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Siemens liefert Ersatz für „Talent 3“

17.08.2021 • 20:35 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Der "Desiro ML" von Siemens ist andernorts in Österreich schon als "ÖBB Cityjet" unterwegs. <span class="copyright">ÖBB/Philipp Horak</span>
Der "Desiro ML" von Siemens ist andernorts in Österreich schon als "ÖBB Cityjet" unterwegs. ÖBB/Philipp Horak

„Desiro ML“ ist seit 2015 in Österreich als „ÖBB Cityjet“ im Einsatz.

Die beinahe schon unendliche Geschichte um die neuen Nahverkehrszüge der ÖBB in Vorarlberg soll Ende 2022 einen positiven Abschluss finden. Das haben die Verantwortlichen der Bundesbahnen am Dienstag bekannt gegeben. 21 Züge des Typs „Desiro ML“ der Siemens Mobility GmbH Austria sollen dann im Ländle im Einsatz sein. Bis die neuen Garnituren auf der Schiene sind, werden vorübergehend modernisierte „Cityjet Talent 1“-Züge verwendet. Siemens war als Bestbieter aus einem im Jänner gestarteten Vergabeverfahren gegangen. Dies war notwendig geworden, nachdem der ursprüngliche Vertragspartner Alstom/Bombardier es nicht geschafft hatte, die bestellten „Talent 3“-Züge zu liefern.

Entschuldigung

Mobilitätslandesrat Johannes Rauch zeigte sich am Dienstag erfreut über die Entscheidung. Mit der Zustimmung des Aufsichtsrats der ÖBB-Personenverkehr AG zur Beschaffung der neuen Züge sei nun fixiert, „dass 21 ‚Desiro ML‘-Züge für Vorarlberg abgerufen werden und ab Ende 2022 eingesetzt werden können“. Mit den neuen Garnituren und dem vorgelegten Ersatzkonzept bis zu deren Lieferung, könnten die ÖBB die Anforderungen aus dem Verkehrsdienstevertrag für Vorarlberg erfüllen. „Wir werden sehr genau drauf achten, dass nach den unrühmlichen Vorgängen um die ­‚Talent 3‘-Garnituren nunmehr geliefert wird, was seit Jahren versprochen wurde: mehr Platz für Fahrgäste und Fahrräder, mehr Sitzplätze und mehr Komfort im Nahverkehr“, betonte Rauch. Er entschuldigte sich auch bei den Nutzern des öffentlichen Nahverkehrs „für die entstandenen Verzögerungen und Beschwerlichkeiten“.

Verkürzte Lieferzeit

Wie die ÖBB-Verantwortlichen mitteilen, wird seitens Siemens garantiert, dass die Züge in der seitens des Landes gewünschten Konfiguration geliefert werden. Die Ausstattung mit Sitz- und Fahrradabstellplätzen sei entlang der Vorgaben des Verkehrsdienstevertrags, der zwischen ÖBB und Land Vorarlberg geschlossen wurde, gestaltet worden. In der Ausschreibung war zudem als wesentliches Kriterium eine verkürzte Lieferzeit für die Züge verlangt worden. Mobilitätslandesrat Rauch erklärte, dass die gewünschte Konfiguration ein eigenes Fahrradabteil sowie eine deutliche Erhöhung der Sitzplatzkapazitäten im Vergleich zu derzeit beinhaltet.

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ÖBB/Philipp Horak (5)

Bis die neuen Garnituren von Siemens im Einsatz sein werden, wird seitens der Bundesbahnen auf modernisierte „Talent 1“-Züge gesetzt, um den Großteil der Verkehrsdienstleistungen in Vorarlberg zu erbringen. Ebenso werden zusätzliche Sitzplatzkapazitäten geschaffen. Zu Schulbeginn im September werden beispielsweise fünf weitere „Talent 1“-Züge eingesetzt, um genügend Platz für Schüler und andere Nutzer zu schaffen.

Keine Zulassung

Die Neuausschreibung durch die ÖBB war notwendig geworden, da es für die „Talent 3“-Züge von Alstom/Bombardier immer noch keine Zulassung durch die Europäische Eisenbahnbehörde gibt. 21 der Garnituren waren für Vorarl­berg bestellt worden. Der Auftragswert lag bei insgesamt 150 Millionen Euro. Schon zur Weltgymnaestrada in Dornbirn im Jahr 2019 sollten die Züge unterwegs sein. Auch für das benachbarte Tirol hatten die ÖBB „Talent 3“-Züge bestellt. Hier könnte es ebenfalls bald dazu kommen, dass stattdessen 25 „Desiro ML“-Züge von Siemens angeschafft werden, berichtete die Tageszeitung „Der Standard“ am Dienstag. Andernorts in Österreich ist das Modell von Siemens bereits im Einsatz.

Pönale

In dem Bericht heißt es auch, dass es aufgrund der missglückten Zulassung auch zu Pönalezahlungen von Alstom/Bombardier an die ÖBB kommen könnte. Insidern zufolge stünden Summen von 1,5 Millionen Euro pro nicht geliefertem Zug im Raum. Der Alstom/Bombardier-Konzern habe sich diesbezüglich bereits vorbereitet und insgesamt 1,1 Milliarden Euro für „wacklige Aufträge“ rückgestellt.

Siemens Desiro ML/ÖBB Cityjet

Die „Desiro ML“-Züge von Siemens sind unter der Bezeichnung „ÖBB Cityjet“ bereits seit 2015 auf Österreichs Schienen unterwegs. Im Innenraum stehen bis zu 259 Sitzplätze zur Verfügung. Die Höchstgeschwindigkeit der 75 Meter langen und 145 Tonnen schweren Züge liegt bei 160 Stundenkilometern. Im Raum Wien kommen spezielle Garnituren mit maximal 244 Plätzen zum Einsatz.

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