Allgemein

Frau verleumdete Schwager als Betrüger

06.08.2021 • 20:34 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die Angeklagte täuschte vor, Opfer eines Betrugs beim Onlinebanking geworden zu sein. <span class="copyright">Symbolbild/apa</span>
Die Angeklagte täuschte vor, Opfer eines Betrugs beim Onlinebanking geworden zu sein. Symbolbild/apa

28-Jährige wollte Verluste beim Glücksspiel vertuschen.

Wie kommt man auf so eine Idee?“, fragte Richter Dietmar Nußbaumer. Aus Dummheit und wegen ihrer Spielsucht, antwortete die reumütig geständige Angeklagte. Deshalb habe sie mit ihrer Strafanzeige im September 2020 bei einer Polizeiinspektion vorgetäuscht, Opfer eines Betrugs beim Onlinebanking geworden zu sein. Dabei hat sie ihren Schwager bewusst wahrheitswidrig als möglichen Betrüger bezichtigt. Damit wollte die 28-Jährige aus dem Bezirk Bludenz nach eigenen Angaben vertuschen, dass sie wieder Geld mit Glücksspiel verspielt hat, dieses Mal 950 Euro.

Ohne Verteidiger beim Prozess

Mit ihren vor der Polizei zu Protokoll gegebenen Lügen hat die ledige Mutter eines kleinen Kindes gleich vier Straftaten begangen: Vortäuschung einer Straftat, falsche Zeugenaussage vor der Polizei, Verleumdung ihres Schwagers, versuchter Betrug an ihrer Hausbank. Dafür wurde die unbescholtene Angeklagte bei der Hauptverhandlung am Landesgericht Feldkirch zu einer bedingten, nicht zu verbüßenden Haftstrafe von drei Monaten verurteilt. Die Probezeit für die Bewährungsstrafe beträgt drei Jahre. Das milde Urteil wurde von der Angeklagten und Staatsanwältin Karin Dragosits schon am Ende der Verhandlung akzeptiert. Die Entscheidung ist aber noch nicht rechtskräftig, weil die Angeklagte automatisch drei Tage Bedenkzeit erhielt, da sie ohne Verteidiger zum Strafprozess erschienen ist. Die mögliche Höchststrafe wäre drei Jahre Gefängnis gewesen. Die Angeklagte wurde dazu verpflichtet, Bewährungshilfe in Anspruch zu nehmen. Sollte sie das nicht tun, könnte die Haftstrafe doch noch vollzogen werden, wurde sie vom Strafrichter ermahnt.

Die 28-Jährige wurde am Landesgericht Feldkirch schuldig gesprochen. <span class="copyright">Symbolbild/Hartinger</span>
Die 28-Jährige wurde am Landesgericht Feldkirch schuldig gesprochen. Symbolbild/Hartinger

Sie habe keine andere Ausrede zum Kaschieren ihrer Spielsucht mehr gefunden als den erfundenen Betrug, berichtete die Angeklagte vor Gericht. „Ich kenne mich so gar nicht“, sagte die 28-Jährige und begann zu weinen. Sie habe sich sofort nach dem Auffliegen ihrer Straftaten einer Psychotherapie unterzogen. Dass sich die Angeklagte mit der Spielsucht als Ursache ihrer strafrechtlichen Probleme auseinandergesetzt habe, wertete der Richter als einen der Milderungsgründe.

Wieder eine Gesprächsbasis

Besonders verwerflich sei, dass die Angeklagte ihren Schwager als möglichen Netbankingbetrüger namentlich angegeben habe, merkte Staatsanwältin Dragosits an. Dazu sagte die Angeklagte, sie habe sich inzwischen bei ihrem Schwager entschuldigt und mit ihm wieder eine Gesprächsbasis.

Du hast einen Tipp für die NEUE Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@neue.at.