Allgemein

Jahrelange Haftstrafen nach Home Invasion

26.07.2021 • 20:36 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die Verhandlung ging am Montag im Landesgericht Feldkirch über die Bühne. <span class="copyright">Privat</span>
Die Verhandlung ging am Montag im Landesgericht Feldkirch über die Bühne. Privat

Sechs, fünfeinhalb und fünf Jahre Gefängnis nach Überfall auf Greis in Dornbirn.

Überfälle auf Opfer in deren Wohnstätten werden streng bestraft. Für die Home Invasion vom 19. Juni 2020 ins Haus eines dementen 90-Jährigen in der Dornbirner Innenstadt wurden am Montag am Landesgericht Feldkirch drei junge Deutsche zu sechs, fünfeinhalb und fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Keines der Urteile des Schöffensenats ist rechtskräftig. Die Angeklagten im Alter von 21 und 22 Jahren und Staatsanwältin Karin Dragosits nahmen drei Tage Bedenkzeit in Anspruch. Der Schuldspruch erfolgte vor allem wegen versuchten Raubes. Die mögliche Höchststrafe wäre zehn Jahre Haft gewesen.

Aus dem Ruhrgebiet angereist

Die geständigen Angeklagten haben an jenem Freitagabend die 42-jährige rumänische Pflegerin des pensionierten Rechtsanwalts ebenso gefesselt wie zwei Stunden später die Cousine des 90-Jährigen. Den dementen Greis ließen die Täter während ihrer zweieinhalbstündigen Anwesenheit in dessen Haus unbehelligt. Die aus dem Ruhrgebiet per Auto angereisten jungen Männer versuchten vergeblich, den Tresor des Ex-Anwalts in dessen Schlafzimmer mit einer Flex aufzubrechen. Sie flüchteten ohne Beute.

Die Angeklagten waren nicht schuldig, eine kriminelle Verienigung geibildet zu haben. <span class="copyright">Symbolbild/Hartinger</span>
Die Angeklagten waren nicht schuldig, eine kriminelle Verienigung geibildet zu haben. Symbolbild/Hartinger

Der nun zu sechs Jahren Haft verurteilte Erstangeklagte ließ am Tatort seinen zerstückelten Personalausweis liegen. Seine Personalien hatte die Polizei in dem Haus schon im April 2019 aufgenommen. Damals gaben sich der Deutschlibanese und sein 20-jähriger Cousin als Mitarbeiter eines Schlüsseldienstes aus. Schon im Vorjahr gelang es ihnen nicht, den Tresor aufzuflexen. Die Schwester des Anwalts hatte einen Schlüsseldienst beauftragt, weil ihr Bruder den Tresorschlüssel verloren hatte.

Teilschmerzengeld

Die gefesselte Pflegerin erlitt durch den Überfall einen schweren Schock. Sie musste deswegen Psychotherapie in Anspruch nehmen. Die Angeklagten bezahlten ihr bereits ein Teilschmerzengeld von 1500 Euro. Einen Schock verursachte das Verbrechen auch bei der gefesselten Cousine des Rentners.

Keine kriminelle Vereinigung

Der Schöffensenat unter dem Vorsitz von Richter Nußbaumer folgte der Argumentation der Verteidiger German Bertsch, Andrea Concin und Sanjay Doshi und ging nicht von der angeklagten kriminellen Vereinigung aus. Weil nicht feststellbar sei, dass die Gruppierung weitere Straftaten geplant habe. Wäre ein Schuldspruch auch wegen der Bildung einer kriminellen Vereinigung ergangen, wäre rechtlich ein versuchter schwerer Raub mit einer Strafdrohung von bis zu 15 Jahren Gefängnis zu sanktionieren gewesen.