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Doppelgipfel am Ende des Montafons

20.08.2021 • 11:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Hertha Glück und Emil auf dem Tafamunter Augstenberg in 2489 m Höhe mit dem Blick übers Rätikon. <span class="copyright">Hertha Glück</span>
Hertha Glück und Emil auf dem Tafamunter Augstenberg in 2489 m Höhe mit dem Blick übers Rätikon. Hertha Glück

Geschichtenerzählerin Hertha Glück wandert ab Zeinisjoch zum Tafamunter Augstenberg.

Schon die Anreise ab Gaschurn-Partenen (1051 m) ist ein wahres Abenteuer, das einen Kurve für Kurve über die Silvretta-Hochalpenstraße in eine alpine Felslandschaft mit großflächigen Alpen, steilen Bergwäldern und sichtbarem Wasserreichtum bringt. Die Wanderroute beginnt dann beim Stausee Kops mit dem Vor­becken Zeinis, an dem das Zeinisjochhaus liegt. Hier startet die Gipfelwanderung in stattlicher Höhe von 1817 Metern vorab zur Verbellaalpe und durchs Europaschutzgebiet Verwall mit dem Hinweis, Pflanzen und Tiere zu achten und schützen. Leicht ansteigend übernimmt bis dorthin ein schmaler Kiesweg, der artenreiche Blumenmatten durchschneidet. Schon in Kürze sprudelt ein tosender Gebirgsbach vermeintlich direkt aus dem Berg unter der überquerten Brücke.

Hertha Glück und Emil auf dem Weg zum Jöchli. <span class="copyright">Hertha Glück</span>
Hertha Glück und Emil auf dem Weg zum Jöchli. Hertha Glück

In dreißig Minuten steht man oberhalb des natürlich entstandenen Zeinissee mit dem Tiroler Berg Fädner Spitze (1788 m) im Hintergrund. Das Zeinisjoch befindet sich auf der Grenze zwischen den österreichischen Ländern Vorarlberg und Tirol in 1842 Meter Höhe. Der Weg über den Pass verbindet das Montafon mit dem Paznaun und trennt die Gebirgsruppe Verwall im Norden und Silvretta im Süden.

Natürlich entstandener Zeinissee umrahmt von Fadnerspitze 2788 m, Gorfen Spitz 2558 m, Hochnöderer 2754 m. <span class="copyright">Hertha Glück</span>
Natürlich entstandener Zeinissee umrahmt von Fadnerspitze 2788 m, Gorfen Spitz 2558 m, Hochnöderer 2754 m. Hertha Glück

Schmetterlinge und Alprosen

Zahlreiche Schmetterlinge gaukeln nektarsuchend von Blume zu Blume. Auf der ganzen Route befinden sich die zwei Gipfelziele Versalspitze und Tafamunter Augstenberg im Fokus, hochaufragend im Verwallgebirge und doch leichten Fußes zu erreichen. Der Weg fällt zur Verbella­alpe hin ab und führt über den Verbellabach. Noch in der ersten Güterwegkurve steigt man links zum Jöchli an, das sich inmitten der zwei Gipfel befindet. Weit öffnet sich der Blick über Alpenrosenmatten, alpines Grasland und felsdurchsetztes Gelände.

Schwalbenschwanz (Papilo Rutulus) auf Kratzdistel. <span class="copyright">Hertha Glück</span>
Schwalbenschwanz (Papilo Rutulus) auf Kratzdistel. Hertha Glück

Die sattgrünen Alpweiden umschließen kleine Tümpel. Besonders beeindruckend führt der Blick übers Wollgras hinweg zum Valschavielkamm und Tiroler Schönverwall. Oben am Jöchli in der Höhe von 2405 Metern blickt man hinab nach Gaschurn und zu den Gargellener Köpfen (2559 m). Links ab erreicht man in zehn Minuten die Versalspitze (2462 m), bei der im Talgrund Partenen mit den Vermunt­stauseen liegt und dahinter der Großlitzner (3109 m) aufragt.

