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Das finanzielle Dilemma der Taliban

20.08.2021 • 13:02 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Ein rares Gut in Afghanistan: US-Dollar-Noten
Ein rares Gut in Afghanistan: US-Dollar-Noten (c) AP (SERGEI GRITS)

Den neuen Herrschern könnte Finanznot drohen. Der Staatsschatz ist im Ausland.

Geld regiert die Welt, aber die Taliban müssen wohl ohne die afghanischen Gold- und Devisenreserven regieren. Etwa neun Milliarden US-Dollar sind Afghanistans Reserven wert, doch allem Anschein nach nichts für die neuen Machthaber des Landes am Hindukusch. Denn fast alles davon lagert im Ausland und ist damit für sie außer Reichweite. Einmal mehr spielen die USA eine entscheidende Rolle: Der Großteil der Vermögenswerte der afghanischen Zentralbank befinden sich in den USA. Und weil die Taliban weiterhin auf der Sanktionsliste des Finanzministeriums stehen, steht ihnen dieses Guthaben auch nicht zur Verfügung.

Nur Bares ist Wahres

Dass die Taliban dieses Geld durchaus gut gebrauchen könnten, zeigt der Umstand, dass sie bereits bei Ahmadys Mitarbeitern nachgefragt hätten, wo diese Vermögenswerte ruhen würden. Weil in Afghanistan bisher deutlich mehr US-Dollar ausgegeben als eingenommen wurden, war die Zentralbank zudem auf regelmäßige Lieferungen von US-Bargeld angewiesen. Dem Zentralbankchef zufolge habe man jetzt kaum noch Valuten, weil die Lieferungen angesichts des Vormarsches der Taliban eingestellt worden seien. Infolgedessen drohe ein Kursverfall der lokalen Währung “Afghani”.

Was den Taliban bleibt, ist das Geschäft mit den Drogen. Der Verkauf von Opium und Heroin spült jedes Jahr Millionen in die Kassen der Organisation. Die Vereinten Nationen schätzen, dass die Taliban zwischen 2018 und 2019 mehr als 400 Millionen Dollar mit dem Drogenhandel verdient haben. Mit dem Anbau und Handel von Drogen würde man bis zu 60 Prozent der Jahreseinnahmen lukrieren, 80 Prozent des weltweit konsumierten Opiums und Heroins stamme bereits aus Afghanistan. Weitere nennenswerte Finanzquellen der Taliban sind Lösegeldforderungen nach Entführungen und Erpressungen lokaler Unternehmer. Außerdem besteuern die Taliban fast alles in den von ihnen kontrollierten Gebieten.

Folglich versuchten die Vereinigten Staaten in den letzten 20 Jahren auch, diese Einnahmequelle trocken zu legen. Luftangriffe und Razzien auf mutmaßliche Labore führten aber nicht zum erhofften Erfolg, der Schuss ging in Wirklichkeit nach hinten los: Bei Bauern und Arbeitern, deren Existenz wie, die der Taliban vom Drogenhandel abhängt, kam der vom Westen geführte Krieg gegen die Drogen gar nicht gut an. Während die Sympathiewerte der ehemaligen Zentralregierung in den Keller rasselten, stiegen zeitgleich jene der Terrorgruppe.

AFGHANISTAN POPPY DRUGS
Viele Existenzen in Afghanistan hängen am Drogenanbau.APA

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