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Zwei Tote nach Explosion in Chemiepark

27.07.2021 • 18:25 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Rauchwolke über dem Chempark Leverkusen
Rauchwolke über dem Chempark Leverkusen (c) APA/dpa/Oliver Berg (Oliver Berg)

Warnung vor Giftwolke nach Explosion auf Sondermüllverbrennungsanlage.

31 Menschen wurden bei dem Unglück verletzt, fünf von ihnen werden intensivmedizinisch versorgt, wie die Kölner Polizei mitteilte. Der Chemieparkbetreiber gab am Nachmittag bekannt, dass ein vermisster Mitarbeiter tot aufgefunden worden sei, vier weitere wurden noch vermisst. Am Abend bestätigt der Betreiber den Fund einer zweiten Leiche.

Die Explosion ereignete sich nach Angaben des Unternehmens aus bisher unbekannter Ursache gegen 9.40 Uhr im Tanklager des Entsorgungszentrums Bürrig. Laut Leverkusens Oberbürgermeister Uwe Richrath war eine „immense Detonation“ in der Stadt zu hören. Danach kam es zu einem Brand in dem Tanklager. Anrainer des Chemiebetriebs wurden aufgefordert, geschlossene Räume aufzusuchen sowie Fenster und Türen geschlossen zu halten. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe ordnete das Ereignis in die Warnstufe „Extreme Gefahr“ ein. In der Zwischenzeit wurde der Brand nach Angaben der Stadt Leverkusen gelöscht. Eine akute Gefahr bestehe nicht mehr, aber eine Gefährdungslage.

Nach der Explosion brannte nach Angaben der Stadt ein Tank mit Lösungsmitteln. „Die Löscharbeiten mussten warten, bis eine Stromleitung vom Netz getrennt war“, teilte die Kommune am Mittag mit. Gegen Mittag schien der Brand gelöscht, war auf Helikopter-Bildern von Bild.de zu sehen. Am frühen Abend kam dann die Entwarnung: Der einminütige Dauerton der Sirenen bedeutete das Ende der Gefahrenlage.

Warnung vor Rauchwolke

Die Feuerwehr und die Currenta-Führung warnten vor der Rauchwolke. Man könne nicht ausschließen, dass Giftstoffe freigesetzt wurden. Standortleiter Lars Friedrich von Currenta: „Es haben Lösungsmittel gebrannt, chlorierte Lösungsmitte gebrannt. Genaue Analysen liegen noch nicht vor. Deshalb haben wir die Warnlage nicht zurückgenommen“. Im Moment könne man nichts ausschließen, sagte Friedrich. Eine genaue Analyse der Rauchwolke gibt es bisher nicht; das könne laut Friedrich auch einige Tage dauern. Bürgerinnen und Bürger sind deshalb weiterhin angehalten, im Haus zu bleiben und verdächtige Niederschläge zu melden, da diese chemische Stoffe binden könnten.

Friedrich zufolge waren drei Tanks betroffen, in denen sich Lösungsmittel – Produktionsabfälle der Chemparkkunden – mit einem Füllgrad von 200 bis 300 Kubikmetern je Tank befanden. Wie viel davon verbrannt sei, werde noch ermittelt. Das Löschwasser sei aufgefangen worden.

Wegen der Schadenslage ist die viel befahrende Autobahn 1 bei Leverkusen gesperrt worden. Von der Vollsperre betroffen seien das Autobahnkreuz Leverkusen-West sowie die A1 zwischen dem Autobahnkreuz Leverkusen und Köln-Nord.

Currenta ist Betreiber des so genannten Chemparks mit drei Standorten in Leverkusen, Dormagen und Krefeld-Uerdingen – eines der größten Chemie-Areale in Europa. Mehr als 70 Unternehmen sind dort angesiedelt, darunter auch die Dax-Konzerne Covestro und Bayer oder auch Lanxess und Air Liquide. 2019 hatten Bayer und Lanxess ihre Anteile an Currenta mit rund 3.300 Mitarbeitern an eine Infrastruktur-Investmentgesellschaft der australische Bank Macquarie verkauft.