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Hertha Glück

Glockenblume

Bärtige Glockenblume (griechisch Campanula = kleine Glocke, bartata) erstrahlt von Juni bis August an sich in Hellblau und ganz selten in Weiß. Sie bevorzugt saure Magerrasen und Zwergstrauchheiden und ist von 1200 bis 2800 Höhenmetern in den Alpen verbreitet.

Wieder zurück beim Jöchli lohnt sich der Gipfelanstieg auf den Tafamunter Augstenberg (2489 m), der steinerne Ströme an Schuttfluren und den Wiegensee, ein einzigartiger Moorsee, überragt. Weit reicht der Blick übers Rätikon zum Hochjoch (2520 m). Beide Gipfel bieten ein atemberaubendes 360-Grad-Panorama unzähliger Gipfel, Gebirgsketten, Talkerben, Blumenmatten und Seen im bunten Farbenspiel.

Im Uhrzeigersinn Rätikon mit Schafbodenkopf 2400, Madrisella 2466 m udn Valisera 2716 m und Gargellener Köpfe 2559 m. <span class="copyright">Hertha Glück</span>
Im Uhrzeigersinn Rätikon mit Schafbodenkopf 2400, Madrisella 2466 m udn Valisera 2716 m und Gargellener Köpfe 2559 m. Hertha Glück

Der Weg nach unten

Der Abstieg ist nun wieder hinab zum Jöchli, weitere Meter abwärts zum nächsten Wegweiser in Scheibe, um dann links ab den Hang nach Furkla zu queren. Ab Furkla geht es rechts ab gemütlich über den Güterweg zur Verbellaalpe, mit der Gewissheit, dass dieser Weg wahrlich der Gewalt der Natur abgerungen ist, denn mächtige Steine sichern den Weg. Netze bewahren den Wanderer vor Steinschlag und dazwischen blühen Steinbrech, Purpur­enziane, Berganemonen, Meisterwurz und sogar weiße, behaarte Glockenblumen. Achtung, man befindet sich in der Bike Arena Paznaun und auf Mutter-Kuh Weiden. Mehrere Wegkurven bringen den Wanderer hinab zur Verbellaalpe und ab hier ist der Rückweg zum Zeinisjoch bekannt. Ein beeindruckende Route und ein wahrer alpiner Hoch­genuss.

Blick übers Verbellatal zum Kops Stausee flankiert von den Fluhspitzen. <span class="copyright">Hertha Glück </span>
Blick übers Verbellatal zum Kops Stausee flankiert von den Fluhspitzen. Hertha Glück

Zur Wanderung

Besonderes: Die recht einfachen Anstiege zu den beiden Gipfeln bieten eine hervorragende Aussicht, Hochgenuss an Fauna und Flora und überwältigendes Farbenspiel der Natur.

Anforderung und Gehzeit: In fünf bis fünfeinhalb Stunden Gehzeit werden die 808 Höhenmeter aufwärts und dann wieder 808 abwärts gemeistert.

Tipps: Mit dem Bike ab Kops-Stausee verkürzt man ein gutes Stück Wanderzeit. Für Hunde gibt es viel Wasser, allerdings Mutter-Kuh-Haltung, Schafe, Leinenpflicht

Markierungen: gelb-weiß, weiß-rot-weiß

Charakter der Wege: Forst-, Grat-, Alp- und Wiesenwege

Wichtig: früh losgehen, es gibt keinen Schatten

Kultur und Natur: Zeinisjoch, Zeinissee, Verbellaalpe, Verwall Europaschutzgebiet, Versalspitze, Tafamunter Augstenberg

Anziehen und Mitnehmen: gutes Schuhwerk (Profilsohle), Wetterkleidung, Wanderstöcke empfohlen

Einkehrmöglichkeiten: Alpen­gasthof Zeinisjoch, Verbellaalpe

Start und Ende: Alpengasthof ­Zeinisjoch, Bushaltestelle, ­Silvretta-Hochalpenstraße – Mautpflicht

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