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Im Ländle fehlen rund 500 Lkw-Fahrer

19.08.2021 • 19:34 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Michael Zimmermann ist Obmann der Sparte Transport und Verkehr und der Fachgruppe Güterbeförderungsgewerbe. <span class="copyright">WKV</span>
Michael Zimmermann ist Obmann der Sparte Transport und Verkehr und der Fachgruppe Güterbeförderungsgewerbe. WKV

Heimische Transportbranche hat mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen.

Teilweise leere Regale in den Supermärkten, Fast-Food-Ketten, die ihr Angebot reduzieren oder gleich mehrere Filialen schließen müssen, und zahlreiche Lkw, die auf Betriebshöfen stillstehen. Meldungen wie diese waren in den vergangenen Tagen und Wochen oft aus Großbritannien zu hören. Ein Mangel an Lkw-Fahrern machte und macht den dort ansässigen Unternehmen zu schaffen. Das Problem ist kein neues und auch in vielen anderen europäischen Ländern akut.

Lkw stehen still

In Vorarlberg ist die Personalsituation ähnlich prekär, berichtet Michael Zimmermann, Obmann der Sparte Transport und Verkehr in der Wirtschaftskammer Vorarlberg (WKV) und Geschäftsführer bei Bischof Transporte mit Stammsitz in Feldkirch. Er schätzt, dass im Ländle derzeit rund 500 Lkw-Fahrer gebraucht werden. Verschärft wird die Lage dadurch, dass einerseits in den kommenden Jahren zahlreiche Pensionierungen anstehen und andererseits der Nachwuchs fehlt. Akute Versorgungsprobleme wie in Großbritannien gibt es derzeit noch nicht. Sollte sich die Lage jedoch nicht verbessern, steuere Vorarlberg jedoch auf eine ähnliche Situation zu, befürchtet Zimmermann. Bereits jetzt stünden bei Transportunternehmen Lkw still, weil es zu wenige Fahrer gebe.

Rund 500 Lkw-Fahrer fehlen in Vorarlberg, schätzt der Spartenobmann. <span class="copyright">Hartinger</span>
Rund 500 Lkw-Fahrer fehlen in Vorarlberg, schätzt der Spartenobmann. Hartinger

Die Gründe für den Nachwuchsmangel sind vielfältig. So würden immer weniger junge Menschen aufgrund der hohen Kosten den Lkw-Führerschein machen. Ebenso liege das fehlende Interesse auch am schlechten Image, das noch viele Menschen in den Köpfen hätten. Die Branche versucht, mit verschiedenen Maßnahmen gegenzusteuern. So wird beispielsweise seit 2018 die Lehrausbildung zum Berufskraftfahrer in Vorarl­berg angeboten. Vorreiter war hier Bischof Transporte. Mittlerweile werden auch bei drei oder vier weiteren Betrieben Lehrlinge ausgebildet, berichtet Zimmermann.

Aufklärungsarbeit

Doch auch in Sachen Bewusstseinsbildung sind die Branchenverantwortlichen aktiv. Es gehe darum, den Menschen zu vermitteln, dass Lkw essenziell sind, um die Versorgung in allen Bereichen sicherzustellen. Dies sei vielfach in Vergessenheit geraten. Daher wird auch in Schulen Aufklärungsarbeit geleistet, um den Kindern zu zeigen, dass Lkw nicht grundsätzlich schlecht sind.

Im Wandel

Ein weiteres Thema, bei dem laut Zimmermann eine Schieflage zwischen Vorstellung der Menschen und Realität herrscht, sind die Arbeitsbedingungen von Berufskraftfahrern. Zwar räumt der Spartenobmann ein, dass der Job in der Vergangenheit ein sehr stressiger sein konnte, aber die Branche befinde sich in einem Wandel. So spiele auch im Transportwesen die oft zitierte „Work-Life-Balance“ eine immer wichtigere Rolle. Rechnung getragen werde dieser Tatsache etwa mit neuen Arbeitszeitmodellen.

In Großbritannien leidet die Versorgung der Supermärkte teilweise unter dem Fahrermangel. <span class="copyright">AP</span>
In Großbritannien leidet die Versorgung der Supermärkte teilweise unter dem Fahrermangel. AP

Der aktuelle Mangel in Großbritannien wird neben den Auswirkungen des Brexits, aufgrund dessen viele EU-Bürger nicht mehr als Lenker zur Verfügung stehen, auch mit der Corona-Pandemie begründet. Viele Fahrer hätten sich wegen Kontakts mit Infizierten in Absonderung begeben müssen. Aus Sicht des Spartenobmanns ist diese Begründung nicht unbedingt plausibel. Zwar sei die Situation in Vorarlberg im Laufe der bisherigen Corona-Wellen sicherlich manchmal herausfordernd gewesen. Doch selbst in den Hoch-Zeiten der Pandemie habe das Transportwesen funktioniert.

Was die Zukunft der Branche betrifft, ist Zimmermann trotz der derzeit eher prekären Lage durchaus positiv gestimmt: „Ich glaube immer an das Gute.“

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