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Der sanfte Druck zum Impfen durch das langsame Ende der Gratistests

21.08.2021 • 17:42 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Antigen-Schnelltest sollen ab November nicht mehr gratis sein
Die Antigen-Schnelltest sollen ab November nicht mehr gratis sein (c) APA/BARBARA GINDL (BARBARA GINDL)

Ab November endet kostenlose Abgabe von Antigen-Schnelltests in Apotheken.

Ein „sanfter Übergang“ solle es sein, sagt Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne): Ab 1. November wird die Republik nicht mehr die Kosten für „Wohnzimmertests“ übernehmen, die jeder Versicherte derzeit gratis in Apotheken abholen kann. Nur „evaluiert“ werden soll dagegen, ob sich symptomlose Personen dort weiterhin kostenlos auf das Coronavirus testen lassen können.

Es ist der nächste vorsichtige Schritt in der Strategie des Bundes, einerseits die Attraktivität der Covid-Schutzimpfung zu steigern, indem sie die Alternativen zurückfährt. Bisher waren die kostenlosen Selbsttests zum Nachweis des „3G“-Status gültig, sofern sie in einem Meldesystem der Bundesländer erfasst wurden – mit Ausnahme Wiens, wo sie schon seit Juli nicht mehr anerkannt werden.

Zum anderen geht es auch um Kosten. Wie viel die öffentliche Hand die unterschiedlichen Corona-Testangebote kosten, weiß aktuell niemand so genau, weil die Verrechnung zwischen Bund, Ländern, Gemeinden und anderen Akteuren noch lange nicht abgeschlossen ist – jedenfalls mehr als eine Milliarde kosten die Tests den Steuerzahler jedenfalls.

“Müssen Menschen Zeit zum Impfen lassen”

Das sehr langsame Ende dieser ersten Testaktion erklärt Mückstein mit dem nur noch langsamen Impffortschritt: „Nun müssen wir den Menschen ausreichend Zeit geben, sich den 1. und 2. Stich zu holen“, so der Minister am Freitag.

Experten und Gesundheitsmanager begrüßen die Einschränkung: Für Harald Eitner, der die steirischen Impfstraßen koordiniert, könnte es beispielsweise sogar noch schneller gehen: „Ich hätte nichts dagegen, wenn das schon 1. Oktober so wäre.“ Denn die Wohnzimmertests seien ja eine „bequeme Lösung“ und eine praktische Alternative zum Impfen. Allein in der Steiermark würden 250.000 solcher Tests pro Woche gemacht.

Wenn aber die Tests etwas kosten, würde ein „spürbarer Lenkungseffekt“ hin zur Impfung eintreten. Betroffen wären laut Eitner vor allem die Jungen, die sich nicht zu gefährdeten Gruppe zählen würden – und welche die Tests der Impfung vorziehen. Die Steiermark wird jedenfalls an ihren Teststraßen mit 1. November die Möglichkeit zum „kontrollierten Selbsttest“ streichen – zu aufwändig wäre die Organisation, wenn man nun dafür Geld verlangen müsste.
Die FPÖ ortet in Mücksteins Ankündigung ein Hinarbeiten auf ein „1G-Regime“ und sieht den Ausschluss Ungeimpfter aus dem gesellschaftlichen Leben samt Berufsverboten und durch deren Stigmatisierung als Gefährder“ heraufdräuen. Es werde versucht , Menschen in die Impfung zu „zwingen“.

“Impfpflicht führt nur zu mehr Widerstand”

Weiter gegen eine Impfpflicht sind einstweilen Experten wie der Virologe Andreas Bergthaler. „Das führt zu mehr Widerstand“, sagt er. In der aktuellen Situation sei klar, dass die SARS-CoV-2-Infektionszahlen „weiter steigen werden“.

Der bisher hilfreiche saisonale Effekt des Sommerwetters werde abebben. Die große Frage sei, wann der nun „kontinuierliche Trend“ seinen Höhepunkt erreicht: „Das ist schwieriger vorherzusehen.“ Die Schlüsselrolle werden für Bergthaler Informationen für Impfskeptiker einnehmen.

Auch bei den Hospitalisierungen müsse man davon ausgehen, dass zwar durch die Impfungen weniger Leute tatsächlich im Krankenhaus landen, mit den insgesamt steigenden Zahlen könne aber trotzdem „das Gesundheitssystem an seine Grenzen stoßen“.

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