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Einsatz in Krisengebieten unter Lebensgefahr

19.08.2021 • 14:34 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Nothelfer in Krisengebieten: "Es ist keine einfache Aufgabe"
Nothelfer in Krisengebieten: “Es ist keine einfache Aufgabe” (c) Ärzte ohne Grenzen

Jährlich am 19. August soll der Einsatz humanitärer Helfer gewürdigt werden.

2003 kamen bei einem Attentat auf das UNO-Hauptquartier in Bagdad 22 Personen ums Leben. Bei dem Bombenanschlag starb auch der damalige UNO-Sonderbeauftragte für den Irak, Sergio Vieira de Mello. In Gedenken an jene Personen wurde der Welttag der humanitären Hilfe ausgerufen, am 19. August soll jährlich der Einsatz der Nothelfer weltweit gewürdigt werden

Das sind die gefährlichsten Orte für Nothelfer 2021

Afghanistan und Süsudan: Je 17 Todesopfer

Syrien: 15 Todesopfer

Äthiopien: 7 Todesopfer

Myanmar: 6 Todesopfer

Pakistan: 4 Todesopfer

Anlässlich des “World Humanitarian Day” haben wir mit Nothelfern in Myanmar, Südsudan und Syrien gesprochen, die direkt aus den Krisengebieten berichten.

Jochen Meissner – Myanmar

Seit nun neun Jahren lebt Jochen Meissner in Myanmar. Die Zelte in Österreich habe er abgebaut, seine neue Heimat ist “das traumhaft schöne Land, mit seinen Seen, Dschungel und wahnsinnig freundlichen Leuten” südlich des Himalaya-Gebirges. Die Leidenschaft für Myanmar entwickelte er 2006 auf einer Südostasien-Rucksackreise, 2012 ergab sich beruflich die Möglichkeit, dauerhaft in das Land zu ziehen.

Was ist Sonne International?

Sonne International ist eine österreichische NGO, die Betreungszentren für Straßenkinder in der größten Stadt Myanmars, Yangon, betreibt. In den Slums organisiert man für die akut von Hunger betroffenen Menschen Menschen Reisspenden, geholfen wird auch Inlandsflüchtlingen, die im Zuge der Kriegshandlungen auf der Flucht sind und in “Camps unter katastrophalen Umständen leben.”

Hilfe, die bitter nötig ist: “Nur im letzten Monat gab es zehntausende Covid-Tote. Es gibt keine richtigen Zahlen, aber es gibt Bilder wo sich die Leichen vor den Krematorien stapeln”, berichtet Meissner von der Situation in der Pandemie. Für Einheimische sei es fast unmöglich, eine Impfung zu ergattern. Nach außen wolle die Militärregierung aber ein intaktes Bild in die Welt senden, daher sei die Arbeit der humanitären Hilfe auch nicht ungefährlich: “Das sehen sie nicht gerne, wenn sich Ausländer engagieren.”

Der Alltag habe sich im letzten Jahr extrem geändert. “Seit dem Militärputsch ist das Leben in Yangon geprägt von täglichen Bomben- und Brandanschlägen, Attentaten und Aktivitäten von Untergrundkämpfern.” Das omnipräsente Militär zielt mit scharfen Waffen auf Zivilisten, auch er selbst habe schon in einen Gewehrlauf geblickt. Richtig gefährlich sei es für öffentliche Stimmen, ausländische Journalisten würden im “berüchtigten Gefängnis Myanmars” sitzen. Es sei auch nicht ausgeschlossen, dass “sie irgendwann vor meiner Tür stehen”.

Wie es in Myanmar weitergeht, sei sehr schwer einzuschätzen. “Die Wirtschaft ist zusammengebrochen, es funktioniert gar nichts mehr. Die Militärregierung fängt nun an zu bröckeln: Mit dem unglaublichen Widerstand aus der Bevölkerung haben sie nicht gerechnet”, beschreibt Meissner die aktuelle Lage. “Sie führen das Land direkt in den Untergang.” Angesichts der nebeneinander stattfindenden Krisen, die politische Katastrophe und die Corona-Pandemie, gibt es einen aktuellen Spendenaufruf der Sonne International. Projektkoordinator Meissner hofft, “dass die Militärregierung – besser früher als später – zusammenbricht”, und er wieder zusammen mit seinen Landsleuten in dem Myanmar leben kann, in das er sich vor 15 Jahren verliebt hat.

