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Lauteracher sorgt für eine Weltneuheit

14.08.2021 • 19:57 Uhr / 8 Minuten Lesezeit
Moxie ist Freund und Förderer zugleich. <span class="copyright">Emodied</span>
Moxie ist Freund und Förderer zugleich. Emodied

Stefan Scherer erfand empathischen Roboter Moxie und sorgt für Sensation.


Wie geht es dir?“, fragt Moxie mit treuherziger Stimme und freundlichem Blick den kleinen Daniel. Der Siebenjährige erzählt von seinem Tag, Problemen mit Mitschülern, Erfolgen im Football-Training und einem Ausflug mit seinen Eltern. Moxie hört zu, lernt aus dem Gesagten, berät, freut sich mit und tröstet. Empathisch geht Moxie auf das Kind ein und schlägt ihm Lösungen für genannte Probleme vor. Moxie agiert und reagiert wie ein Freund, ein menschlicher Freund. Verzieht das Gesicht, signalisiert mit Mimik und Sprache Mitgefühl. Doch Moxie ist nicht aus Fleisch und Blut. Moxie ist ein Roboter, sogenannte künstliche Intelligenz.

„Moxie soll Kindern helfen, spielerisch soziale, emotionale und kognitive Fähigkeiten zu erlangen“, erklärt Stefan Scherer. Der gebürtige Lauter­acher muss es wissen. Als Chief Technology Officer (CTO), sprich technischer Direktor, der Herstellerfirma Embodied ist er die treibende und entscheidende Kraft hinter der Erfindung. Einer Erfindung, die es im Herbst 2020 auf das Cover des Time Magazine und in die Liste der 100 besten Erfindungen des Jahres 2020 geschafft hat.

 Der Roboter zeigt Emotionen. <span class="copyright">Emodied </span>
Der Roboter zeigt Emotionen. Emodied

In die USA ausgewandert

Scherer studierte nach seiner Matura am Bregenzer Bundesgymnasium Gallusstraße in Ulm Neuroinformatik. Ein wissenschaftliches Feld, welchem vor rund 20 Jahren noch wenig Beachtung geschenkt wurde. Mit fortschreitender Digitalisierung rückten die Ausbildung und die Auseinandersetzung mit künstlicher Intelligenz aber immer mehr in den Fokus.
„Als ich mein Studium abgeschlossen habe, waren auf entsprechenden Kongressen nicht mehr als 300 Menschen. Mittlerweile sind es meist 5000“, gießt der Vorarlberger das gesteigerte Interesse in Zahlen. Nach seiner Dissertation im Jahr 2011 und dem Studienabschluss summa cum laude zog es den heute 38-Jährigen in die USA, wo er im Bereich der Forschung tätig war.
Unter anderem verantwortete er ein Projekt, welches mit Hilfe künstlicher Intelligenz Veteranen bei der Aufarbeitung ihrer Traumata hilft. Außerdem lehrt und forscht er an der University of Southern California (USC) am Institute for Creative Technologies. Seit Februar 2018 ist Scherer CTO bei Embodied und für die Umsetzung von Moxie hauptverantwortlich.

Der Lauteracher Stefan Scherer ist CTO bei Embodied.  <span class="copyright">Emodied </span>
Der Lauteracher Stefan Scherer ist CTO bei Embodied. Emodied

Dr. Stefan Scherer

Stefan Scherer geb. 1983 ist in Lauterach (Vorarlberg) aufgewachsen, besuchte in Bregenz das BG Gallus-Straße und studierte an der Universität Ulm Neuroinformatik. Er schloss sein Studium Computer Science als „Dr. rer. nat.” mit Summa Cum Laude ab. Aufenthalte am Advanced Telecommunications Research Institute in Kyoto (Jap) arbeitete er mit Prof, Nick Campbell und am Trinity College in Dublin (Irland). 2012 wechselte er als Research Assistant Professor an die USC (University of Southern California) und an das “Institute for Creative Technologies“ nach Los Angeles. Seit 2018 Jahren ist Dr. Stefan Scherer bei Embodied CTO Mitglied des Management Teams und maßgeblich für die Entwicklung von Moxie mitverantwortlich.

