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Waldbrände im Ländle nehmen seit Jahren zu

04.08.2021 • 19:59 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Viele Waldbrände, wie jener in Rankweil im April 2020, werden gelöscht, bevor sie sich groß ausbreiten können.<br><span class="copyright">Mathis</span>
Viele Waldbrände, wie jener in Rankweil im April 2020, werden gelöscht, bevor sie sich groß ausbreiten können.
Mathis

Ursache ist meist menschliches Fehlverhalten.

Momentan macht sich wohl niemand in Vorarl­berg Sorgen um Waldbrände, doch ihre Zahl nimmt kontinuierlich zu und könnte weiter steigen, wenn die aktuellen Klimaprognosen Recht behalten. Sollten die Maßnahmen zum Klimaschutz nicht verstärkt werden, könnten ab 2050 auch in Österreich die Niederschlagsmengen zurückgehen, erklärt Mortimer Müller vom Institut für Waldbau an der Universität für Bodenkultur Wien (Boku)auf NEUE-Anfrage.

Durch den Klimawandel werde es zwar generell wärmer, die Auswirkungen auf die Niederschläge seien aber komplexer. In den nächsten 20 bis 30 Jahren rechne man noch mit konstanten Mengen, danach werde es nach den aktuellen Berechnungen aber trockener. Davon wäre auch Vorarlberg betroffen, das derzeit von Regenschauern getränkt wird, die regelmäßig mit Tiefdruckgebieten vom Atlantik hereinziehen. Die zunehmende Trockenheit würde aber nicht nur mehr Sonnenschein, sondern auch eine erhöhte Waldbrandgefahr mit sich bringen.

Die meisten Brände im Frühjahr

Waldbrände werden aufgrund der medial berichteten Groß­ereignisse in Südeuropa oft mit dem Sommer in Verbindung gebracht, sind aber besonders hierzulande nicht auf diesen beschränkt. Die im Internet verfügbare Waldbrand-Datenbank der Boku zeigt, dass es statistisch im Frühjahr sogar deutlich häufiger brennt. Der Monat mit den im Schnitt meisten Waldbränden in Österreich ist der April, mit 933, gefolgt vom Juli mit 599 Feuern seit 1993. Im Dezember brannte es in den vergangenen 28 Jahren hingegen bundesweit nur 97-mal und damit am seltensten. Neben den Niederschlägen spielt auch der Wind eine Rolle bei deren Ausbreitung.

In Vorarlbergs Wäldern brennt es im Schnitt alle drei Monate einmal. Vier der sechs Großbrände seit 1993 entfielen auf das vergangene Jahrzehnt. So mussten in Schruns 2011 neun Feuerwehren mit 200 Mann ausrücken, um einen Hektar großen Waldbrand zu löschen. In Götzis brannte 2015 ein Hektar, in Nüziders 2018 1,4 Hektar Wald. In Sonntag waren 2014 sogar zehn Wehren mit 210 Kräften im Einsatz, um den größten Waldbrand des Jahrzehnts mit knapp 5,5 Hektar Fläche zu bekämpfen. Der größte von der Boku registrierte Brand verwüstete in Schoppernau 1998 15 Hektar an Baumbestand.

Rekordjahre im Jahrzehnt

In Niederösterreich habe es heuer bereits einen acht Hektar umfassenden Brand gegeben, das sei für österreichische Verhältnisse bereits groß, so Müller. Im Mittelmeerraum wäre aber auch das ein eher kleiner Waldbrand. In den vergangenen Jahrzehnten hat die Zahl der Waldbrände in Vorarlberg aber kontinuierlich zugenommen. Zwischen dem Beginn der Aufzeichnungen 1993 und dem Jahr 2001 wurden nur fünf Waldbrände gezählt. In den darauf folgenden zehn Jahren waren es bereits 36 Brände. Von 2011 bis dato brannte es 84 mal.
Zwischen Jahren mit wenigen Feuern gab es einige signifikante Waldbrandjahre. So musste 2011 17-mal Alarm gegeben werden, häufiger als in den drei Vorjahren zusammengerechnet. Die meisten Waldbrände der vergangenen zwei Jahrzehnte trafen das Ländle jedoch 2018. In diesem Jahr mussten die Feuerwehren 23-mal ausrücken, um im Forstbereich zu löschen. Das letzte Jahr ohne Waldbrand war 2002.

Mensch als Hauptverursacher

Den großen Waldbränden der vergangenen Jahre war gemeinsam, dass sie keine natürlichen Ursachen hatten. Seit Beginn der Aufzeichnungen war der Mensch als absichtlicher oder fahrlässiger Brandstifter für 91,9 Prozent der Waldbrände im Land verantwortlich, bundesweit waren es 81,5 Prozent.
Heuer gab es abseits des verregneten Sommers zwei Waldbrände im Frühjahr: In Egg galt es im Februar einen Kleinbrand von zehn Quadratmetern zu löschen. Im besonders trockenen April brannten in Langen bei Bregenz aber immerhin 300 Quadratmeter Wald.

In Vorarlberg sind mehr als ein Drittel der Landesfläche bewaldet. Damit kamen in den vergangenen 28 Jahren statistisch 1,3 Waldbrände auf 1000 Hektar Wald. Der Bundesdurchschnitt lag bei 1,1 Bränden. Am besten schnitt Salzburg mit 0,6 und am schlechtesten Wien mit fünf Bränden pro 1000 Hektar ab.
Bei den abgebrannten Flächen führt ebenfalls Wien, wo seit 1993 zwei von 1000 Hektar Wald verbrannt sind. Die dicht besiedelte Hauptstadt leidet unter menschgemachten Feuern in der Natur. In Vorarlberg brannten hingegen nur 0,4 und in Oberösterreich, Salzburg und der Steiermark gar nur 0,2 von 1000 Hektar.

Planen für die Zukunft

Seit Jahresmitte hat die Waldbrandgefahr in ganz Österreich aufgrund der starken Regenfälle abgenommen. Die Zamg weist für das gesamte Bundesgebiet derzeit eine geringe Waldbrandgefahr aus. Aufgrund der ungleich verteilten Niederschläge habe es bei den registrierten Bränden heuer ein Ost-West-Gefälle gegeben, erklärt Mortimer Müller. Seit Juli gebe es aber überall nur noch Kleinbrände.

In der Forststrategie des Landes aus dem Jahr 2018 spielen Waldbrände noch gar keine Rolle. Langfristig beginnt man sich aber auch in Vorarlberg auf trockenere und damit leichter entzündliche Wälder einzustellen. Die Stadt Dornbirn will nun die Expertise der Boku in Wien nutzen, um ihren Waldfachplan dahingehend zu aktualisieren.

Ursprünglich hieß es im Artikel in Sonntag wären 55 und in Schoppernau 150 Hektar Waldfläche abgebrannt, es waren natürlich 5,5 und 15 Hektar.