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Athleten bekommen Pferde im Fünfkampf zugelost

07.08.2021 • 16:44 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Annika Schleu weinend auf "Saint Boy"
Annika Schleu weinend auf “Saint Boy” GEPA pictures

Zum besseren Verständnis der Ereignisse gibt es hier die Regeln der Sportart.

Die Aufregung rund um die deutsche Moderne Fünfkämpferin Annika Schleu, die in Tokio im Kampf um Gold verzweifelt mit der Gerte auf das verängstigte Pferd einschlug, ist groß. “Saint Boy” hatte im Reit-Parcours mehrfach verweigert, für die verzweifelte Schleu schaute am Ende statt Gold nur der 31. Rang heraus. Zudem wurde Bundestrainerin Kim Raisner, die Schleu mit den Rufen “Hau mal richtig drauf! Hau drauf!” anfeuerte und später selbst das Pferd schlug, von der Olympia-Konkurrenz ausgeschlossen.

Warum das Gespann Schleu und “Saint Boy” nicht zusammenpasste, lässt sich auch mit den Regeln des Modernen Fünfkampfs erklären. So handelt es sich dabei nicht um das eigene Pferd – die Pferde für den Wettkampf werden vom Veranstalter gestellt und den Athleten erst 20 Minuten vor dem Wettkampf zugelost.

Zum besseren Verständnis hier die Regeln der einzelnen Disziplinen des Modernen Fünfkampfs im Überblick:

Degenfechten: In der Platzierungsrunde (englisch Ranking Round) fechtet jeder gegen jeden („Round Robin System“); ein Treffer genügt zum Sieg innerhalb einer Minute, sonst Doppelniederlage. 70 Prozent der erreichbaren Siege ergeben 250 Punkte. Die Punktzahl für jeden Sieg mehr oder weniger ist in einer Tabelle festgelegt (bei 36 Teilnehmern, wie bei Olympischen Spielen üblich, sind dies ± 6 Punkte pro Sieg oder Niederlage). Seit 2015 wird eine zusätzliche Bonusrunde nach dem sogenannten Leiter-System durchgeführt. Hierbei tritt der Letztplatzierte nach der Platzierungsrunde gegen den Vorletzten an. Der Sieger erhält einen Bonuspunkt und tritt danach gegen den Drittletzten an. Dieses Leiter-System wird bis zum führenden Athleten der Platzierungsrunde fortgeführt. Der jeweils siegreiche Athlet bleibt stets auf der Fechtbahn. Gewinnt der bestplatzierte Athlet seinen (einzigen) Kampf, erhält er zwei Bonuspunkte.

Schwimmen: 200 m Freistilschwimmen. Eine Zeit von 2:30 Minuten ergibt 250 Punkte. Jede Sekunde darunter oder darüber bedeutet zwei Punkte mehr oder weniger. Bis zu den Weltmeisterschaften 1997 in Sofia betrug die Wettkampfdistanz 300 m Freistil.

Springreiten: Durchreiten eines 350 bis 400 m langen Parcours mit 12 bis 15 Hindernissen. Dabei werden die Pferde vom Veranstalter gestellt und den Athleten 20 Minuten vor dem Wettkampf zugelost. Ein fehlerfreier Ritt ergibt die Maximalpunktzahl von 300 Punkten. Pro Abwurf werden jeweils sieben, pro Verweigerung oder Sturz werden jeweils 10 Punkte abgezogen. Beendet ein Teilnehmer den Parcours nicht, muss er vier Verweigerungen oder zwei Stürze hinnehmen, erhält er 0 Punkte („Elimination“).

Combined (3-km-Querfeldeinlauf/Pistolenschießen): Seit 2009 wird das Schießen zusammen mit dem Querfeldeinlauf als Kombinationsdisziplin (Combined) ausgetragen. Als letzte der fünf Disziplinen wird mit Handicap-Start gestartet, der Vorsprung wird anhand der Punkte umgerechnet (1 Punkt = 1 Sekunde). Wer als erster die Ziellinie passiert, ist der Sieger des Modernen Fünfkampfes. Ursprünglich schossen die Athleten mit der Luftpistole auf biathlonähnliche Klappscheiben oder ein elektronisches Ziel mit einem Durchmesser von 59,5 Millimetern in einer Entfernung von 10 Metern. Anlässlich des Worldcups in Rancho Mirage, Kalifornien, USA (im Februar 2011) wurde erstmals bei einem großen internationalen Wettkampf mit Laserpistolen geschossen. Seit der Wettkampfsaison 2013 werden vier Serien geschossen: kurz nach dem Start und nach 800 m, 1600 m und 2400 m des Querfeldeinlaufs. Eine Serie ist beendet, sobald der Athlet entweder fünf Treffer erzielt hat oder, falls er diese nicht erzielt hat, 50 Sekunden verstrichen sind (bis zur Wettkampfsaison 2012 waren es 70 Sekunden); dann darf der Lauf fortgesetzt werden. Eine Zeit von 13:20 Minuten ergibt hier 500 Punkte. Jede Sekunde darüber oder darunter ergibt einen Punkt mehr oder weniger.

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