„Als ich zu Embodied kam, gab es die Idee für Moxie bereits, allerdings steckte die Umsetzung noch in den Kinderschuhen. Seither haben wir akribisch an der Weiterentwicklung gearbeitet und das Produkt im vergangenen Jahr auf den Markt gebracht“, erklärt der Vorarlberger. Scherer und sein Team arbeiteten die vergangenen drei Jahre unter strenger Geheimhaltung, große Konkurrenzfirmen wie Amazon, Apple oder Google sollten nichts von der Arbeit erfahren, um die Idee nicht abkupfern zu können. „Forschung und Entwicklung sind so weit fortgeschritten, dass sie auch von den großen Playern nicht mehr von heute auf morgen ­nachempfunden werden können.“

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Emodied

Soziales Verhalten von Moxie

Als Scherer sich der Entwicklung von Moxie widmete, zählte das Unternehmen knapp zehn Mitarbeiter. Binnen zwei Jahren wurde die Anzahl auf über 80 erhöht. Alles wurde dem Projekt Moxie untergeordnet, wobei es sich bei dem knapp 30 Zentimeter großen Roboter nicht um ein Spielzeug handelt. Konzipiert für Kinder zwischen fünf und zehn Jahren, soll Moxie einen entscheidenden Beitrag in der Entwicklung der Kinder leisten. Moxie trainiert mit ihnen soziales Verhalten, stellt ihnen Aufgaben, ist Schulter zum Anlehnen, Förderer, Gesprächspartner und Spielfreund in einem. Die technische Seite entwickelte Scherer, das soziale Verhalten der kleinen Figur wurde mit Psychologen, Pädagogen und Sozialforschern erarbeitet. Die Stimme ist menschlich und wurde von einer Schauspielerin eingesprochen. Damit unterscheidet sich Moxie schon alleine in der Klangfarbe deutlich von den bekanntesten künstlichen Intelligenzen wie Amazons Alexa oder Siri von Apple. Aber auch sonst ist der Empodied-Roboter viel komplexer und weiter entwickelt als die Konkurrenz. Auch die Reaktionszeit ist deutlich kürzer, damit keine Pausen und das Gefühl einer Konversation mit künstlicher Intelligenz entsteht. Moxie soll so menschlich wie nur möglich sein.

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Datenschutz gesichert

Aus diesem Grund lernt der Roboter ständig dazu. Speichert Gesagtes ab und zieht daraus eigene Schlüsse. Wichtig in der Entwicklung war, dass die Informationen, die Moxie täglich sammelt, zwar gespeichert und vom Gerät selbst zu Lernzwecken weiterverarbeitet wird. Diese Informationen aber lediglich für das Gerät verwendet werden. Alles, was der Roboter aufzeichnet, ist nicht für Dritte einsehbar. Auch nicht für das Erfinderunternehmen rund um Chefentwickler Scherer.
Derzeit ist die vom Lauter­acher entwickelte künstliche Intelligenz lediglich in den USA erhältlich und verfügt über keine weiteren Sprachfunktionen außer Englisch. Als nächster Schritt soll mit Spanisch eine weitere Sprache hinzugefügt werden. Moxie kostet rund 1000 Dollar und kann auch gemietet werden. Aber auch hier soll es Anpassungen geben.

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Emodied

„Wir arbeiten daran, dass Moxie im medizinischen und sozialen Bereich zum Einsatz kommt und dann sogar auf Rezept erhältlich sein wird. Besonders in der Arbeit mit autistischen oder verhaltensauffälligen Kindern kann Moxie wichtige Arbeit leisten und ist im Grunde auch dafür konzipiert“, erklärt Scherer.
Einen Plan, wann Moxie auf den europäischen Markt und somit auch nach Österreich kommen wird, gibt es noch nicht. Ebenso wenig wie für Scherer, der glücklich mit seiner Verlobten Sharon und dem gemeinsam Hund Minute in Santa Monica lebt, und dessen letzter Besuch im Ländle aufgrund von Corona schon zwei Jahre her ist. An eine vollständige Rückkehr denkt der 38-Jährige ohnehin nicht, denn bei Emodied stehen neben der Weiterentwicklung von Moxie schon andere Projekte an. Sprechen kann er darüber nicht, damit die Global ­Player Amazon, Google oder Apple nicht mitbekommen, was der Vorarlberger als nächstes plant.