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“Man darf keine Sekunde nachlassen”

07.08.2021 • 14:47 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Mike Leitner
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KTM-Teammanager Mike Leitner unter anderem über die bisherige MotoGP-Saison.

Die Sommerpause in der MotoGP ist vorbei. Die Saison hat für KTM nicht ganz nach Wunsch begonnen. Welches Resümee zieht KTM nach neun Rennen, vor dem Spielberg-Doppel?
MIKE LEITNER: Nun, man weiß, wie hart umkämpft diese Klasse ist. Wir haben nicht dort anschließen können, wo wir 2020 aufgehört haben. Wir mussten uns viel Neues überlegen. Die Top 5 werden einem halt nicht geschenkt. Bis Mugello haben wir die Performance aber drehen können. Da wurde Miguel (Anm. d. Red.: Oliveira) Zweiter, Brad (Binder) Fünfter. Es gibt immer Baustellen. Jetzt wollen wir schauen, wie das Kräfteverhältnis nach der Sommerpause aussieht, wo wir uns einfädeln können.

Was waren die entscheidenden Faktoren, die das Team wieder zur Spitze geführt haben?
LEITNER: Es sind mehrere Faktoren. Beispielsweise die Reifen, die wir nicht direkt beeinflussen können. Da müssen wir alle das nehmen, was wir vom Hersteller bekommen. Unser favorisierter Reifen des Vorjahres wurde aus dem Menü genommen. So haben wir erst unser Chassis ändern und dem neuen Vorderreifen anpassen müssen. Aber wir haben den richtigen Weg gefunden. So eine Fahrwerksanpassung geht halt nicht über Nacht. Mit der neuen Benzinfirma haben wir die Zusammenarbeit intensiviert. Dazu haben wir etwas mehr Leistung gefunden. Man darf einfach nicht eine Sekunde nachlassen.

Die Fahrerpaarung mit Oliveira und Binder funktioniert hervorragend. Mit Dani Pedrosa hat man dazu einen Weltklassefahrer als Test- und Entwicklungspiloten. Wie viel Anteil hat der Spanier an der Leistungssteigerung?
LEITNER: Dani ist unglaublich wertvoll. Ohne ihn hätten wir die rasche Vorwärtsentwicklung innerhalb der letzten vier Jahre gar nicht bewerkstelligen können. Es kommen ja aus dem Werk, von unseren Ingenieuren, viele Ideen. Und dann ist es ein riesiger Vorteil wenn du einen Mann wie Dani an deiner Seite hast, der nach zwei, drei Runs schon sagen kann: vergesst das! Da macht er einen Superjob. Wenn wir Entwicklungen vom Testteam ins Rennteam übertragen, brauchen wir auch sehr starke Fahrer. Und ich kann sagen, dass fast alles, was Dani gefällt, auch von Miguel und Brad für gut befunden wird. Damit können wir Entwicklungsschritte viel schneller vollziehen.

In Spielberg bekommt Pedrosa eine Wildcard, er fährt auch in den Rennen. Grundsätzlich soll er Entwicklungsarbeit leisten. Er ist aber auch Rennfahrer, der gut abschneiden will. Ein Problem?
LEITNER: Nun, er wird sicher seine Rennen fahren. Top-Platzierungen hat er nicht im Visier. Er ist ja schon vier Jahre kein MotoGP-Rennen mehr gefahren. Aber er findet bestimmt auch im Rennen unsere Stärken und Schwächen, wo man noch an den Stellschrauben drehen könnte. Wir haben ihm gesagt, genieße das Wochenende und fahre die Rennen.

Mit den Piloten hat es ja immer funktioniert. Nicht ganz aufgegangen ist das Engagement von Danilo Petrucci im Tech-3-Team?
LEITNER: Da muss man das Gesamtbild betrachten. Durch den Abgang von Pol Espargaro haben wir reagieren müssen. Danilo ist ein erfahrener Mann. Dass er nicht mehr der jüngste, nicht der leichteste ist, war uns auch klar. So ein Projekt besteht eben aus vier Fahrern und man sieht auch bei anderen Teams, dass nicht immer alle top performen. Unterschätzen darf man so ein Engagement natürlich nicht. Danilo ist für einige andere Marken gefahren, hat viel eingebracht. So kann man nicht sagen, dass das alles schlecht ist.

Experten glauben, dass bei den Spielberg-Wochenenden die Farben Rot und Orange dominierend sein werden. Da können sich ja die KTM-Fans schon freuen?
LEITNER: Ich hoffe, dass sie alle Recht haben. Nein, jedes Wochenende beginnt für mich immer bei Null. Ich bin da mit Prognosen sehr vorsichtig. In Mugello glaubten alle, das Podium wird voll mit Ducati-Fahrern sein, dann war es nicht ein einziger. Nicht weil sie kein gutes Motorrad hätten oder keine guten Fahrer. Aber bei jedem Rennen muss einfach alles stimmen, um aufs Podium fahren zu können. Wir kommen nach Spielberg wie zu jedem anderen Rennen. Wir werden unser Bestes geben. Und am Ende schauen wir, was heraus kommt…

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