Allgemein

Kein ernsthafter Plan für Mord an Joggerin

05.08.2021 • 19:58 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der Erstangeklagte beim Prozess. <span class="copyright">Lerch</span>
Der Erstangeklagte beim Prozess. Lerch

19- und 20-Jähriger im Zweifel von verbrecherischem Komplott freigesprochen.

Mit Whatsapp-Nachrichten vereinbarten der 19-jährige und der 20-Jährige nach d

Mit Whatsapp-Nachrichten vereinbarten der 19-Jährige und der 20-Jährige nach den gerichtlichen Feststellungen im März, am nächsten Abend am Bodensee zwischen Bregenz und Hard eine Joggerin zu ermorden, sollte sich das Zufallsopfer bei der Vergewaltigung wehren.
Richter Dietmar Nußbaumer bezweifelte aber die Ernsthaftigkeit ihres gemeinsamen Mordplans. Deshalb sprach er die arbeitslosen Angeklagten am Donnerstag am Landesgericht Feldkirch im Zweifel vom Vorwurf des verbrecherischen Komplotts frei. Damit blieb dem von Andrea Concin verteidigten 20-Jährigen auch eine Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme, zur Tatzeit zurechnungsfähige Rechtsbrecher erspart.

Urteil wegen Kinderpornographie

Wegen pornografischer Darstellung von Minderjährigen und Sachbeschädigung wurde der unbescholtene 19-Jährige zu einer bedingten, nicht zu verbüßenden Haftstrafe von acht Monaten verurteilt. Nach Ansicht des Richters hat der Zweitangeklagte Kinderpornografie besessen und mit einem Messer in Dornbirn den Reifen eines abgestellten Fahrrads aufgeschlitzt. Der in Vorarlberg lebende Deutsche muss Bewährungshilfe in Anspruch nehmen und sich ­einer Psychotherapie unterziehen.
Das Urteil, das die Angeklagten akzeptierten, ist nicht rechtskräftig, denn Staatsanwalt Manfred Bolter nahm drei Tage Bedenkzeit in Anspruch. Nach der Gerichtsverhandlung wurde der 20-jährige Erstangeklagte aus der Untersuchungshaft, die er in einem psychiatrischen Spital verbrachte, in die Freiheit entlassen. Der Richter riet dem Vorbestraften, sich weiter psychiatrisch betreuen zu lassen.

Der Erstangeklagte wurde aus der U-Haft vorgeführt. <span class="copyright">Lerch</span>
Der Erstangeklagte wurde aus der U-Haft vorgeführt. Lerch

Mangel an Ernsthaftigkeit

Angesichts der schriftlichen Kommunikation spreche sehr vieles, aber eben nicht genug für das Vorliegen eines ernsthaften gemeinsamen Mordplans, sagte Richter Nußbaumer in seiner Urteilsbegründung.
Im Zweifel sei davon auszugehen, dass sich die Angeklagten in ihren Gewaltfantasien gegenseitig aufgeschaukelt hätten. Sonst hätte der 20-Jährige wohl nicht seinem Betreuer am Tag der verabredeten Gewalttaten vom Mordplan erzählt. Der Betreuer habe dann das Strafverfahren ins Rollen gebracht.
Die Angeklagten sagten, sie hätten nie ernsthaft eine Vergewaltigung und einen Mord geplant.
Das Strafgesetzbuch sieht für einen verbrecherischen Komplott mit einer gemeinsamen Verabredung zu einem Mord, einem Raub oder einer Entführung sechs Monate bis fünf Jahre Haft vor. Verteidigerin Concin kritisierte, dass eine Verabredung zu einer Vergewaltigung nicht bestraft werde.

Du hast einen Tipp für die NEUE Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@neue.at.