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Millionenschwerer Riesentransformator

25.08.2021 • 14:34 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die letzten Arbeiten wurden abgeschlossen, der Riesentransformator ist am Netz
Die letzten Arbeiten wurden abgeschlossen, der Riesentransformator ist am Netz KK/Martin Lugger

30-Millionen-Euro-Sanierung für Osttiroler Stromversorgung

Nach rund einem Jahr Montage und ausführlichen technischen Überprüfungen war es vergangene Woche soweit: Die Austrian Power Grid AG (APG) hat den neuen 380/220-kV-Transformator im Umspannwerk (UW) Lienz in Nußdorf-Debant in Betrieb genommen. Er erhöht die Ausfallsicherheit für ganz Österreich und erleichtert die bundesweite Nutzung klimafreundlicher Windenergie. Die Anschaffungskosten in Höhe von 7,5 Millionen Euro sind jedoch nur ein Viertel des Investitionsprogramms, das APG derzeit am Standort realisiert: Um insgesamt 30 Millionen Euro verbessert der Netzbetreiber die Stromversorgung Osttirols wesentlich. Der Abschluss des Gesamtprojekts ist für Ende 2022 geplant.

Sichere Stromversorgung für die nächsten Jahrzehnte

“Das Umspannwerk Lienz ist der einzige Strom-Anspeisepunkt für ganz Osttirol aus dem österreichweiten 380/220-kV-Hochpsannungsnetz der APG und deshalb besonders wichtig für die Stromversorgung in der Region,” sagt Wolfgang Ranninger, der als Projektleiter die Bauarbeiten koordiniert. Und: “Nach rund 60 Jahren Betriebsdauer sind Teile der Anlage sanierungsbedürftig. Seit Herbst 2016 erneuern wir daher schrittweise die 220-kV-Schaltanlage, über welche die regionalen Leitungen der TINETZ-Tiroler Netze GmbH aus dem überregionalen APG-Netz versorgt werden – damit der Strom auch in den nächsten Jahrzehnten bei allen Haushalten und Unternehmen verlässlich aus der Steckdose kommt.” Die Bauzeit beträgt insgesamt sechs Jahre.

Transformator erfolgreich in Betrieb genommen

Mit 816 Tonnen Gewicht ist der hochmoderne Anlagenteil im UW Lienz einer der größten seiner Art, die in dieser Form österreichweit im Einsatz sind: Im Spätsommer 2020 wurde der Koloss aufgrund seiner immensen Dimensionen in drei Einzelteilen, sogenannten “Trafobänken” angeliefert, ist jetzt vollständig zusammengeschlossen und wird als eine Einheit betrieben. Eine Endspannung von 380.000 Volt wird nach dem vollständigen Hochfahren erreicht. Zum Vergleich: Aus der heimischen Steckdose kommen 230 Volt. Der starke Winter mit starken Schneefällen hat die Bauarbeiten übrigens rund zwei Monate verzögert.

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Hier sieht man die drei Trafobänke. Sie wurden zusammengeschlossen und werden als Einheit betriebenSonstiges

Lienzer Umspannwerk ist wichtig für ganz Österreich

Die energiewirtschaftlichen Rahmenbedingungen haben sich in den vergangenen Dekaden maßgeblich verändert, bis 2030 soll sauberer Ökostrom zu 100 Prozent den Verbrauch in Österreich decken. Ranninger erläutert die Zusammenhänge: “Mit dem neuen Transformator erhöht APG die Ausfallsicherheit für ganz Österreich und erleichtert gleichzeitig die bundesweite Verteilung klimafreundlicher Windenergie: Der Trafo verstärkt die Verbindung zwischen den Speicherkraftwerken Malta und Reißeck (Kärnten) sowie Kaprun (Salzburg) im Westen des Landes mit den Windkraftanlagen im Osten.” Überschüssiger Windstrom, der nicht vor Ort verbraucht wird, kann so über weite Strecken abtransportiert und gespeichert werden. Bei Bedarf kann der Strom dann wieder von den Speicherkraftwerken abgerufen und österreichweit genutzt werden. Auch für den internationalen Stromtransport ist der Standort von Bedeutung, er fungiert als 220-kV-Schnittstelle nach Soverzene in Italien.

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Das Umspannwerk Lienz von obenSonstiges

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