Bernard Wiseman – Südsudan

Der US-Amerikaner Bernard Wiseman ist Einsatzleiter eines Projektes für Ärzte ohne Grenzen in Old Fangak im Südsudan. Die Region liegt inmitten eines der größten Süßwassersumpfgebiete der Welt. “Wir haben ein 30-Betten-Krankenhaus quasi in der Mitte dieser Sumpflandschaft. Hier bieten wir stationäre Behandlungen für die lokale Bevölkerung an.” Diese umfasse rund 100.000 Personen.

Old Fangak Hospital
Das “Old Fangak Hospital” inmitten eines der größten Sumpfgebiete der Welt.Tetiana Gaviuk/MSF (Tetiana Gaviuk)

Seit 2014 läuft das Projekt in Old Fangak, als Antwort auf Flüchtlingsströme, die sich in diesem entlegenen Gebiet ansiedelten. “Viele Menschen flüchteten hierher, weil das Sumpfgebiet Schutz vor Gewalt bietet. Die sumpfige Landschaft birgt aber auch Gefahren: Unsere größte Sorge ist Malaria”, weiß der Einsatzleiter. Das Coronavirus sei nur ein Nebendarsteller in seinem Einsatzgebiet: “Stechmücken, Käfer, Schlangen, gefährliche Echsen und Krokodile – es ist definitiv ein Sumpf.”

Angesprochen auf die Zukunft hofft Wiseman auf Besserung: “Es gab hier zusätzlich zur allgemein schon schwierigen Situation Überschwemmungen in noch nie da gewesenem Ausmaß.” Solidarität und Unterstützung sei weiterhin dringend erforderlich, weswegen er seine Arbeit fortsetzt: “Es kann manchmal ziemlich schwierig sein, ein humanitärer Helfer zu sein. Es ist keine einfache Aufgabe, aber es freut mich, dass die Arbeit der Hilfsorganisationen weltweit auch gewürdigt wird.”

Azad – Syrien

Azad ist studierter Agraringenieur. Seinen Abschluss konnte der Syrer gerade noch vor der Krise im Jahr 2011 machen. Seit dem gebe es für Junge aus dem Bürgerkriegsland kaum mehr Chancen auf Bildung: “Das Bildungssystem in Syrien ist zerstört. Waren es vor der Krise noch 90 Prozent, die eine Ausbildung erhielten, sind es heute nur mehr 10 Prozent.” Aus diesem Grund gebe es auch einen großen humanitären Bedarf, sowohl heute als auch in Zukunft.

Seine an der Universität erworbenen Fähigkeiten nutzt Azad deswegen, um der syrischen Gesellschaft zu helfen, denn in seinem Einsatzgebiet – neun Autostunden von Damaskus entfernt – ist die Landwirtschaft das Um und Auf der Bewohner. Wiederkehrende Dürreperioden machen ganz Syrien, speziell aber diese Gegend, zu schaffen. Für Azad ein eindeutiges Zeichen globaler Erwärmung: “Meiner Erfahrung nach gibt es alle zehn Jahre eine größere Dürreperiode, aber die letzte Trockenheit war äußerst gravierend.”

Teil des Programmes der Hilfsorganisation Care, in dem Azad als Koordinator für Sicherheit und Subsistenz mitwirkt, ist daher auch die Aufklärung der Bevölkerung über den Klimawandel. “Sie müssen wissen, welche Risiken und Gefahren auf sie zukommen und wie sie am besten damit umgehen”, sagt Azad. “Aber ihnen ist auch klar, dass der Klimawandel menschengemacht ist.”

Syria
In einigen Regionen Syriens gehören Kampfhandlungen immer noch zum Alltag.AP

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