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Vom Wald nach Rankweil zum Impfbus

27.07.2021 • 20:53 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die Warteschlange vor dem Impfbus war teilweise 150 Meter lang. <span class="copyright">Stiplovsek</span>
Die Warteschlange vor dem Impfbus war teilweise 150 Meter lang. Stiplovsek

Am Dienstag machte der Impfbus zum ersten Mal in Rankweil Halt.

Es ist zwölf Uhr mittags. Auf dem Marktplatz in Rankweil steht, prominent platziert, ein grauer Bus, der sehr lang ist, weil er aus zwei gekoppelten Bussen besteht. Trotzdem ist es drinnen eng. Hier werden später die Spritzen aufgezogen, „Johnson & Johnson“ steht auf den Fläschchen. Letzte Vorbereitungen in dem ersten und einzigen Impfbus des Landes Vorarlberg laufen, draußen unter einem Vorzelt werden drei Terminals installiert, wird Papier in die Drucker gefüllt. „Am längsten braucht immer die Administration“, bemerkt der Allgemeinmediziner Dr. Jochen Rätzel, der an diesem Tag noch viele Spritzen geben wird. Einen erfolgreichen Einsatz haben Bus und Personal bereits absolviert, und zwar in Feldkirch im Rahmen des Poolbar Festivals. „Es gab eine große Resonanz. Allerdings ist es eine logistische Herausforderung, die sich für wenige Stunden Impfen fast nicht lohnt, mussten wir feststellen. Deshalb sind wir morgen auch noch hier in Rankweil“, erklärt der Impfkoordinator des Landes, Sebastian Wöß..

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Stiplovsek

Lange Warteschlange

Derweil sitzen bereits einige Wartende im Schatten um den Brunnen. Sie warten lieber im Vorhinein, als sich später in der teilweise rund 150 Meter langen Schlange vorwärtszuschieben und am Ende vielleicht doch leer auszugehen. „Dieses Risiko besteht, das wissen die Leute aber auch. Der Vorteil ist der, dass bei dem Impfstoff von ,Johnson & Johnson‘ eine Dosis reicht. Und wir verimpfen alles, was wir haben“, erklärt Julia Sperger aus der Leitstelle Impfung. In Feldkirch waren das 366 Dosen.

Karl Wild ist extra aus dem Bregenzerwald gekommen, um sich impfen zu lassen. <span class="copyright">Stiplovsek</span>
Karl Wild ist extra aus dem Bregenzerwald gekommen, um sich impfen zu lassen. Stiplovsek

Einer der ersten Wartenden ist der leidenschaftliche Motorradfahrer Karl Wild, der seine Motorradschuhe ausgezogen hat und lieber barfuß geht. Der wettergegerbte 60-Jährige sagt, er habe von der Impfaktion in der Zeitung gelesen. „Da bin ich kurzentschlossen aus dem Bregenzerwald hergefahren. Eigentlich wollte ich mich nicht impfen lassen, aber ohne Impfung kann man ja bald nichts mehr machen. Ich will aber zur MotoGP in die Steiermark am nächsten Wochenende, das ist für mich die Hauptmotivation.“
„Wer ein gutes Immunsystem hat, braucht sich ja nicht impfen lassen.“ Diese Meinung wird in der Warteschlange häufiger vertreten, teilweise wird auch geschimpft, auf die Politik und die Medien. Ansonsten herrscht Gelassenheit. Die Wartenden haben Zeit mitgebracht. Die Sonne scheint zwischen den Wolken hervor, und Impfkoordinator Wöß hofft, dass das auch so bleibt. „Wenn’s regnet, wird es problematisch.“ Einstweilen haben aber Leute von der Gemeinde Rankweil einen riesigen Sonnenschirm aufgestellt, der natürlich trotzdem nicht für alle reicht.

Registrieren

Julia Sperger steht vor der langen Schlange und erklärt, wo die Wartenden sich mit ihrem Smartphone einloggen können, um den Anmeldevorgang abzukürzen. „Wir sind sehr glücklich, dass das Angebot des Impfbusses, sich ohne Anmeldung impfen zu lassen, so gut angenommen wird. Bereits in den Impfstraßen konnten wir zuvor rund 60 Prozent der Vorarlberger impfen“, sagt sie.

Im Impfbus wird solange geimpft, bis alle verfügbaren Dosen aufgebraucht sind.<span class="copyright">Stiplovsek</span>
Im Impfbus wird solange geimpft, bis alle verfügbaren Dosen aufgebraucht sind.Stiplovsek

Ein kurzer Piks

Dann geht es sehr pünktlich los, der Motorradfahrer Wild ist der Erste. Er muss seine Daten eingeben, bekommt aber Unterstützung. Dann ist Dr. Jochen Rätzel gefragt. Während er mit dem Desinfektionstüchlein über den linken Oberarm von Karl Wild fährt, erzählt er vergnügt: „Ich bin ein alter Rotkreuzler und war dort auch mal Chefarzt. Im Balkankrieg habe ich ebenso als Arzt geholfen wie in Rumänien oder bei Großschadensereignissen. Ich kann’s einfach nicht lassen, ich brauche Action.“ Dann sagt er zu Wild etwas von einem kurzen Piks und macht einen Scherz über das kleine Pflaster, bezeichnet es als „Pickerle von der Asfinag“. Fehlt noch die Eintragung in die Datei für den Grünen Pass, dann ist Karl Wild wieder draußen. Das freundliche Angebot, sich doch noch „ein Viertelstündchen“ auf einen Stuhl in den Schatten zu setzen, schlägt er ebenso freundlich aus. Und, ist er froh über die Entscheidung, jetzt geimpft zu sein? „Irgendwann entscheidet man sich, was man machen will, und dann macht man’s einfach.“

Der 60-Jährige wollte sich ursprünglich gar nicht impfen lassen, hat sich dann aber doch dafür entschieden.<span class="copyright">Stiplovsek</span>
Der 60-Jährige wollte sich ursprünglich gar nicht impfen lassen, hat sich dann aber doch dafür entschieden.Stiplovsek