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Integrierter Afghane darf vorerst bleiben

26.07.2021 • 21:44 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der 24-jährige Afghane hat als Lehrling eine Ausbildung absolviert und arbeitet bei einem Installateur. <span class="copyright">Symbolbild/Shutterstock</span>
Der 24-jährige Afghane hat als Lehrling eine Ausbildung absolviert und arbeitet bei einem Installateur. Symbolbild/Shutterstock

Bundesverwaltungsgericht lehnt Abschiebung ab.

Erst fünf Jahre nach dem erst­instanzlichen negativen Bescheid des Bundesamts für Fremdenwesen und Asyl (BFA) erfolgte nun in zweiter Instanz eine Entscheidung in dem Asylverfahren. Die lange Verfahrensdauer hat der Asylwerber genützt, um sich in Vorarl­berg zu integrieren. Deshalb wird der 24-Jährige nun doch nicht nach Afghanistan abgeschoben. Der Afghane, dessen Anwalt German Bertsch erfolgreich Beschwerde erhoben hat, darf nun zumindest vorerst weiterhin in Österreich bleiben.

“Aufenthaltsberechtigung plus”

Das hat jetzt das Wiener Bundesverwaltungsgericht (BVwG) entschieden. Richter Werner Pipal hat eine Rückkehrentscheidung für auf Dauer unzulässig erklärt. Zudem hat er dem Afghanen aus berücksichtigungswürdigen Gründen nach dem Asylgesetz den Aufenthaltstitel „Aufenthaltsberechtigung plus“ für die Dauer von zwölf Monaten erteilt. Dagegen kann noch das Rechtsmittel einer außerordentlichen Revision am Verwaltungsgerichtshof in Wien erhoben werden.

Das BFA hatte in erster Instanz einen negativen Bescheid ausgestellt. <span class="copyright">apa</span>
Das BFA hatte in erster Instanz einen negativen Bescheid ausgestellt. apa

Der Asylrichter begründete seine Entscheidung mit der mittlerweile erfolgten Integration des Geflüchteten in Österreich. Denn der Ausländer habe in der Zwischenzeit eine Ausbildung als Lehrling gemacht und arbeite nunmehr legal in einer Installationsfirma. Er verdiene dabei 1800 Euro netto und sei damit selbsterhaltungsfähig. Zudem spreche der Asiate gutes Deutsch. Und er sei unbescholten. Deshalb würden seine privaten Interessen am Leben in Österreich die öffentlichen Interessen des Staates an einer Beendigung des Aufenthalts des illegal Eingereisten überwiegen.

Bruder entführt

Asyl oder subsidiären Schutz hat das BFA nicht gewährt. Die sich dagegen richtende Beschwerde hat der Afghane vor dem Bundesverwaltungsgericht zurückgezogen. Der 24-Jährige gab zu Protokoll, er sei 2015 aus Afghanistan vor den Taliban geflüchtet. Die Taliban hätten seinen Brüder entführt, der seither verschollen sei. Sie hätten auch versucht, ihn zu entführen.