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Hausunterricht bei Fundi-Christen unter der Lupe

28.07.2021 • 20:51 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Jonathan Anselm, Pastor der „Gemeinde Gottes“ in Dalaas.<span class="copyright">Hartinger</span>
Jonathan Anselm, Pastor der „Gemeinde Gottes“ in Dalaas.Hartinger

Betreibt „Gemeinde Gottes“ in Dalaas eine nicht angemeldete Privatschule?

Die Freikirche „Gemeinde Gottes“, die sich 2009 im Dalasser Ortsteil Wald am Arlberg ansiedelte, ist in der Corona-Zeit in den Fokus der Behörden geraten. Gegen den Pastor und Gemeindeverantwortlichen, Jonathan Anselm, liefen mehrere Verfahren, weil er etwa trotz des Versammlungsverbotes religiöse Versammlungen abhielt. Aber auch die Art und Weise, wie die Kinder der Gemeinde unterrichtet werden, wirft immer mehr Fragen auf.
Die Mitglieder der „Gemeinde Gottes“ leben sehr zurückgezogen, stützen ihren Glauben ausschließlich auf die Bibel, lehnen die Evolutionstheorie ab und bezeichnen öffentliche Schulen als „Werkstätten des Teufels“. Noch zu Beginn dieses Jahres war auf ihrer Webseite von einer „Privaten Christlichen Schule“ zu lesen. Die Glaubensgemeinschaft hatte diese Einrichtung jedoch nie angemeldet. Heimunterricht fand – wenn überhaupt – nur in der Zeit während des Lockdowns statt. Die Bildungsdirektion wies die „Gemeinde Gottes“ deshalb bereits im November 2020 darauf hin, dass bis April 2021 ein Antrag auf Anerkennung einer Privatschule nichtöffentlichen bzw. öffentlichen Rechts eingereicht werden müsse. Die „Gemeinde Gottes“ ließ die Frist allerdings verstreichen, ohne ein entsprechendes Ersuchen zu stellen.

Rechtliche Vorgaben prüfen

Auch Pastor Anselm bestätigt, dass kein Antrag auf Errichtung einer Privatschule eingereicht wurde. „Die Kinder sind derzeit im Hausunterricht“, versichert er. Dass zu einem späteren Zeitpunkt eine offizielle Privatschule gegründet wird, will er nicht ausschließen. „Aber erstmal ist es uns lieber, dass es so bleibt wie es ist.“
Die Bildungsdirektion wird im nächsten Schuljahr überprüfen, ob die rechtlichen Vorgaben auch tatsächlich eingehalten werden. „Die genauen Regelungen zum häuslichen Unterricht wurden den Verantwortlichen nochmals mitgeteilt, teilt Pressesprecherin Elisabeth Mettauer-Stubler auf NEUE-Anfrage mit. Die Anmeldung einer Privatschule ist erforderlich, wenn mehrere Kinder aus unterschiedlichen Haushalten gemeinsam an einem Ort unterrichtet werden. Der Lehrplan muss in diesem Fall mit jenem an gleichartigen öffentlichen Schulen übereinstimmen.

Unterrichts- statt Schulpflicht

Die „Gemeinde Gottes“ übersiedelte nach Vorarlberg, nachdem ihre nicht anerkannte Privatschule in Deutschland behördlich zugesperrt worden war. Hausunterricht, wie ihn bibeltreue Christen für richtig halten, ist in Deutschland untersagt – die Verfassungen der Bundesländer sehen eine allgemeine Schulpflicht vor.
In Österreich gibt es im Gegensatz dazu nur eine Unterrichtspflicht. Das heißt, jeder kann seine Kinder selbst unterrichten. Die Kinder müssen allerdings von der 1. Klasse Volksschule bis zum Ende der Pflichtschulzeit – nach der 9. Schulstufe – am Ende des Schuljahres an einer öffentlichen Schule eine Externistenprüfung über den Unterrichtsstoff absolvieren. Im Fall der Kinder der „Gemeinde Gottes“ gab es diesbezüglich noch keine Beanstandungen. Die privat unterrichteten Schüler hätten durchwegs gut abgeschnitten, heißt es.