernrohr zur Verfügung stand. Relativ rasch erkennt man ein System in den Bewegungen der Sterne. Sie gehen wie die Sonne ungefähr im Osten auf, steigen hoch und gehen im Westen wieder unter. Andere Sterne bewegen sich kreisförmig um den ruhenden Polarstern. Je nach Jahreszeit dominieren unterschiedliche Sternbilder das Geschehen.

Milchstraße

Um sich zurechtzufinden, braucht man je nach Vorliebe eine drehbare Sternkarte oder eine Handy-App. Die Milchstraße zu erkennen ist heute leider keine Selbstverständlichkeit mehr. Zu viele künstliche Lichter der Ballungszentren im Rheintal und im Walgau überblenden ihren schwachen Schein. Ein dunkler Beobachtungsplatz gibt den Blick zu neuen Welten frei.
Der Nebel der Milchstraße ist eine Ansammlung von tausenden Sternen, die so nahe beieinander stehen, dass sie das Auge nicht mehr trennen kann. Schon mit einem normalen Fernglas erkennt man die Natur der Milchstraße. Ein Teleskop erschließt uns noch mehr Details. Ein weiteres Resultat der Umfrage war, dass im Jahreslauf 45 Prozent aller Vorarlberger zumindest einmal den Himmel durch ein Fernglas oder ein Fernrohr beobachten. Es ist von Vorteil, vor einem Kauf Teleskope zu vergleichen und zu testen.

Gäste willkommen

Eine Gruppe von Sternenbegeisterten trifft sich einmal pro Monat zu einem Vortrag oder einem Gedankenaustausch in Götzis. Mitglieder dieses Vereins der Vorarlberger Amateur-Astronomen beobachten mit unterschiedlichsten Teleskopen den Sternenhimmel. Gäste sind dabei sehr willkommen.
Einige der Mitglieder sind exzellente Astrofotografen. So wurde ein Bild des Kometen „Neowise“ von Philipp Salzgeber 2020 von der NASA als Astrofoto des Tages ausgezeichnet. Bei gemeinsamen Sternenabenden an guten Beobachtungsplätzen wie in Bildstein, auf der Bieler Höhe, am Furkajoch oder am Kristberg kann die Leistungsfähigkeit der mitgebrachten Teleskope ausgereizt werden.
Auch promovierte Astrophysiker sind Mitglieder des Vereins. Stefanie Unterguggenberger hat auf der diesjährigen Tagung der Nobelpreisträger in Lindau eine Diskussion zwischen Studenten und Adam Riess moderiert. Riess wurde 2011 für seine Entdeckung der beschleunigten Ausdehnung des Universums mit dem Nobelpreis geehrt. Klarerweise wird das Vereinsmitglied Unterguggenberger über Spitzenforschung aus erster Hand erzählen können.

Spiegelteleskop

Manfred Böhler ist ein ehemaliger Obmann der Vorarlberger Amateur Astronomen. In seinem Garten in Lustenau steht ein Kuppelgebäude. Darin verbirgt sich ein Spiegelteleskop mit 30 Zentimetern Durchmesser. Dem Observatorium Manfred Böhler stehen auch Spezialgeräte zur Sonnenbeob­achtung zur Verfügung. Damit ist die gefahrlose Beobachtung von Sonnenflecken möglich.
Die Sonne ist kurz gesagt eine Gaskugel mit 1,4 Millionen Kilometern Durchmesser. Auf ihrer Oberfläche brodelt es bei Temperaturen von zirka 6000 Grad. Immer wieder werden heiße Gasmassen ins All geschleudert. Diese Protuberanzen werden in Lustenau sichtbar gemacht, indem ein Spezialfilter im roten Wellenlängenbereich das Phänomen hervorhebt. Nach Vor­anmeldung ist die Sternwarte für Besucher zugänglich.

Observatorium

In Krumbach steht ein vier mal vier Meter großes Holzhaus auf Rollen. Es ist das Schutzgebäude für das Observatorium von Paul Baumgartner. Spacepage nennt sich seine Homepage. Schiebt man das Giebeldach zur Seite, fällt der Blick auf ein modernes Spiegelteleskop mit 35 Zentimeter Durchmesser. Vieles im Umfeld des begeisterten Astronomie-Experten ist „spacig“.
Fantastische, selbst erstellte Himmelsfotos sind das Resultat aus Teleskoptechnik und computergestützter Nachbearbeitung. Ein Antennensystem aus Drähten im Außenbereich der Schiebedach-Sternwarte empfängt Signale von der Sonne im Radiowellenbereich. Das Radioteleskop ist Teil eines internationalen Netzwerks, das Sonnenausbrüche rund um die Uhr aufspürt. Der Amateur-Astronom gibt sein Wissen in Sternführungen weiter. Sein Geschäft im Ortszentrum von Krumbach bietet Fachbücher und Fernrohre an. Eigene Sternfotos sorgen für die passende Atmosphäre.

Die mobile Sternwarte.<span class="copyright">Robert Seeberger</span>
Die mobile Sternwarte.Robert Seeberger

Mobile Sternwarte

2009 war das Internationale Jahr der Astronomie. Das war Anlass für den Autor dieser Zeilen, eine mobile Sternwarte zu bauen. Ein Teleskop auf einem Autoanhänger sorgt für Flexibilität. Wenn Umgebungslicht wie bei ­Mondbeobachtungen keine Rolle spielt, kann die Sternwarte auch in Stadtzentren betrieben werden.
Wenn schwache leuchtende Objekte wie Galaxien oder Sternhaufen im Visier stehen, geht die Fahrt in abgelegene Orte ohne Lichtverschmutzung. Bei besonderen Anlässen wie der Langen Nacht der Forschung oder bei Finsternissen wurde das „Astromobile“ in Betrieb genommen. Für den Herbst 2021 ist ein Einsatz im Rahmen des FAQ im Bregenzerwald in Vorbereitung.

Rheticus

Georg Joachim Rheticus wurde 1514 in Feldkirch geboren. Er war der einzige Schüler des berühmten Astronomen Nikolaus Kopernikus. Die Kopernikanische Wende ist zum geflügelten Wort geworden. Kopernikus rückte die Sonne ins Zentrum und „verbannte“ die Erde in eine Umlaufbahn.
Das Verdienst des Rheticus war es, seinen Lehrer zu überzeugen, die revolutionäre neue Theorie zu veröffentlichen. Kurz gesagt: ohne Rheticus kein Kopernikus. Wir leben in einer Zeit, in der wieder unglaubliche Erkenntnisse über den Kosmos gewonnen werden. Es ist schön zu beobachten, dass sich so viele Vorarlberger für die Geschehnisse weit über unseren Köpfen begeistern können.

Information

Vorarlberger Amateur Astronomen: https://www.astronomie-vorarlberg.org/

Sternwarte Manfred Böhler: https://www2.vobs.at/astronomen/boehler.htm

Sternwarte Paul Baumgartner: https://spacepage.at/radioastronomie/