Allgemein

Selbstüberschätzung als größte Gefahr

28.07.2021 • 20:51 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Bergsteiger auf dem 2416 Meter hohen Karhorn in Warth.  <span class="copyright">Philipp Steurer</span>
Bergsteiger auf dem 2416 Meter hohen Karhorn in Warth. Philipp Steurer

Um von Bergtouren wieder sicher heim zu kommen, gilt es einiges zu beachten.

Derzeit lädt das Wetter nicht unbedingt zu Bergtouren ein. Das hält aber nicht alle davon ab, sie dennoch zu unternehmen. So musste am vergangenen Wochenende eine fünfköpfige Gruppe im Montafon aus einer Wand geholt werden, weil sie von einem Gewitter und Regen überrascht worden war (die NEUE berichtete). Zum Glück gab es keine Verletzten.

Das Wetter ist denn auch einer der zentralen Aspekte bei einer Wanderung in den Bergen, wie Klaus Drexel von der Bergrettung Dornbirn und Sprecher der Bergrettung Vorarlberg erklärt. Prinzipiell verweise man in Hinblick auf Risikominimierung bei Bergtouren immer auf den PEAK-Check: Planung („Was habe ich vor?“), Einschätzung („Ist diese Wanderung für mich geeignet?“), Ausrüstung („Habe ich das Richtige dabei?“) und Kontrolle („Bin ich noch gut unterwegs?“). Tipps gibt es auch vom Alpenverein.

Gruppengröße

Ich sollte wissen, wohin ich gehe, wie sich das Wetter entwickelt und was ich bei Schlechtwetter mache“, zählt der Bergretter einige Punkte auf. Wichtig sei auch die Gruppengröße – allein sollte man nicht gehen – und sich beim Wandern nach dem schwächsten Mitglied der Gruppe zu richten.

Weitere zentrale Aspekte für eine gelungene Bergtour seien die Einschätzung („Schaffe ich das?“), aber auch eine adäquate Ausrüstung, so Drexel weiter – und eine stetige Kontrolle, etwa auch ob sich das Wetter verschlechtere. Dazu kommen noch alpine Gefahren, darunter Altschneefelder und Steinschlag. Gerade Letzterer ist laut Experten aufgrund des Klimawandels häufiger geworden. Eine Aussage, ­die auch Drexels persönliche Einschätzung bestätigt. „Das Eis wird weniger und vor allem in der Silvretta kommt es vermehrt zu Steinschlag“, so die Erfahrungen des Bergretters.

“Ich sollte wissen, wohin ich gehe, wie sich das Wetter entwickelt und
was ich bei Schlechtwetter mache“

Klaus Drexel, Bergrettung

Das häufigste Risiko am Berg ist und bleibt aber der Mensch, beziehungsweise dessen Selbstüberschätzung. „Man mutet sich zu viel zu“, formuliert es Drexel. Gerade in den letzten Wochen habe man sehr viele Einsätze gehabt, weil die Leute nicht mehr weitergekommen seien. Da würden einfach Fehler in der Planung passieren.

Weniger Einsätze

Im letzten Sommer, als die Grenzen zu waren, habe man indes schon gespürt, dass weniger Touristen im Land seien, erzählt der Bergretter. Die Zahl der Einsätze ist heuer aber bislang zurückgegangen: So wurden im Vorjahr von 1. Juni bis 25. Juli 133 Bodeneinsätze gezählt – heuer waren es 118. Die Flugrettung war im selben Zeitraum im vergangenen Jahr 253 Mal im Einsatz, in diesem Jahr 225 Mal.

Klaus Drexel von der Bergrettung.       <span class="copyright">Bergrettung</span>
Klaus Drexel von der Bergrettung. Bergrettung

Man habe ursprünglich befürchtet, dass es durch die Corona-Pandemie mehr Einsätze geben werde, weil die Menschen viel nach draußen gehen, erzählt Drexel. Das sei dann allerdings glücklicherweise nicht so gekommen. Der Hubschrauber sollte indes nur angefordert werden, wenn Lebensgefahr besteht, informiert er. Zumal das Fluggerät ja nicht nur für die Bergrettung im Einsatz sei, sondern auch bei anderen Notfällen gebraucht werde. In den letzten zwei Wochen waren die Hubschrauber allerdings recht häufig unterwegs. Ein Grund dafür könnten auch die derzeitigen Ferien sein, mutmaßt Drexel.

Prinzipiell gebe es aber durchaus Hotspots, in denen die Bergrettung häufiger zum Einsatz komme als anderswo, so der Bergretter. Ein solcher Hotspot sei das Kleinwalsertal, was vermutlich mit dem dortigen sehr hohen Touristenaufkommen zu tun hat. Dorthin gehen viele Urlauber, um die Berge zu genießen – aus denen sie dann halt immer wieder mal geholt werden müssen.