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Bisheriger Sommer war deutlich zu nass

03.08.2021 • 19:47 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
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Stiplovsek

Hitze gab es vor allem im Osten Österreichs. In Vorarlberg dominierte Regen.

Durchwachsen fällt die erste Zwischenbilanz dieses Sommers durch die Wetterexperten aus. Seit Beginn des meteorologischen Sommers am 1. Juni sei die Temperatur in Vorarlberg um etwa ein bis eineinhalb Grad Celsius wärmer gewesen als im Schnitt der 30-jährigen Klimanormalperiode von 1981 bis 2010, berichtet der Chefmeteorologe der Österreichischen Unwetterzentrale (www.uwz.at) Manfred Spatzierer. Zugleich hat es heuer deutlich mehr Regen gegeben als üblich. In Sachen Sonnenstunden fiel die Bilanz ausgeglichen aus.

Zweiteilung

In Österreich zeige sich bisher eine Zweiteilung, die so auch in Europa feststellbar sei, erklärte der Wetterexperte. So war es im Juni und Juli von Unterkärnten bis ins östliche Flachland um 2,5 bis 3,0 Grad wärmer als im Schnitt, während es im Westen nur knapp überdurchschnittliche Temperaturen gegeben habe. Zudem fiel im Süden und Osten teils weniger als die Hälfte der üblichen Regenmenge. Bei den Sonnenstunden wurden dagegen Zuwächse von 30 bis 40 Prozent verzeichnet.

“Neue Normalität”

Dies könne laut Spatzierer ein Vorgeschmack auf die „neue Normalität“ beim Wetter in Mitteleuropa sein. Zwar könne man die Häufung an verschiedensten Arten von Unwettern nicht direkt auf den Klimawandel schieben. „Was wir im Sommer aber immer öfter beobachten, ist, dass das Westwindband, das die ganze Nordhalbkugel umspannt und für wechselnd warmes und kühles Wetter sorgen sollte, deutlich schwächelt“, erläuterte der Wetterexperte. Das Band sei umso stärker je größer die Temperaturunterschiede zwischen Nordpol und Äquator seien. „Erwärmt sich der Pol schneller als der Äquator, geht dem Band der Treibstoff abhanden, es mäandriert, Wellen lösen sich ab und es kommt an ungewöhnlichen Orten zu bislang ungewöhnlichen Strömungsverhältnissen, die sich oft über Wochen nur geringfügig ändern. So kann es auch sein, dass Hitze und vergleichsweise kühles Wetter auf engstem Raum nebeneinander liegen“, bringt es der Wetterexperte auf den Punkt. Es gebe keinen Zweifel an der schnelleren Erwärmung der Pole, weswegen sich an dieser Charakteristik in den kommenden Jahren vermutlich kaum etwas ändern werde. Außer, dass immer wieder andere Orte von besonders heißen oder kühlen Wochen betroffen sein werden.

Nur Platz 50

Die Zweiteilung Österreichs zeigt sich auch in der Juli-Bilanz der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (Zamg). Im Südosten wurde der drittwärmste Juli in der Messgeschichte verzeichnet. In Vorarlberg liegt der heurige Juli jedoch nur auf Platz 50, berichtete Zamg-Klimatologe Alexander Orlik. Dies zeigt sich auch an der Zahl der Hitzetage, an denen mindestens 30 Grad Celsius erreicht werden. In der Landeshauptstadt Bregenz wurde bei der Zamg heuer im Juli kein einziger solcher Tag verzeichnet. Im Durchschnitt waren es in der Klimaperiode von 1991 bis 2020 dagegen 3,4. Der Rekordwert wurde im Juli 2015 erzielt, als das Thermometer die 30-Grad-Marke an 15 Tagen überstieg.

Keinen Hitzetag (mindestens 30 Grad Celsius) gab es heuer im Juli in Bregenz. <span class="copyright">APA</span>
Keinen Hitzetag (mindestens 30 Grad Celsius) gab es heuer im Juli in Bregenz. APA

Im Mittel war der Monat im Ländle um 0,5 Grad kühler als normalerweise. So verwundert es nicht, dass die Orte mit der österreichweit höchsten negativen Abweichung vom Temparaturschnitt im Juli allesamt in Vorarlberg liegen. So wurde in Bregenz eine Durchschnittstemperatur von 18,8 Grad Celsius erreicht – um 0,9 Grad weniger als das Mittel aus den Jahren 1991 bis 2020. Dahinter folgten mit Fraxern (17,2 Grad/-0,8 Grad) und Feldkirch (18,8 Grad/-0,7 Grad) ebenfalls zwei Vorarlberger Orte.

72 Prozent mehr Niederschlag

Umgekehrt war die Lage in Sachen Niederschlag. Der Juli brachte heuer in Vorarlberg um 72 Prozent mehr Niederschlag als im langjährigen Mittel. Alberschwende war mit 359 Liter Regen pro Quadratmeter (bis inklusive 29. Juli) der nasseste Ort Österreichs. In Gänserndorf in Niederösterreich, dem trockensten Ort im Juli, fielen dagegen nur 35 Liter pro Quadratmeter.

Heftige Regenfälle erwartet

Der Ausblick auf die ersten Tage im August fällt gemäß der Wetterprognosen vorerst ebenfalls eher trüb aus. Zudem warnt beispielsweise das Land vor größeren Regenmengen, die zwischen heute Nachmittag und Morgen Früh erwartet werden. Vom Montafon über den Arlberg und Hinterwald bis ins Kleinwalsertal könnten bis zu 60 Liter pro Quadratmeter fallen. Im Großteil Vorarlbergs dürften es zwischen 20 und 40 Liter sein. Es wird daher vor Vermurungen und Hangrutschungen sowie Überflutungen gewarnt.

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