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“Eines meiner ruhigsten Feuerbrand-Jahre”

02.08.2021 • 20:15 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Pilzkrankheiten setzen den Äpfeln heuer mehr zu als Feuerbrand.        <span class="copyright">Dietmar Stiplovsek</span>
Pilzkrankheiten setzen den Äpfeln heuer mehr zu als Feuerbrand. Dietmar Stiplovsek

Feuerbrand ist heuer kein größeres Problem, dafür Pilzkrankheiten.

Jedes Wetter hat seine Vor- und Nachteile“, bringt es Ulrich Höfert, Leiter des Bereichs Obstbau in der Landwirtschaftskammer Vorarlberg, wohl auf den Punkt. Ein gro­ßer Vorteil des heurigen Wetters liegt für Obstbäume darin, dass es kaum Feuerbrand-Neubefall gibt, berichtet der Experte. Es sei eher nur Altbefall, der vorhanden sei, zählt er einen der positiven Aspekte der bisher nicht gerade sommerlichen und ziemlich nassen Witterung auf.

Der Grund für den niedrigeren Feuerbrand-Befall sind aber nicht die aktuellen Temperaturen, sondern jene im Frühjahr, erklärt Höfert. Zur Zeit der Kernobstblüte verbreitet sich die gefährliche Pflanzenkrankheit nämlich am schnellsten – heuer war es dafür aber einfach zu kühl.

Obstbauexperte Ulrich Höfert von der Landwirtschaftskammer.       <span class="copyright">Neue-Archiv/Salmhofer</span>
Obstbauexperte Ulrich Höfert von der Landwirtschaftskammer. Neue-Archiv/Salmhofer

„Das Feuerbrand-Bakterium fängt bei 18, 19 Grad an sich zu vermehren“, informiert Höfert, „aber langsam.“ Erst bei höheren Temperaturen komme es zu einer schnelleren Vermehrung und warme Tage habe es im Frühjahr nur vereinzelt gegeben. „Im Großen und Ganzen ist heuer eines meiner ruhigsten Feuerbrand-Jahre“, bilanziert der Experte von der Landwirtschaftskammer. Und auch mit Schädlingen wie dem Apfelwickler habe man heuer verhältnismäßig wenig Probleme, erzählt Höfert.

„Bei den Äpfeln ist fast nichts“, bestätigt auch der Höchster Obstbauer und Obmann der Vorarlberger Obstbauern Jens Blum in Hinblick auf den Feuerbrand. Ein wenig anders schaue es bei den Birnen aus. Dort gebe es mehr als erwartet und auch Ausfälle, berichtet er.

Lang dauert es nicht mehr bis zur Ernte.                                   <span class="copyright"> Stiplovsek</span>
Lang dauert es nicht mehr bis zur Ernte. Stiplovsek

Der viele Regen in den vergangenen Wochen ist für die Obstbäume an sich bis jetzt nicht so dramatisch, sagt Blum. Spürbar sei aber, dass mehr Pilzkrankheiten auftreten. „Pilzkrankheiten lieben den Regen“, stellt auch Höfert fest. Mit dem Pflanzenschutz komme man hier kaum nach, berichtet Blum von seinen Erfahrungen.

Sehr schlecht sei derzeit auch die Befahrbarkeit der Böden, stellt der Höchster Obstbauer weiters fest, weil sie zu aufgeweicht sind. Abgesehen vom „Pilzdruck“ gehe es dem Kernobst derzeit aber recht gut. Beim Steinobst, etwa bei Zwetschgen, bestehe hingegen auch die Gefahr, dass sie aufgrund des feuchten und regnerischen Wetters verfaulen.

Obstbauer Jens Blum.                       <span class="copyright">Neue-Archiv/Klaus Hartinger</span>
Obstbauer Jens Blum. Neue-Archiv/Klaus Hartinger

„Ein durchwachsener Sommer ist eigentlich normal fürs Obst“, führt Blum weiter aus, „ein Traumbadewetter ist nicht so ideal.“ Prinzipiell sei das Wechselhafte gut, wobei, „so viel Regen bräuchte es nicht“, fügt er dann noch hinzu. Relativ gut verschont blieben die Vorarlberger Obstbauern heuer bis dato auch vom Hagel. Auch da habe es bisher nur kleinere lokale Schäden gegeben, informiert der Höchster.

Für die meisten Obstarten seien Temperaturen zwischen 20 und 25 Grad relativ günstig, informiert Höfert. Und: Insgesamt sei man hierzulande bis jetzt akzeptabel durchgekommen im Vergleich zu Hagel und Dürre im Osten Österreichs, resümiert er. Noch sei die Hagelsaison aber nicht vorbei, gibt er vorerst diesbezüglich noch keine Entwarnung. Dazu komme, dass sich heuer die Ernte nach hinten verschiebe und damit verlängere sich auch die Zeit, in der es noch zu Schäden kommen kann. Derzeit schaut es aber noch gut aus – bleibt zu hoffen, dass es so bleibt.

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