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„Aktivismus wird leider oft verlacht“

20.08.2021 • 10:58 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Katharina Rogenhofer
Katharina Rogenhofer (c) APA/HANS PUNZ

Katharina Rogenhofer brachte globale Klimabewegung mit anderen nach Österreich.

Sie haben die Klimaschutz-Bewegung „Fridays for Future“ (FFF) nach Österreich gebracht. Wie lief das damals ab?
KATHARINA ROGENHOFER: Ich war mit zwei Freunden 2018 bei der Klimakonferenz im polnischen Kattowitz. Dort haben wir viele Aktivistinnen aus aller Welt getroffen, darunter auch Greta Thunberg. Danach war uns klar, dass in unserer Heimat in Sachen Klimaschutz noch viel zu wenig passiert. Als wir zurück in Österreich waren, haben wir als Erstes eine Facebook-Gruppe gegründet und bei der Polizei nachgefragt, wie man überhaupt eine Demo anmeldet. Dass schon die erste globale Klimademo in Österreich im März darauf so viel Zulauf hatte, hat uns positiv überrascht.

Gerade Greta Thunberg erntete viel Spott und Kritik. War das in Österreich ähnlich?
ROGENHOFER: Der größte Widerstand kam aus der Politik. Die schwarz-blaue Regierung hatte damals überhaupt kein Interesse am ernsthaften Klimaschutz. Man braucht da schon ein dickes Fell. Heute nimmt man unsere Anliegen ernster und wir sind auch viel besser vernetzt.

Zur Person

Katharina Rogenhofer studierte Zoologie an der Universität Wien und Nachhaltigkeits- und Umweltmanagement in Oxford. 2018 holte sie mit weiteren Aktivisten die „Fridays for Future“-Bewegung nach Österreich, 2019 übernahm sie die Leitung des Klimavolksbegehrens.

Buchtipp. Ändert sich nichts, ändert sich alles, Katharina Rogenhofer, Zsolnay-Verlag, 287 Seiten, 20,60 Euro.

Hätte man nicht auch am schulfreien Samstag streiken können?
ROGENHOFER: Die Schulstreiks waren extrem wichtig. Hätten wir am Wochenende irgendwo am Stadtrand demonstriert, hätte sich niemand dafür interessiert. Natürlich gab es Leute, die meinten, die Schüler sollten lieber in den Schulen lernen. Greta fragte daraufhin, warum sie für eine Zukunft lernen sollte, die vielleicht gar nicht existiert.

Eine drastische Formulierung.
ROGENHOFER: Wir sehen ja bereits, wohin uns unser Lebenswandel führt, wenn sich nichts ändert. Viele von uns haben einfach Angst vor der Zukunft, weil sie die Bedrohung erkannt haben.

Wie definieren Sie Ziele und messen Erfolg bei FFF?
ROGENHOFER: Die Ziele sind klar definiert und bekannt. Wir fordern gemäß dem Pariser Klimaabkommen eine Beschränkung der Erderhitzung auf 1,5 bis maximal 2 Grad. Der Erfolg lässt sich nicht so einfach messen. Wir haben unsere Anliegen mit dem Klimavolksbegehren erfolgreich ins Parlament gebracht. Nicht nur in Österreich. Vor drei Jahren wäre es kaum vorstellbar gewesen, dass in der EU Klimaschutz zur Chefsache wird.

Wo steht die Bewegung heute?
ROGENHOFER: Die Pandemie hat uns schon stark eingeschränkt. Aber der Klimawandel macht keine Pause und wir kehren auf die Straßen zurück. Das nächste Mal am 24. September.

Was können Einzelne tun?
ROGENHOFER: Werden Sie in Ihrem Umfeld aktiv, thematisieren Sie den Klimawandel und überlegen Sie, wie Sie im Beruf Bewusstseinsbildung und Emissionsreduktion vorantreiben können.